News

SZ: eBay-Ticket-Betrüger erbeuten über 30.000 Euro

Seit Ende Februar boten unbekannte Betrüger bei eBay massenhaft Lidl-Bahntickets zum Kauf an. Die ersteigerte Ware wurde in hunderten Fällen jedoch nie verschickt. Von den Kriminellen fehlt mittlerweile jede Spur.

16.03.2010, 20:23 Uhr
Internet© arquiplay77 / Fotolia.com

Ein massiver Betrugsskandal sorgt derzeit für Aufregung unter den Nutzern des Auktionshauses eBay. Mit mindestens zwei Accounts lockten Kriminelle rund 700 ahnungslose Schnäppchenjäger mit günstigen Lidl-Bahntickets in eine sorgsam vorbereitete Falle, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ) am Dienstag. Das Vertrauen der Kunden erschlichen sich die Betrüger durch geschönte Bewertungsprofile. Nachdem die Käufer das Geld überwiesen hatten, warteten sie vergeblich auf ihre Fahrkarten und wendeten sich vereinzelt an eBay - angeblich ohne Erfolg. Die Verkaufsplattform steht nun in der Kritik, zu spät auf erste Hinweise reagiert zu haben.

Endgültige Schadenssumme unbekannt

Laut "SZ" beläuft sich die Schadenssumme auf mindestens 30.000 Euro. Der ergaunerte Betrag liegt vermutlich aber deutlich höher, da die meisten Tickets zum Stückpreis von 60 bis 80 Euro verkauft wurden - angesichts der mindestens 700 Geschädigten können daher auch schnell 50.000 Euro zusammenkommen. Seinen Anfang nahm der Beutezug nach bisherigem Kenntnisstand Mitte Februar. Zu dieser Zeit stellten Unbekannte unter den Profilnamen maxisaler123 sowie dariaduda09 erste Auktionen mit Bahntickets online, die zunächst auch korrekt verschickt wurden. Anfang März häuften sich jedoch plötzlich die negativen Einschätzungen und erboste Käufer berichteten in ihren Bewertungskommentaren über nicht erhaltene Ware.

Auch in den eBay-Foren machten sich zahlreiche Geprellte lautstark Luft. Um nicht frühzeitig durch den massiv absackenden Prozentsatz der positiven Bewertungen aufzufallen, versuchten die Täter offenbar parallel durch den Kauf diverser Cent-Artikel ihre Bewertungsprofile mit positiven Rückbewertungen aufzuhübschen. Dennoch wurde die Masche mit jedem neuen Negativkommentar zunehmend offensichtlicher.


Verletzung der Sorgfaltspflicht vorgeworfen

Zahlreiche Käufer wendeten sich nun direkt an eBay und verlangten eine Sperrung der Verkäuferprofile. Nach "SZ"-Angaben erhielten Betroffene trotz mehrfacher Nachfrage allerdings lediglich standardisierte E-Mail-Antworten. Demnach reagierte das Auktionshaus erst, nachdem die Beschwerden Überhand nahmen und sperrte die Accounts der Betrüger. Auch die Polizei wurde von Betroffenen eingeschaltet. Zwischenzeitlich war aber bereits eine unbekannte Zahl weiterer Käufer auf die Masche hereingefallen. Juristen werfen eBay daher eine Verletzung der Sorgfaltspflicht vor.

Von wo die Täter ihre Aktivitäten steuerten, ist bisher unklar. Bekannt ist lediglich, dass sie über mindestens zwei Konten bei der Postbank Berlin sowie eines in Köln verfügten. Geld sei jedoch nicht mehr vorhanden, schreibt die "SZ". Wo der insgesamt fünfstellige Betrag abgeblieben ist, konnte bislang offenbar nicht ermittelt werden. Erste Hinweise führen nach Osteuropa: Zugriff auf die beiden Berliner Konten hatte angeblich eine Gruppe von jeweils sieben polnischen Staatsbürgern. Mit einem blauen Auge davon kommen hingegen alle eBay-Nutzer, die das Zahlungssystem PayPal verwendet haben. Das Geld werde in diesen Fällen vollständig zurückerstattet, so das Blatt unter Berufung auf das Internetauktionshaus.

(Christian Wolf)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang