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T-Com darf umstrittenes Vorprodukt weiter anbieten

Die T-Com darf das umstrittene Vorprodukt "Net Rental" weiter anbieten. Das Landgericht Köln wies einen von freenet gestellten Antrag auf einstweilige Verfügung zurück.

21.04.2006, 18:13 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Die Telekom-Tochter T-Com darf ihren Resellern weiter das Vorprodukt "Net Rental" anbieten. Einen von freenet gestellten Antrag auf Unterlassung hat das Landgericht Köln gestern zurückgewiesen. Das bestätigte auch eine Sprecherin des Hamburger Unternehmens.
Antrag abgewiesen
Freenet hatte vor dem Kölner Gericht beantragt, das Angebot "Net Rental" per einstweiliger Verfügung zu untersagen, weil es die großen Reseller bevorzuge. Mit Net Rental können die großen Reseller mit vielen Kunden in jedem Telekom-Anschlussbereich DSL-Vorleistungen zu erheblich günstigeren Konditionen einkaufen als bei dem regulierten T-DSL-Resale.
Bisher profitieren mit United Internet (1&1, GMX) und AOL die beiden größten DSL-Anbieter nach der Telekom von dem Produkt; auch T-Online soll die Vorleistungen der Konzernschwester zu Net-Rental-Konditionen beziehen. Die ermöglichen besonders günstige Enkundenpreise, weil auch die Gebühren für bestimmte Einzelleistungen entfallen.
"Oligopol der Großen"
Doch die Branche fürchtet eine neue Kartellbildung: Net Rental ist für kleinere Reseller ebenso eine Bedrohung, wie für Anbieter mit eigener Netzinfrastruktur. Die Netzbetreiber müssen ihre Investitionen bei den DSL-Preisen berücksichtigen, Net-Rental-Kunden dagegen kommen "so billig auf ein Netz wie keiner von uns", wie es von Seiten eines betroffenen Unternehmens heißt. Auch für freenet durchaus ein Problem: "freenet verliert bereits jetzt Marktanteile", erklärte Vorstand Eckhard Spoerr der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) und sieht sich gezwungen, beim drohenden Kartell der Provider mitzumachen: "Wenn der Vertrag nicht verboten wird, sind wir auch gezwungen, ihn zu unterschreiben und dem Oligopol der Großen beizutreten".
Erstmal abwarten
Die T-Com hält sich unterdessen vornehm zurück. Die Bonner freuen sich über das Urteil, wollen aber erstmal abwarten, wie es weiter geht. Die Wettbewerber und ihre Verbände sind zwar auf breiter Front gegen Net Rental ("Dumpingskandal"), lassen sich durch die Entscheidung des Kölner Landgerichts aber noch nicht aus der Ruhe bringen.
Regulierer hat das Wort
Denn mit Spannung erwartet die ganze Branche das Ergebnis einer Anhörung bei der Bundesnetzagentur am kommenden Mittwoch. Dann, so ein Kenner der Szene, kann es wieder ganz anders aussehen. Auch beim Bundeskartellamt läuft dazu ein Missbrauchsverfahren. Mit einem schnellen Ergebnis ist aber nicht zu rechnen. Bei dieser Verfahrensform ist die Behörde nicht an Fristen gebunden.

(Volker Briegleb)

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