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T-Online: Neue DSL-Tarife mit unschöner Laufzeit

Update: Verbraucherschützer erwirken Einstweilige Verfügung gegen T-Online am Landesgericht Hamburg.

15.06.2005, 16:17 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Wie T-Online heute zunächst seinen Kunden, dann der Presse weiter gegeben hat, gilt ab dem ersten Juli für alle DSL-Tarife, die nicht pauschal abgerechnet werden, eine Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Dies wäre nicht weiter verwerflich, wenn dies nicht auch für Bestandskunden gelten würde.
Vertragsknebel
T-Online-Kunden, die momentan mit einem DSL-Zeit- oder -Volumentarif im Netz unterwegs sind, erhalten somit im Juli die Vertragsknebel angesetzt. Besonders unfreundlich ist hierbei, dass sich "die Vertragslaufzeit (...) automatisch jährlich um weitere 12 Monate verlängert, sofern keine fristgerechte Kündigung mindestens 20 Tage vor Ablauf der 12 Monate schriftlich eingeht". Wenn das mal nicht von dem ein oder anderen Kunden übersehen wird.
Doppelte Leistung, gleicher Preis
Im Gegenzug zu dieser Neuerung unterbreitet T-Online Nutzern des Tarifs DSL 1500 MB das Angebot, ab Juli bei gleich bleibenden Konditionen (9,95 Euro pro Monat) das Doppelte an Freivolumen versurfen zu können. Zu diesem Zeitpunkt wird die Volumenrate mit 1500 Megabyte nämlich durch ein Produkt mit 3000 MB Inklusivtraffic ersetzt. Kunden des bestehenden Tarifs T-Online dsl 3000 MB zahlen künftig 16,95 Euro für 6000 Megabyte Traffic. 12000 MB gibt es dementsprechend für 24,95 Euro.
Bestandskunden in den surftime-Tarifen für DSL haben die Möglichkeit, zwei Mal so lange zu surfen wie bisher. surftime 30 wird zu surftime 60 für 9,95 Euro. Und wer jetzt T-Online dsl surftime 60 nutzt, zahlt ab Juli 16,95 Euro für 120 Inklusivstunden. Doch aufgepasst: Auch hier gilt die neue, längere Vertragslaufzeit. Wer zu den alten Konditionen weitersurfen möchte, soll seinen Widerspruch schriftlich an das Unternehmen schicken. Update I vom 27.05.2005
Die Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs e.V. (kurz WBZ) geht gegen die Art und Weise, wie T-Online seine Vertragsänderungen kommuniziert, vor.
Nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung steht hierbei die lapidare Infomail im Zentrum der Kritik, die über die Neuigkeiten informierte. Der Absatz mit der Hauptinformation könne leicht überlesen werden, so die Institution. Auch die "schweigsame Zustimmung" zu den neuen Vertragskonditionen, ohne Setzen einer Unterschrift, sei unwirksam.
Der Verein fordert T-Online dazu auf, eine Unterlassungserklärung zu unterschreiben. Sollte dies nicht geschehen, werde man gerichtlich gegen den Provider vorgehen. Bei T-Online kommentierte man lediglich den Eingang des Schreibens. Wie man darauf reagieren würde, ließ man offen. Update II vom 15.06.2005
Mit einer Einstweiligen Verfügung hat die Zivilkammer 15 des Landesgerichts Hamburg den Versuch von T-Online gestoppt, Kunden mit Zeit- und Volumentarifen für den T-Online-DSL-Internetzugang eine verlängerte Kündigungsfrist von einem Jahr aufzuerlegen, ohne diese ausreichend deutlich über die Veränderungen und ihr Widerspruchsrecht zu informieren.
Der Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten zeigt sich befriedigt über die Entscheidung des Gerichtes, die die Auffassung des Branchenverbandes bestätigt habe, dass eine derartige versteckte Vertragsverlängerung unzulässig und darum zurückzunehmen sei. Unterstützt wurde der Verband nachhaltig von Seiten der Verbraucher, insbesondere von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs.
Es handelt sich bei der Einstweiligen Verfügung um eine noch nicht bestandskräftige vorläufige Regelung, die T-Online mit Rechtsmitteln anfechten kann.

(Tobias Capangil und Michael Müller)

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