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Suizide bei France Télécom: Arbeitsklima ist schuld

Laut "Welt Online" spricht der offizielle Untersuchungsbericht der unheimlichen Selbstmordserie vom Versagen der Konzernführung und bestätigt bisherige Spekulationen.

16.12.2009, 19:15 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

333 – diese Zahl beschreibt die erschreckende Bilanz einer beispiellosen Selbstmordserie von Mitarbeitern des französischen Telekommunikationskonzerns France Télécom. Innerhalb der letzten drei Jahre nahmen sich dabei 33 Mitarbeiter das Leben. An eine Aneinanderreihung von Zufällen glaubte schnell niemand mehr. Als Ursache war in den Abschiedsbriefen immer wieder von den schlechten Arbeitsbedingungen innerhalb des Unternehmens die Rede. Viele der verzweifelten Mitarbeiter wurden im Laufe von Sparmaßnahmen und Umstrukturierungen im Vorfeld entlassen oder in andere Abteilungen versetzt. Laut "Welt Online" kommt nun ein neuer Untersuchungsbericht der Selbstmordserie zu dem Ergebnis, dass das Management eine erhebliche Mitschuld trage. Das Betriebsklima bei France Télécom sei "brutal", heißt es darin.
Versagen der Führung
Die Konzernleitung habe völlig versagt, so das Fazit der mit der Analyse beauftragten Unternehmensberatung Technologia. Diese hatte auf Initiative des französischen Staates alle 102.000 Mitarbeiter von France Télécom anonym befragt. Jedem Angestellten wurden dabei 175 Fragen zugestellt, die sich etwa mit der Arbeitsbelastung, persönlichen Versetzungen oder Gewalt am Arbeitsplatz beschäftigten. Über 80.000 Mitarbeiter gaben ihre Ansichten preis und beantworteten den Bogen vollständig. Das Ergebnis ist für die Unternehmensführung ein Desaster. War France Télécom vor fünf Jahren noch einer der beliebtesten Arbeitgeber in Frankreich, ist die Situation heute genau umgekehrt: Statt wie noch 2004 rund 95 Prozent, sind heute nur noch 39 Prozent stolz darauf, in dem ehemaligen Staatskonzern zu arbeiten. Die Arbeitsbedingungen seien schlechter, die Gesundheit höheren Belastungen ausgesetzt und der Stress gestiegen.
Schwierige Arbeitsbedingungen, starke Unzufriedenheit
Viele Befragten empfinden die Arbeitsbedingungen mittlerweile als schwierig und fühlen sich in ihrer geistigen oder körperlichen Gesundheit geschwächt. Auch starke Unzufriedenheit, das Gefühl, dass Leistung nicht anerkannt werde und zunehmender "Druck von oben" bestimmen aus Sicht einer Mehrheit den Arbeitsalltag. Besonders die Mitarbeiter mit Kundenkontakt in Geschäften, Call-Centern und Service-Teams schätzen ihre Lage als unbefriedigend ein. Grund seien die hohen Anforderungen, während die Produkte immer komplexer würden. Laut Gewerkschaftern seien diese Bereiche in den letzten Jahren besonders stark von Arbeitsplatzverlagerungen, Auslagerungen und befristeten Arbeitsverträgen betroffen gewesen.
Ein weiteres Problem ergibt sich laut Technologia durch eine unklare Kompetenzverteilung zwischen Konzernleitung und Regionaldirektoren. Zudem sei der Informationsfluss bisher nicht optimal. Abhilfe versprechen sich die Verantwortlichen durch einen Aktionsplan, der aus den Antworten der Mitarbeiter entwickelt wird und im Januar 2010 vorgestellt werden soll.

(Christian Wolf)

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