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Studie: Deutschland setzt beim Glasfaserausbau auf die falsche Strategie

Wie kann der Glasfaserausbau am besten gelingen? Die Unternehmensberatung Arthur D. Litte verglich die Ausbaustrategien von 50 Ländern. Deutschlands Weg mit einem Mix von privaten Investitionen und strenger Regulierung hat Glasfaser hierzulande kaum vorangebracht.

07.06.2013, 14:07 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Was ist die richtige Strategie für den Glasfaserausbau? Dieser Frage ging die Unternehmensberatung Arthur D. Little in ihrer neuen Studie "National Fiber Strategies" (PDF) nach, in der die nationalen Ausbaustrategien von 50 Ländern miteinander verglichen wurden. Eines der Kernergebnisse der Untersuchung: Die Zeit drängt. Damit künftig Wirtschaftswachstum gesichert werden kann, müssen sowohl die Telekommunikationsbranche als auch Regierungen und Regulierer den Glasfaserausbau entschieden vorantreiben.

202 Milliarden Euro Ausbaukosten in der EU

Eine Volkswirtschaft profitiere von schnellen Breitbandnetzen unter anderem durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Statt der nicht mehr zukunftsfähigen Kupferkabelnetze müssten Glasfasernetze aufgebaut werden, die auch für die Anbindung von LTE-Mobilfunknetzen benötigt werden. Ein Glasfaserausbau in Europa würde aber hunderte Milliarden Euro kosten.

Arthur D. Litte führt Kosten von 202 Milliarden Euro für eine komplette Erschließung der EU-Länder mit FTTH auf. Davon seien 10 Milliarden Euro bereits investiert, weitere 13 Milliarden Euro an Investitionen immerhin angekündigt worden. Es fehlen aber immer noch 179 Milliarden Euro, um beim Glasfaserausbau zum Ziel zu kommen.

Fünf Ausbau-Modelle: Deutschlands Strategie hat sich nicht bewährt

Während in Asien bereits 32 Prozent und in den USA 19 Prozent der Haushalte mit Glasfaser erschlossen sind, liegt dieser Anteil in der EU erst bei 14 Prozent. In den fünf größten EU-Ländern Deutschland, Frankreich, Italien, Großbritannien und Spanien weist die Studie lediglich Glasfaseranschlüsse für 6 Prozent der Haushalte aus. Hierzulande erreicht Glasfaser weniger als eine Million der Haushalte, das entspricht rund 4 Prozent. Damit gehört Deutschland weiterhin zu den Ländern in Europa mit der geringsten Glasfaser-Penetrationsrate.

Andererseits sind viele Gebiete inzwischen mit schnellen Internetanschlüssen der Kabelnetzbetreiber abgedeckt. "Die Marktliberalisierung führte zu einem hohen Preisdruck in der EU und die meisten Märkte haben entweder zu viel Infrastruktur oder zu wenig Mittel für Investitionen in infrastrukturbasierten Wettbewerb. Dies ist in den USA anders", erläutert Michael Opitz, Leiter der TIME Practice in Zentraleuropa.

Die Studie von Arthur D. Little hat in der aktuellen Umfrage insgesamt fünf Modelle für den Glasfaserausbau ausgemacht. Genutzt werden unterschiedlich gewichtete Mischungen aus öffentlichen Investitionen und regulatorischen Maßnahmen. Als besonders erfolgreich hätten sich hybride Ansätze erwiesen, die freien Wettbewerb, die Koordinierung durch die Regulierer und Regierung sowie die Förderung mit öffentlichen Mitteln für einzelne Regionen kombinierten. Litauen setzte sich in Europa mit staatlicher Förderung und dem Antreiben des Glasfaserausbaus durch den Marktführer an die Spitze, Deutschland ist mit seinem Ausbaumodell, privaten Investitionen und starke Regulierung, dagegen abgeschlagen.

Regierungen müssen Glasfaserstrategien überdenken

Frankreich sei beim Glasfaserausbau heute ebenfalls weiter als Deutschland. Die französische Regierung fördere bereits seit Jahren mit öffentlichen Mitteln den Ausbau der Glasfasernetze. "Regierungen müssen ihre Glasfaser-Infrastrukturstrategien überdenken, um mit weltweiten Best Practice Beispielen aufholen zu können", betont Karim Taga, Managing Partner von Arthur D. Littles TIME Practice.

(Jörg Schamberg)

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