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T-Mobile: GPRS-Fernsehen für Millionäre

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Der alte Tragbare hat ausgedient: T-Mobile bringt das Fernsehen auf das Handy. Und das sogar ohne UMTS: GPRS kommt zum Einsatz, um die Inhalte des Fernsehsenders n-tv auf’s Handy zu bringen. Hoch komprimiert kann der geneigte Nutzer auf diese Weise das Programm der deutschen CNN-Tochter verfolgen.
Neben der überaus spannenden Börsen-Berichterstattung bietet der Nachrichtensender im Vollprogramm diverse Dokus und Reportagen. Und wenn was im Irak passiert, kann jeder, der im Besitz eines streaming-fähigen Handys ist, auf seinem Display die verstümmelten Leichen zählen. Ein Spaß für die ganze Familie.
Fernsehen über Real-Player
Die Übermittlung läuft über einen RealPlayer-Stream. Doch die Qualität muss nicht unbedingt berauschend sein. Und was bringt Splatter-Berichterstattung, wenn man nichts erkennen kann? Zwar bieten moderne PDA-Geräte wie der MDA II von T-Mobile eine fast fernseh-taugliche Auflösung. Doch zur Schonung des Geldbeutels sind extrem niedrige Auflösungen vonnöten.
Videostreams verursachen nämlich Traffic. Und das nicht unerheblich. Das weiß jeder, der selber schon mal versucht hat, Streaming-Inhalte über eine einzelne ISDN-Leitung zu ziehen. Trotz minderwertiger Qualität sind die Ladezeiten ziemlich heftig. GPRS bietet zwar Techniken wie HSCSD, um die Bandbreite zu erhöhen und die Ladezeiten zu beschleunigen.
Mickriges Bild, viel Volumen
Doch ist diese wirken sich nur auf den Komfort an sich aus. Die Datenmenge bleibt die gleiche. Und damit der Preis. Nicht umsonst empfiehlt T-Mobile die Buchung einer GPRS-Option mit Inklusiv-Volumen. Doch auch das dürfte schnell aufgebraucht sein, wie gesagt: Videos sind Speicherfresser.
Der Test via ISDN über die n-tv-Homepage zeigte zwar ein durchaus flüssiges Bild, allerdings kaum größer als eine Briefmarke. Die Ladezeiten halten sich auch in Grenzen, nur sind weder die Ticker zu lesen, die den n-tv-Bildschirm wie auf albernen Musiksendern mit einer „2“ im Namen durchkreuzen, noch sind bei Berichten irgendwelche Details erkennbar.
Jede Menge Megabytes
Der Stream für ISDN ist mit rund 45 Kilobit pro Sekunde angelegt. Der GPRA-Stream dürfte nicht kleiner sein. Das bedeutet einen Traffic von immerhin 6 Kilobyte pro Sekunde. Mit den von T-Mobile angebotenen Datentarifen von 9 Cent pro angefangene 10 Kilobyte ein teurer Spaß.
Eine durchschnittliche Nachrichtensendung bei n-tv dauert in etwa 5 Minuten. Will man das Programm länger schauen, muss man sich auch noch Werbepausen geben und per GPRS natürlich dafür bezahlen. Bei nur einer Nachrichtensendung am Tag fallen im Monat rund 54 Megabyte an Daten an. Abzurechnen in 10KB-Paketen à 9 Cent.
Ein teurer Spaß
Macht für die oben genannte Nutzung ohne GPRS-Tarif-Option rund 486 Euro Kosten. Wer sich das leisten kann, kann sich eigentlich auch leisten, nie wieder zu arbeiten und das n-tv-Programm von zuhause aus beobachten. Wenigstens wird es mit der Tarifoption Data 20 deutlich günstiger, da hier die Abbrechnung über 50KB-Blöcke erfolgt.
Doch selbst in diesem Fall kommen beim User zusätzlich zu den 30 Euro für den Inklusiv-Tarif noch etwa 60 Euro für die restlichen 34 Megabyte auf die Rechnung. Ein teuerer Spaß, um sich auf einer Zugfahrt die Zeit mit ein bisschen Kriegs-Berichterstattung zu vertreiben.
Fazit: Teuer und wenig sinnvoll
Selbst wenn der Handy-Stream höher komprimiert sein sollte als der für ISDN fallen, für GPRS-Verhältnisse, immer noch gigantische Datenmengen an. Also besser Finger weg, denn die Buchung der Daten-Tarifoption lohnt sich wahrscheinlich nur für Fernseh-Junkies. Die gleichen Informationen sind auch wesentlich einfacher und billiger über's Netz zu haben.
Alles in allem ist die Fernseh-Stream-Möglichkeit eine nette, wenn auch recht nutzlose und teure Angelegenheit. Fast möchte man meinen, T-Mobile möchte auf diese Weise Datentarif-Vorauszahler ködern. Zumal das Angebot auf Nutzer stream-fähiger Handys wie dem MDA II, dem Nokia 3650 und 6600 beschränkt ist.

(Christian Rentrop)

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