30 Cent im Monat

SWR-Intendant hält Senkung des Rundfunkbeitrags für sinnlos

Der SWR-Intendant Peter Boudgoust hat Bedenken gegenüber einer Senkung des Rundfunkbeitrags geäußert: Die Ersparnis sei nicht spürbar. Gleichzeitig ist die Zahl der Mahnungen an säumige Zahler gestiegen.

Marcel Petritz, 15.06.2016, 10:45 Uhr (Quelle: DPA)
GEZ© Denis Junker / Fotolia.com

Mainz - Der Intendant des Südwestrundfunks (SWR), Peter Boudgoust, hält eine Senkung des Rundfunkbeitrags nicht für sinnvoll. "Es würde eine Absenkung um 30 Cent geben, die von den meisten Menschen gar nicht wahrgenommen würde", sagte Boudgoust am Dienstag in Mainz. In vier, fünf Jahren würde dies aber die Finanzierungslücke vergrößern. "Ich würde es für ein Gebot pragmatischer Klugheit halten, darauf zu verzichten." Er halte es für geboten, mit dem Geld eine Art Rücklage zu schaffen. Der SWR ist die zweitgrößte ARD-Anstalt.

Mehr als 500 Millionen Euro Einnahmeüberschuss

Die Expertenkommission KEF hatte vorgeschlagen, den Beitrag wegen eines Einnahmenüberschusses von über einer halben Milliarde Euro ab nächstem Jahr von 17,50 Euro auf 17,20 Euro im Monat zu senken. Sie warnt zugleich davor, dass die Zuschauer und Zuhörer wegen steigender Aufwendungen in fünf Jahren wieder mehr bezahlen müssen. Die Ministerpräsidenten werden bei ihrer Konferenz am Donnerstag in Berlin voraussichtlich noch keine Entscheidung über die Beitragshöhe treffen.

"Junge Angebot" startet im Oktober

Das "Junge Angebot" von ARD und ZDF im Internet ist nach Angaben von Boudgoust vor dem geplanten Start im Oktober auf der Zielgeraden. 15 Mitarbeiter planen und koordinieren das Projekt derzeit in Mainz. Das Angebot startet mit einer eigenen App, aber auch in sozialen Netzwerken. "Das ist auch so etwas wie die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Journalismus", sagte Boudgoust. Der Name des Angebots werde noch abgestimmt und rechtzeitig vor dem Start bekanntgegeben.

Mehr Mahnungen wegen ausstehender Rundfunkbeiträge

Der Beitragsservice von ARD, ZDF und Deutschlandradio musste 2015 wegen ausstehender Rundfunkbeiträge deutlich aktiver werden als noch 2014. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den der GEZ-Nachfolger am Dienstag in Köln veröffentlichte. Die Zahl der Mahnmaßnahmen - von Zahlungserinnerungen bis zu Vollstreckungsersuchen - stieg um rund 20 Prozent auf 25,4 Millionen. Insgesamt befanden sich Ende 2015 fast 11 Prozent der Beitragskonten in einem Mahnverfahren.

"Der wesentliche Anstieg der Mahnmaßnahmen hat vor allem mit den Direktanmeldungen zu tun", sagte der Geschäftsführer des Beitragsservices, Stefan Wolf. Dabei handelt es sich um potenzielle Zahler, die der GEZ-Nachfolger in den vergangenen Jahren am Ende selbst angemeldet hat, da sie zuvor gar nicht oder nicht ausreichend auf seine Schreiben reagiert hatten.

"Die Forderungen aus der Direktanmeldung treffen ein Klientel, das sich oft recht zögerlich verhält. Man reagiert nicht, man lässt es mal drauf ankommen, am Ende zahlt man vielleicht doch", sagte Wolf. "Aber wir sehen da keine Massenbewegungen", sagt Wolf weiter. "Es gebe unterschiedliche Gründe, warum Menschen nicht zahlten - etwa, weil sie es einfach mal vergessen oder das Geld gerade nicht haben. Das mit reiner Zahlungsunwilligkeit zu verbinden, springt zu kurz."

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