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Tagebuch eines CeBIT-Reisenden: Beutelratten-Tag (Photo-Update)

CeBIT© CeBIT
Wehe, wenn sie losgelassen! Tausende von Privat-Besuchern fluten durch die Hallen. Ihr Ziel: Kugelschreiber, Bonbons und was es sonst noch an Goodies abzustauben gilt. Bienenstock CeBIT - die Gier kennt keine Grenzen. Und das ist gut so...

CeBIT - am Wochenende: Jetzt kommen die Familienväter mit Kind und Kegel. Weil's prima lief haben wir unsere Goody-Tour für einen guten Zweck noch aufs Wochenende ausgedehnt. Im Nachhinein ein Fehler: Am Stand-Counter schubsen sie, drängeln und man könnte meinen, auf den Toiletten wird Blattgold verschenkt...

Früher Vormittag: Wieder ziehen wir los. Erste Anlaufstelle: D-Link. "Tach, Onlinekosten.de. Wir sammeln Goodies zur Versteigerung bei eBay - für einen guten Zweck." - "Ja, unsere Pressesprecherin ist gerade im Meeting, aber ich frag' mal nach..." - Die Dame geht 10m weiter. Dort steht die Pressesprecherin und starrt vor Langeweile Löcher in die Luft. Kurzes Gespräch, dann kommt sie wieder. "Tut mir leid, ich kann zur Zeit im Meeting nicht stören..." Hm, klar, danke D-Link, generöse Firma. Wir gehen weiter...

Ähnlich bei Diavolo: "Nein, wir haben leider kein Promo-Material." - "Nicht mal einen Kugelschreiber?" - Fehlanzeige. Anders Gericom: Hier werden wir mit offenen Armen empfangen. Radios bekommen wir und Klogs, mit Kuhfell überzogen und eingebranntem Gericom-Logo, um die uns später die halbe Messe beneiden soll. Bei Vodafone lugt ein Knirps neben mir über den Counter, will eine Mütze haben. "Alle aus", meint die gestresste Dame, sieht mein Presseband und findet plötzlich doch noch eine, nebst einem Lächeln für den Kleinen. Die Vodafone-Pressefrau ist klasse: Sie stiftet Rucksack mit Handy-Tasche nebst passender Trinkflasche. Und Photos von Ihren Messe-Damen sind für uns auch noch drin...

Sony packt uns einen Riesen-Karton mit Badges und Schuhputzzeug zusammen. Als wir am Stand in Tüten umpacken kommt der nächste Knirps und schaut Kollege Wagenhöfer mit Kulleraugen an. Wagenhöfer fasst sich ein Herz und schenkt ihm einen Sony-Lolli. Verärgerter Kommentar vom gierigen Paps: "Das soll doch wohl nicht alles sein!" Erklärungen nützen nichts: Heute hat wohl jeder allen alles zu geben. Wir machen uns davon...

Siemens schenkt Klappstuhl, Anzugtasche und ein Caipi-Set, die Telekom rund 20 Schlüsselbadges. Von Arcor gibt's Badges, Kulis und Massage-Geräte. Vollbehangen marschieren wir durch die Hallen. Schallendes Gelächter an allen Ständen als ich mit Gericom-Mütze, fünf Badges um den Hals und 10 Tüten in der Hand vorbei laufe. Von den Familienvätern nur gierige und böse Blicke. Ich bekomme Angst...

Riesenerfolg beim SMC-Stand. Nach fünf Minuten ist Presse-Sprecherin Klein unser bester Freund. "Klasse Aktion", meint sie und spendiert erst einmal Kaffee und Kuchen. Danach kommen die Goodies: zwei T-Shirts, bemalt vom Europäischen Airbrush-Meister, lederne Visitenkarten-Etuis und zwei Säcke voller SMC-Stofftiere. Die Dinger sind der Renner... "Oh, sind die süß! Kann ich eins haben?" - gleich am Stand sprechen uns die ersten Messe-Besucher an. Wir verteilen mit vollen Händen. Ein Mittdreißiger im Anzug kommt daher, fragt freundlich nach einem weiteren Stofftier - für seine Tochter. Ich sehe sein Schild: AT&T-Manager - eines von den hohen Tieren. Wir beschließen zu tauschen: Stofftier gegen zwei Tüten mit Jaguar-Caps, T-Shirts und Schlüsselanhängern. Gutes Geschäft...

Auf zu Sendo! Dort winkt angeblich der erste Messe-Skandal: Table-Tänzerinnen, die Handys präsentieren. Nichts wie hin und Photos machen. "Wo sind denn jetzt Ihre Table-Tänzerinnen?" - findet die Sendo-Frau gar nicht witzig. "Die ziehen sich nicht aus, kommen aber gleich!" Und sie kommen: bauchfrei mit Dreiviertel-Hose schieben sie sich bei Hiphop-Musik aufs Podest. Kollege Wagenhöfer packt die Kamera aus, kniet sich hin und knipst, was das Zeug hält.

Panik bei mir: was, wenn die Damen das jetzt gar nicht witzig finden? Fehlanzeige: Sie fangen jetzt erst richtig an! Es wird anzüglich. Seriosität (welche? ja, ja) wahren! Doch: Wir haben noch nicht genug! Nach weiteren 15 Ständen geht's endlich zum Presse-Center - zur VIA-Journalisten-Party. Dort schielt Serkan Irgendwas aufs Presse-Schild vom Kollegen Deppermann. Einmal, zweimal - dann kommt rotzfrech: "Onlinekosten - was soll denn das sein?" Mist, da kennt uns einer nicht, soll vorkommen. Deppermann erklärt, wer wir sind und was wir machen. Naja, denke ich, wahrscheinlich ein Top-Redakteur von der Riesen-Zeitung, also lieber Klappe halten. Anders Deppermann: Auch er schielt jetzt - aufs Schild vom freundlichen Mitweberber: "Äh, und Power Up? Was soll genau jetzt das sein?" Ich pruste vor Lachen, verkneife mir den "Ein-Aufbau-Anabolika-Muskelproleten-Magazin"-Witz und warte....

Erklärungsnot bei Serkan Irgendwas: "Äh, ja, wir sind da so ein kleines lokales Internet-Magazin aus dem Ruhrgebiet." - Wie jetzt? Internet-Magazin und dann lokal? Berichte über Provider-Ausfälle in Wattenscheid West? Flatrate-Probleme in Wanne-Eickel? Alles nicht gesagt, stattdessen mit versöhnlichem Grinsen: "Was klein ist, kann nur größer werden!" Stimmt doch, oder? Gilt nämlich auch für uns...

(Alex Leinhos)

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