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T-Mobile in USA für 32 Milliarden Dollar zum Verkauf?

Zu klein zum Leben, zu groß zum Sterben: Dass bei der Deutschen Telekom die Bonner Mutter ihre US-Tochter gerne verkaufen würde, ist bekannt. Jetzt könnte es T-Mobile USA ähnlich ergehen wie E-Plus in Deutschland: Hinweise auf einen Zusammenschluss mit Wettbewerber Sprint verdichten sich.

10.07.2014, 12:54 Uhr (Quelle: DPA)
SMS schreiben© Andres Rodriguez / Fotolia.com

Bei der Deutschen Telekom rumort es: Auch nach dem Börsengang von T-Mobile US im vergangenen Jahr findet das Unternehmen keine Ruhe. Angeblich kommt der Konzern nun seinem Ziel, sich vom verlustreichen Ausflug auf den amerikanischen Kontinent zu trennen, ein gutes Stück näher.

Banken machen Milliarden Dollar locker

Ob der Wettbewerber Sprint zum Zuge kommt, ist trotz eines gehandelten Milliarden-Angebotes noch nicht ausgemacht. "Kein Kommentar!", so einsilbig antworten die Kommunikatoren der Bonner Konzernzentrale, wenn die Sprache auf die US-Tochterfirma der Deutschen Telekom kommt. Seit Monaten wird über einen möglichen Milliarden-Deal auf dem US-Mobilfunkmarkt spekuliert: Die Verschmelzung des branchenvierten T-Mobile mit der Nummer drei Sprint.

Von einer Transaktion in Höhe von 32 Milliarden US-Dollar ist die Rede, jeweils zur Hälfte in bar und in Aktien, die der japanische Mobilfunkbetreiber und Sprint-Eigentümer Softbank angeblich auf den Tisch blättern will. Inzwischen solle dieser schon Banken mit ins Boot geholt haben - wie Goldman Sachs, JPMorgan und Deutsche Bank. Nachdem die Bonner mit früheren Plänen, die ungeliebte Tochter an den Branchenriesen AT&T zu verkaufen, bei den Wettbewerbsaufsehern 2011 auf Granit bissen, stünde jedoch auch eine Übernahme durch Sprint unter dem Vorbehalt der Wettbewerbsbehörden.

Abzocke-Vorwürfe wegen Abo-Fallen für Flirts und Horoskope

Zudem hat die Telekom-Tochter derzeit kräftigen Ärger mit den amerikanischen Wettbewerbshütern. Angeblich seien Kunden millionenfach betrügerische Rechnungen ausgestellt worden für Zusatzdienste von Drittanbietern wie SMS mit Horoskopen, Flirt-Tipps oder Prominenten-Klatsch, die diese gar nicht abonniert hatten. Wegen Abzocke-Verdachts hat die mächtige US-Handelskommission FTC gegen T-Mobile Klage bei einem Bundesgericht in Seattle eingereicht. Von den monatlich 9,99 Dollar je Abo soll T-Mobile USA 35 bis 40 Prozent eingestrichen haben. Die Wettbewerbshüter erheben den Vorwurf, das Unternehmen sei selbst dann noch nicht gegen die Praxis vorgegangen, als viele Kunden sich beschwert hätten. "Die Geschäftspraktiken von T-Mobile (USA) haben den Verbrauchern Schaden in Millionenhöhe zugefügt", hieß es. T-Mobile wies dies zurück und bezichtigte eine Lobby der Telekommunikationskonzerne der Kampagne. Für betroffene Kunden wurde ein Programm zur Rückerstattung aufgelegt.

Weiter auf Seite 2: Zahlen am Ende die Verbraucher die Zeche?

Ob die Vorwürfe stimmen oder vielmehr Teil eines Plans sind, um den Verkauf zu manipulieren, muss sich zeigen. Nach Bekanntwerden der Klage gab jedenfalls der Telekom-Aktienkurs zeitweise um 1,6 Prozent nach, was Experten des Handelsblatts in einen Zusammenhang stellten. Adrian Pehl, Analyst beim Fachdienst Equinet warnte Anleger davor, die Klage könne T-Mobile USA deutlichen Schaden zufügen: "Geldbußen in den USA können teuer ausfallen."

Zahlen am Ende Verbraucher die Zeche für Tele-Monopoli?

Ähnlich wie unlängst in Deutschland durch den Zusammenschluss von E-Plus und Telefónica o2, würde in den USA Sprint mit der Übernahme von T-Mobile zu den beiden Branchenriesen Verizon und AT&T aufrücken. Dass ein Ausstieg aus dem US-Geschäft, versüßt zudem mit milliardenschweren Erlösen, für die Aktionäre des Bonner Konzerns sinnvoll ist, liegt auf der Hand. Telekom-Konzernchef Tim Höttges hatte mit Aussagen, dass das Unternehmen seine Geschäfte primär in Europa sehe, die Gerüchteküche selbst befeuert.

"Kommt es zu einer Marktbereinigung in den USA, wäre T-Mobile dafür gut positioniert", sagte er noch Mitte Mai auf der Hauptversammlung. Tatsächlich kann sich Höttges zurücklehnen, er steht nicht unter Handlungsdruck. Die Bonner haben nicht nur in der Vergangenheit hohe Gewinne aus dem Europa-Geschäft in ihre US-Tochter investiert. Sie wollen es auch in Zukunft tun. "Wir können unser Wachstum in den USA problemlos noch ein paar Jahre spielen", sagte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt Ende Juni der "Börse Online". Auch wenn nach seiner Einschätzung langfristig auf dem US-Markt nur drei Anbieter eine Chance haben, hält die Telekom ihr Investitionstempo aufrecht.

Das sieht danach aus, als hübschten Höttges und Dannenfeldt die Braut für die Hochzeit auf. Ohnehin steht T-Mobile USA, lange Zeit das größte Sorgenkind des Konzerns, seit 2013 unter dem alerten Firmenchef John Legere wieder besser da. Dazu beigetragen hat auch die Fusion mit dem regionalen Anbieter MetroPCS. Legere fliegt zwar schon mal bei einer Branchenparty raus, aber er brachte das Unternehmen nach vorn. Für einen weiteren Schub sorgten eine veränderte Preispolitik und auch das iPhone, das T-Mobile in den USA nach vielen Jahren Abstinenz endlich auch vermarkten darf.

T-Mobile US wirbt aggressiv um Kunden

Inzwischen schaffte es das Unternehmen, das lange Zeit als Sorgenkind des Konzerns galt und viele Milliarden Euro verbrannt hat, mit derzeit rund 46,7 Millionen Kunden die Trendwende. Allerdings kostet die aggressive Kundenwerbung viel Geld: Im ersten Quartal fiel unter dem Strich ein Verlust von 150 Millionen Euro an. Ein Zusammenschluss könnte zu deutlichen Kosteneinsparungen führen.

Was für die Aktionäre eine gute Nachricht wäre, ist für die Verbraucher jedoch nicht unbedingt positiv. Erfahrungsgemäß werden Zusammenschlüsse eher den Markt beruhigen, es herrscht dann weniger Wettbewerb. Ein Oligopol weniger Anbieter könnte so am Ende auch in den USA zu steigenden Mobilfunkkosten führen. Der mexikanische Mobilfunkmarkt ist hierfür ein warnendes Beispiel.

(Michael Frenzel)

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