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Studie: Illegales Filesharing vor allem im Mittelalter

Der typische Filesharer 2009 war männlich und im Alter zwischen 20 und 39 Jahren. Insgesamt ging die Zahl der illegalen Musik-Downloads in Deutschland weiter zurück.

24.04.2010, 08:01 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Über den typischen Filesharer kursieren einige Klischees. Oftmals geraten hier besonders musik- und internetaffine Jugendliche in Verdacht, ihre MP3-Sammlung durch illegale Downloads aufzufrischen. Dass dieses Bild nicht ganz der Realität entspricht, zeigt auch die aktuelle "Brennerstudie" des Bundesverbandes Musikindustrie in Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Befragt wurden 10.000 Deutsche ab 10 Jahren zu ihren Kopier- und Download-Gewohnheiten im Bereich Musik. Demnach ist der typische Nutzer illegaler Tauschbörsenangebote männlich und 20 bis 39 Jahre alt.

4,5 Millionen Deutsche luden 2009 illegal

Insgesamt nutzten 2009 rund 4,5 Millionen Deutsche illegal eine Tauschbörse – davon 1,3 Millionen Mädchen und Frauen sowie 3,2 Millionen Jungen und Männer. "Die Studie widerlegt die weit verbreitete Auffassung, dass es sich bei Tauschbörsennutzern überwiegend um Kinder und Jugendliche handelt, die sich die begehrten Produkte nicht leisten können", sagte Stefan Michalk, Geschäftsführer des Bundesverbandes Musikindustrie. So nutzen in der Altersgruppe der 10 bis 19-Jährigen lediglich 9 Prozent die illegalen Filesharing-Angebote und laden Musik, Filme, Spiele oder Hörbücher herunter.

Hingegen liegt laut Studie die Altersklasse der 20 bis 39-Jährigen mit 26 Prozent aller Fälle weit in Führung. Die aktivste Einzelgruppe sind mit 15 Prozent dabei Internetnutzer in den 20er-Jahren. An zweiter Stelle folgen mit 11 Prozent Nutzer zwischen 30 und 39 Jahren. In der Altersklasse 40 bis 49 sind immerhin noch 7 Prozent als illegale Downloader aktiv und ab 50 Jahren sinkt ihre Zahl auf 2 Prozent. Im Einzelbereich der illegalen Musik-Downloads ergibt sich ein ähnliches Bild. Hier dominieren mit 30 Prozent aller Fälle ebenfalls die 20 bis 29-Jährigen. Die zweitgrößte Einzelgruppe sind mit 21 Prozent allerdings überraschenderweise Nutzer im Alter zwischen 40 und 49 Jahren, dicht gefolgt von den 10 Jahre Jüngeren mit 20 Prozent.

Jung und Alt halten sich zurück

Sowohl die 10 bis 19 Jahre alten Nutzer, als auch die über 50-Jährigen, halten sich mit 12 beziehungsweise 17 Prozent stärker zurück. Insgesamt scheint das zunehmende Angebot an legalen kostenlosen und kostengünstigen Musik-Downloads eine illegale Beschaffung aber weiter zu vermindern. Gaben 2008 noch 3,8 Millionen Nutzer an, Musik-Raubkopien herunterzuladen, sank ihre Zahl innerhalb eines Jahres auf 2,9 Millionen. Auch die Menge der illegalen Musik-Downloads ging 2009 deutlich zurück – von 316 Millionen ein Jahr zuvor auf 258 Millionen. Zugleich stieg der Absatz von kostenpflichtigen Musik-Downloads 2009 weiter. Aber auch die Verkäufe physischer Musikdatenträger verzeichneten erstmal seit 10 Jahren wieder ein leichtes Plus. Der Gesamtumsatz der Branche stieg nach jährlichen Rückgängen seit 2005 im letzten Jahr zudem wieder an.

Die Musikindustrie deutet diese Entwicklung vorwiegend als Erfolg ihrer Repressionsstrategie. "Der Versand von Abmahnungen zeigt hier eindeutig Wirkung", sagte Michalk. Zwar würde die Branche viel lieber auf den flächendeckenden Versand von "Warnhinweisen" setzen. "Das ist aber ohne die Kooperation der Internet Service Provider nicht möglich", so der Verbandsvorsitzende weiter. Zumindest ein Unrechtsbewusstsein ist bei den meisten Downloadern laut Studie aber vorhanden. So gaben über 90 Prozent der Befragten an, dass ihnen bewusst sei, etwas Verbotenes zu tun. Eine Zusammenfassung der Erhebung mit weiteren Zahlen steht ab dem 26. April als Kompaktversion unter www.musikindustrie.de zum kostenlosen Download zur Verfügung. Ein Vollexemplar kann für 149 Euro erworben werden.

(Christian Wolf)

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