Bandbreiten unter 50 Mbit/s

Studie: Viele deutsche Firmen surfen per Kriechspur im Internet

Bei vielen deutschen Mittelständlern ist die Digitalisierung noch nicht angekommen. Laut einer Studie des Digitalverbandes Bitkom nutzt der Großteil der befragten Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern lediglich Internetzugänge mit Bandbreiten von bis zu 50 Mbit/s. Dabei seien vor Ort meist schnellere Internetzugänge verfügbar.

Jörg Schamberg, 16.06.2016, 00:01 Uhr
SchneckentempoDeutsche Mittelständler surfen laut einer Bitkom-Studie oft eher im Schneckentempo im Netz.© Heiko Barth / Fotolia.com

Berlin – Mehrere deutsche Telekommunikationsverbände haben am Mittwoch in einer gemeinsamen Erklärung eine Weichenstellung für Gigabit-Netze gefordert. Die Nachfrage nach Bandbreite würde stetig steigen. Eine gut ausgebaute Breitbandinfrastruktur wird häufig als wichtiges Standortargument angeführt. Doch die Realität bei mittelständischen Unternehmen in Deutschland sieht offenbar vielfach anders aus. Laut der repräsentativen Studie "Digital Office Index" im Auftrag des Digitalverbands Bitkom begnügt sich der Großteil der 1.108 befragten Firmen ab 20 Mitarbeitern mit relativ geringen Internet-Bandbreiten.

Vor Ort oft höhere Bandbreiten verfügbar

60 Prozent der befragten Firmen mit weniger als 500 Mitarbeitern würden mit Bandbreiten von 10 bis 50 Mbit/s im Netz surfen, 24 Prozent greifen gar auf Internetzugänge mit weniger als 10 Mbit/s zurück. Lediglich 7 Prozent würden über Internetanschlüsse verfügen, die schneller als 50 Mbit/s sind. Doch die Bescheidenheit bei der Surfgeschwindigkeit liegt offenbar nicht an technischen Hürden. Vor Ort seien oft höhere Bandbreiten verfügbar. Der Bitkom verweist auf den Breitbandatlas der Bundesregierung: 67 Prozent der Unternehmen an Gewerbestandorten standen Ende 2015 demnach Bandbreiten von mehr als 50 Mbit/s zur Verfügung. Spezielle Business-Angebote wie Standleitungen oder eine Richtfunkanbindung seien dafür nicht erforderlich gewesen.

Unternehmen sollten die vorhandene Breitband-Infrastruktur auch nutzen

Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder: "Die meisten Mittelständler sind im Internet auf der Kriechspur unterwegs". Das liege vor allem an dem häufig noch niedrigen Digitalisierungsgrad in vielen Unternehmen. Cloud-Lösungen würden nur bei 30 Prozent der Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern zum Einsatz kommen. Erst wenn sich die Digitalisierung zunehmend auch im Mittelstand durchsetze, würde verstärkt auf Cloud Computing, Big-Data-Analysen, Videokonferenz oder Virtual-Reality-Anwendungen zugegriffen. "Wer am Internetzugang spart, spart definitiv an der falschen Stelle", betont Rohleder.

Denn auch für kleinere und mittlere Unternehmen sei eine gute Breitbandinfrastruktur wichtig. Seit dem Jahr 2000 hätten die Netzbetreiber mehr als 170 Milliarden Euro in den Netzausbau investiert. Diese Infrastruktur müsse von den Unternehmen auch genutzt werden. Nur dann könne der digitale Wandel vorangebracht werden.

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