News

Studie: Deutschland hinkt bei FTTH hinterher

Der Branchenverband FTTH Council Europe hat vorläufige Zahlen vorgelegt, denen zufolge in Deutschland Ende 2011 nur eine Million FTTH-Anschlüsse verfügbar waren. Aktiv genutzt werden schnelle Glasfaserzugänge nur von 166.000 Abonnenten. Im internationalen Vergleich ist Deutschland weit abgeschlagen.

19.01.2012, 13:01 Uhr
DSL-Anschluss© IKO / Fotolia.com

Der Breitbandausbau in Deutschland kommt voran, wenn auch nur langsam und schrittweise. Ländliche Regionen erhalten zunehmend Zugang zu Breitband-Internet per LTE oder lassen sich alternativ per Satellit versorgen, wenn DSL- oder Kabelanschlüsse nicht vorhanden sind. Bei den schnellen Glasfasernetzen und der Anbindung der Haushalte per Fibre to the Home (FTTH) direkt bis in die Wohnungen der Endkunden liegt Deutschland im internationalen Vergleich allerdings weit abgeschlagen auf den hinteren Rängen. Laut den vom Branchenverband FTTH Council Europe am Mittwoch veröffentlichten vorläufigen Zahlen zur Glasfaser-Verbreitung, waren in Deutschland Ende des vergangenen Jahres lediglich rund eine Million Haushalte technisch per FTTH erschlossen.

Nur 0,4 Prozent der Haushalte nutzt FTTH/B

Der deutsche FTTH-Markt wird von alternativen Anbietern dominiert und häufig von Kommunen und Versorgungsunternehmen unterstützt. Das Angebot beschränkt sich zudem vorrangig auf größere Städte. Die für die FTTH-Studie von den Analysten von IDATE gesammelten Daten besagen, dass die Zahl der FTTH/B-Abonnenten in Deutschland bei lediglich 166.000 liegt. Das entspricht gerade einmal rund 0,4 Prozent der deutschen Haushalte. In Städten und Regionen, in denen FTTH oder FTTB (Fibre to the Building) verfügbar sind, nutzt damit nur jeder sechste Haushalt einen solchen Highspeed-Internetzugang.

Viele Kunden seien noch an lange Vertragslaufzeiten von bis zu 24 Monaten gebunden und könnten daher noch nicht wechseln. Die kaum oder nur schlecht stattfindende Vermarktung von Glasfaserzugängen machen die Analysten als eine weitere Ursache für die hierzulande nur schleppend vorankommende FTTH-Versorgung aus. Dabei sei ultraschnelles Breitband ein wichtiger Schlüsselfaktor für die Produktivität und wirtschaftliches Wachstum sowie für die internationale Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. Während in Deutschland Politiker, Provider und Verbände die Bedeutung von Glasfasernetzen umfassend diskutieren, realisieren andere Länder bereits entsprechende schnelle Breitbandlösungen. In Schweden, Norwegen und Litauen nutzen beispielsweise bereits mehr als 10 Prozent der Haushalte Verbindungen per FTTH/B. Auch in Frankreich, den Niederlanden, Russland und der Türkei kommt der Glasfaserausbau voran.

Deutschland muss Kurs für zukunftsfähige Lösungen festlegen

Vom 14. bis 16. Februar findet in München die weltweit größte FTTH-Konferenz statt, bei der unter anderem die Finanzierung von Glasfasernetzen und die Regulierung Themen sein werden. "Es bleibt abzuwarten, ob das Jahr 2012 einen Wechsel in Deutschlands FTTH-Position markiert", sagt Hartwig Tauber, Generaldirektor des FTTH Council Europe. Wenn ein großes Land wie Deutschland auch zukünftig eine treibende wirtschaftliche Kraft bleiben möchte, müsse nun der Kurs festgelegt werden, um zukunftsfähige Lösungen schnell auf den Weg zu bringen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang