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Studie: Avatar-Spiele verändern menschliche Psyche

Wir werden immer mehr zum Roboter - eine provokante These. Eine Studie der Universität Witten/Herdecke zeigt: Rollenspiel-Gamer neigen auch im realen Leben zu "roboterhaftem Verhalten", so das Fazit der Psychologen.

07.02.2015, 09:01 Uhr
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Und sie verändern uns doch: Immer wieder flammt die Debatte auf, ob Computer-Games die Persönlichkeit der Spieler und ihr Verhältnis zu Gewalt beeinflussen oder nicht. Bisher konnte weder das eine noch das andere lückenlos nachgewiesen werden. Eine neue Studie der Universität Witten/Herdecke bestärkt die Kritiker: Das Schlüpfen in die Avatar-Rolle beeinflusst die menschliche Psyche offenbar doch. Denn die Spieler gleichen ihr Verhalten der virtuellen Figur an, leiden weniger unter eigenen Schmerzen, können aber auch Empfindungen anderer weniger nachvollziehen.

Spieler urteilten weniger objektiv

Das Team um Professor Ulrich Weger hatte 29 Testpersonen sieben Minuten lang Rollenspiele mit Avataren spielen lassen. Dabei tauchen die Spieler in eine virtuelle Welt ein und agieren mit einer virtuellen Figur, als sei es ihre eigene Persönlichkeit. Die restlichen 36 Probanden surften währenddessen im Internet.

Im Anschluss sollten beide Gruppen die Eignung von Jobkandidaten für eine ausgeschriebene Position beurteilen. Im Vorfeld hatten Computer die Eignung der Personen vorbewertet, teilweise richtig, teilweise falsch. Fazit: Die Gruppe der Computerspieler ließ sich stärker von der Voreinschätzung durch die Rechner beeinflussen, die Gruppe der Internet-Surfer fällte ihr Urteil objektiver. Die Spieler waren also "eher geneigt, blind den Einschätzungen der virtuellen Assistenten zu folgen", so Weger. Offen bleibt, ob dies nach Ablauf einer gewissen Erholungsfrist ebenfalls der Fall ist.

In einer Studie aus dem Jahre 2013 untersuchte das Team um Professor Weger die emotionale Beeinträchtigung durch Rollenspiele und kam zu ähnlichen Ergebnissen.

Neigung zu roboterhaften Eigenschaften

Gaming-Fans, die häufig in virtuelle Charaktere und Spielwelten schlüpfen, neigten anschließend im reellen Leben ebenfalls zu "roboterhaften Eigenschaften". Sie zeigten 18 Prozent weniger Schmerzempfindlichkeit, aber auch weniger Neigung zur Empathie mit anderen in Notsituationen. Umgekehrt könnten soziale Spiele aber auch das soziale Miteinander fördern. Es zeige sich "allgemein, dass wir das Verhalten, das wir in der virtuellen Welt einüben und erlernen, auch in die wirkliche Welt übertragen", so Weger. Den Verlust von Realitätssinn hätten Psychologen vor allem bei Extrem-Spielern beobachtet.

In einer Welt, in der Maschinen immer mehr die Aufgaben von Menschen übernehmen – in Gestalt von Animationsfiguren und virtuellen Beratern bis hin zu psychotherapeutischen Robotern müsse die Frage erlaubt sein, ob die Grenze zwischen Mensch und Maschine bereits aufgeweicht werde, so Weger weiter - und ob unsere Gesellschaft das wirklich gutheißen will.

(Dorothee Monreal)

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