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Studien: Ein Viertel der Deutschen mag "Raubkopien"

Die überwiegende Mehrheit der Bundesbürger hält das illegale Kopieren von Musik, Filmen oder Software jedoch nicht für Kavaliersdelikte und plädiert für eine Strafverfolgung von Raubkopierern, so eine aktuelle BITKOM-Studie. Microsoft kommt mit einer eigenen Studie zu ähnlichen Ergebnissen.

26.04.2010, 13:01 Uhr
Welt© Julien Eichinger / Fotolia.com

Der 26. April ist der "Tag des geistigen Eigentums". Zu diesem Anlass hat der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien e.V. (BITKOM) eine Umfrage zur Sicht der Deutschen auf illegales Filesharing in Auftrag gegeben. Ergebnis: Ein Viertel der 1.000 Teilnehmer ab 14 Jahren findet die als "Raubkopien" bezeichneten Inhalte akzeptabel, so die Studie des Institutes ARIS. Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine weitere Erhebung mit 1.000 Personen von TNS Emnid im Auftrag von Microsoft.

Rund zwei Drittel begrüßen Strafverfolgung

Mit 66 Prozent war allerdings die überwiegende Mehrheit der Meinung, illegale Kopien seien kein Kavaliersdelikt. Für eine Strafverfolgung von Raubkopierern sprachen sich 63 Prozent der Befragten aus. "Die Mehrheit der Deutschen hat ein ausgeprägtes Bewusstsein für geistiges Eigentum", sagte BITKOM-Präsidiumsmitglied Volker Smid. Da sich aber 25 Prozent für Raubkopien aussprächen, gebe es keinen wirklichen gesellschaftlichen Konsens zum Schutz von Urheberrechten, so Smid.

Dies spiegelt sich auch im Software-Bereich wider. Laut Microsoft-Studie hatte bereits ein Viertel der Computer-Besitzer eine Raubkopie auf dem PC. Rund 16 Prozent gaben zudem an, mindestens einmal kostenpflichtige Software für Freunde kopiert oder weiter gegeben zu haben. Ein schlechtes Gewissen hatten 86 Prozent dieser Nutzer zwar nicht, jedoch gaben 85 Prozent an, dass sie eine Weitergabe eigener Inhalte wie Bilder, selbstkomponierte Lieder oder Blogeinträge stören würde.

"Strafverfolgung allein reicht nicht aus"

Um Gegenzusteuern, reiche Strafverfolgung allein jedoch nicht aus, sagte der BITKOM-Vertreter. "Der Boom des Download-Markts zeigt, dass es Potenzial für die legale Nutzung von Kulturangeboten und Software gibt", so Smid. Auch die Brennerstudie 2010 hatte erst vor wenigen Tagen festgestellt, dass illegales Filesharing bei einem Großteil der Nutzer keine Folge wirtschaftlicher Not ist und legale Angebote die Anzahl der Raubkopien offenbar verringert.

Laut BITKOM gaben die Deutschen im vergangenen Jahr rund 250 Millionen Euro für Musik-Downloads aus. Die Anzahl bezahlter Downloads stieg nach Berechnungen des Branchenverbandes auf circa 60 Millionen – im Vergleich zu 2008 rund ein Viertel mehr. Smid plädiert daher für einen Neubeginn bei der Diskussion um das Urheberrecht in der digitalen Welt und die Vergütung geistiger Leistungen. "Wenn es nicht gelingt, ein besseres Verständnis für den Wert der Angebote zu schaffen, verarmt das Kultur- und Medienangebot". Mit einer staatlich verordneten Kultur-Flatrate oder Zwangsabgaben erreiche man aber genau das Gegenteil, warnte er.

(Christian Wolf)

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