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Studie: Verbände beklagen Vorliebe für kino.to & Co

Galten vor einigen Jahren noch Tauschbörsen als zentraler Hort der Schwarzkopierer-Szene, spielen diese heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Deutlich größerer Beliebtheit erfreuen sich mittlerweile Streaming-Portale oder Sharehoster. Dies ergab eine neue Studie von GVU, BMVI und Börsenverein des Deutschen Buchhandels.

30.08.2011, 19:01 Uhr (Quelle: DPA)
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Galten vor einigen Jahren noch Tauschbörsen als zentraler Hort der Schwarzkopierer-Szene, spielen Bittorrent und Co bei der illegalen Verbreitung urheberrechtlich geschützten Materials heute nur noch eine untergeordnete Rolle. Deutlich größerer Beliebtheit erfreuen sich mittlerweile juristisch umstrittene Streaming-Offerten wie das inzwischen abgeschaltete kino.to oder einschlägig bekannte Sharehoster wie RapidShare. Aber auch Bezahlangebote werden bereits vielfach genutzt. Dies geht aus einer am Dienstag in Berlin vorgestellten GFK-Studie zur Digitalen Content-Nutzung (DCN-Studie) mit 10.000 Teilnehmern hervor, die vom "Bundesverband Musikindustrie" (BMVI) in Kooperation mit dem "Börsenverein des Deutschen Buchhandels" sowie der "Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen" (GVU)in Auftrag gegeben wurde.

Nur 7 Prozent aller Internetnutzer laden illegal

Der Großteil aller Internetnutzer ist laut Studie in rechtlich unbedenklichen Gewässern unterwegs. Insgesamt 19,9 Millionen Personen bezogen im vergangenen Jahr Medieninhalte online. Lediglich ein Bruchteil nutzte auch illegale Quellen – alles in allem 7 Prozent der Web-Nutzer. Die Anteile illegaler Downloads waren bei den verschiedenen Medieninhalten äußerst unterschiedlich. Die höchste Pirateriequote gab es bei Spielfilmen mit 83,2 Prozent. Danach folgten ganze Musikalben (74,3 Prozent), E-Books (60,9 Prozent), TV-Serien (60,5 Prozent), einzelne Musiktitel (44,7 Prozent) und Hörbücher sowie Hörspiele (26,1 Prozent). Bei den illegal heruntergeladenen Alben registrierte die Studie eine Zunahme von 35 Prozent binnen Jahresfrist auf 46 Millionen. Hingegen gab es bei illegalen Downloads einzelner Musiktitel einen Rückgang um 28 Prozent auf 185 Millionen. Als primärer Bezugsort für die illegale Beschaffung dienten generell Sharehoster. Aber auch andere Technologien kamen zur Anwendung. E-Books etwa wechselten demnach auffällig oft per E-Mail den Besitzer; für den Austausch größerer Datenmengen waren bei 17 Prozent aller Befragten externe Festplatten die erste Wahl.

Zumindest Kinofilme und TV-Serien konsumierte die Mehrheit der Befragten auf legalen Videostreaming-Seiten, wobei die Menge der Serienfans 2010 mit 2,1 Millionen Zuschauern klar vor den insgesamt 1,3 Millionen Kinofilm-Liebhabern lag. Wer dort hingegen nicht fündig wurde, wich im Fall der Serien gern auf die Mediatheken der Fernsehsender aus, weshalb auch hier 2 Millionen Nutzer gezählt wurden. Die größere Auswahl bei Filmen boten hingegen Bezahlangebote und illegale Plattformen. Letztere hatten dabei im Direktvergleich die Nase vorn und erreichten mit ihrem oftmals sehr aktuellen Film- und Serienportfolio 1,3 Millionen beziehungsweise 1 Million Zuschauer. Weitaus weniger Anziehungskraft entfalteten kostenpflichtige Portale wie Maxdome oder Videoload, die für den Film- und Serienkonsum nur von 1 Million beziehungsweise 800.000 Nutzern aufgerufen wurden. Noch dahinter platzierten sich die einst dominierenden Tauschbörsen.

Illegale Streaming-Portale für Kinofilme bevorzugt

Für Unterhaltungsangebote gezahlt wurde laut Studie dennoch vergleichsweise selten. In der Nutzungshäufigkeit hatten im vergangenen Jahr kostenfreie Dienste unangefochten die Nase vorn – teils legaler, teils illegaler Natur. Unter den bevorzugt aufgerufenen Internetquellen bei Kinofilmen standen dabei Streaming-Portale wie kino.to (19 Prozent) und Sharehoster (17 Prozent) an vorderster Stelle. Legale Streaming-Angebote waren nur für 13 Prozent der Nutzer erste Wahl. Die gegenteilige Entwicklung zeigte sich im Serienbereich. Hier gaben 26 Prozent der Studienteilnehmer an, am häufigsten in den Online-Mediatheken der TV-Sender unterwegs zu sein. Deutlich geringer fiel mit 10 und 8 Prozent demgegenüber die Zahl der Intensivnutzer von illegalen Streaming-Portalen und Sharehostern aus. Im Musikbereich versucht die Studie derweil einen Kontrapunkt zur oft kolportierten Behauptung, Nutzer die sich Singles und Alben illegal beschaffen, kauften im Gegenzug auch mehr CDs, zu setzen. Aus dieser Gruppe gaben 73 Prozent an, generell kein Geld für Audioinhalte auszugeben. Die übrigen 27 Prozent nannten für den Kauf physischer Datenträger durchschnittlich einen Betrag von 18 Euro pro Jahr. „Diese Erkenntnis räumt endlich mit der Mär vom ‚vorhörenden Tauschbörsennutzer‘ auf und zeigt, dass diese hoch netz- und musikaffine Gruppe sich eben doch den Kauf von Musik erspart“, sagte BVMI-Geschäftsführer Florian Drücke.

Von der Politik erwarten die Verbände gleichzeitig ein entschlosseneres Vorgehen gegen Schwarzkopierer. "Die Situation ist so unerträglich geworden, dass wir fordern, dass rechtsstaatliche Verhältnisse im Internet tatsächlich hergestellt werden", sagte der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Alexander Skipis. Konkret verlangt der Börsenverein zusammen mit der GVU die Einführung von Warnhinweisen vor der Nutzung von Filesharing-Plattformen, die illegale Kopien von Musik oder anderen Inhalten bereitstellen. Die Verbände wollen auf diese Weise das Unrechtsbewusstsein verstärken. Sie verweisen darauf, dass 24 Prozent der Bevölkerung das Ansehen von aktuellen Kinofilmen auf Plattformen wie dem inzwischen geschlossenen Portal kino.to für rechtlich erlaubt halten. Juristisch ist eine Nutzung umstritten. Der für die Interessen der Internet-Nutzer eintretende "Verein Digitale Gesellschaft" wies die Forderungen zurück und sprach von einem "selbstverschuldeten Jammern". Der Vereinsvorsitzende Markus Beckedahl erklärte in einer E-Mail-Mitteilung: "Wer nur teure und dann auch noch mangelhafte, restriktive Angebote macht, darf sich nicht wundern, wenn der wirtschaftliche Erfolg ausbleibt."

(Christian Wolf)

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