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Strom wird noch teurer - Schuld ist die Ökostrom-Umlage

Obwohl der Strom im Einkauf immer günstiger zu bekommen ist, wird er für Endverbraucher immer teurer.

09.10.2013, 16:24 Uhr (Quelle: DPA)
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Der Strom wird immer billiger. Zumindest im Einkauf. In diesen Tagen kostet die Kilowattstunde an der Börse EPEXSpot teilweise nur noch 3,8 Cent für den deutschen Markt. Solar- und Windenergie sowie weiterhin viel Kohlekraft drücken die Preise. Der Normalverbraucher aber hat nichts davon. Er hat seit Mittwoch schwarz auf weiß, dass er noch mehr für seinen Strom berappen muss.

Offizielle Verkündung erst nächste Woche

Für ihn nähert sich der Endkundenpreis der magischen Grenze von 30 Cent pro Kilowattstunde, weil die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ökostrom-Umlage 2014 von 5,277 Cent auf 6,307 Cent steigen soll, wie nun durchsickerte. Am 15. Oktober soll die Zahl von den für das Umlagekonto zuständigen Übertragungsnetzbetreibern Tennet, Amprion, TransnetBW und 50Hertz, offiziell verkündet werden.

Mit dem Geld werden Windparks, Solar- und Biogasanlagen mit auf 20 Jahre garantierten feste Vergütungen gefördert, die über den an der Strombörse erlösten Preisen liegen. Seit 13 Jahren gibt es das EEG, inzwischen gibt es rund 4.000 Förderkategorien. Immer wieder wurden Vergütungen zwar gekürzt, doch unterm Strich hat sich ein riesiger Förderberg aufgetürmt: 20 Milliarden Euro Umlagekosten sind es 2013.

Auch die Netzentgelte werden steigen

Ein Drei-Personen-Haushalt mit 3.500 Kilowattstunden Verbrauch zahlt derzeit rund 980 Euro für Strom, 2014 könnten es nach Angaben des Vergleichsportals Verivox mit 1.050 Euro rund 70 Euro mehr werden. Die steigende Umlage würde daran einen Anteil von 220 Euro (plus 36 Euro) haben, hinzu kämen laut Verivox automatisch elf Euro mehr an Mehrwertsteuer sowie 23 Euro für ebenfalls steigende Netzentgelte.

Was sich nun wieder für Attacken gegen den Ausbau erneuerbarer Energien instrumentalisieren lässt, bedarf einer differenzierten Betrachtung: Nach Berechnungen des Branchendienstes Energy Brainpool entfällt die Hälfte des Umlageanstiegs 2014 auf den eingangs beschriebenen Preisverfall an der Strombörse. Denn gibt es immer weniger Geld für den Ökostrom, wächst die Differenz zu den festen Vergütungssätzen: Die Differenz muss der Verbraucher bezahlen.

Versorger verdienen weiter prächtig

Die Versorger stehen im Verdacht, die gesunkenen Einkaufspreise nur unzureichend an die Bürger weiterzureichen. Rund 25 Prozent des Umlageanstiegs entfallen zudem auf die Industrierabatte, so Energy Brainpool. Nach Berechnung des Bundesverbands erneuerbare Energien machen nur 0,15 Cent des Anstiegs um rund einen Cent neue Anlagen aus - der Solarausbau hat sich nach Förderkürzungen deutlich verlangsamt.

Noch immer sind viele Deutsche Wechselmuffel beim Strom. Durch einen Anbieterwechsel lässt sich viel sparen. Und: Wer nicht alle Geräte im Stand-By-Modus hat, Ladegeräte für Handys aus der Steckdose zieht und auf energiesparende Lampen setzt, kann viel Strom sparen.

Laut Umfragen begrüßen trotz der Kosten weiterhin mehr als 90 Prozent der Bürger der Ausbau von Solar- und Windenergie. Es wird aber eine fairere Lastenverteilung gefordert. Stichwort Industrierabatte, die die EEG-Umlage aufblähen und die auch die EU-Kommission ins Visier genommen hat. Ohne die Rabatte drohen wegen des globalen Wettbewerbs aber bei Aluhütten, Zement- und Stahlwerken Jobverluste. Die Frage ist jedoch, wie groß müssen sie sein? Denn der Strompreisindex des Verbands der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft lag zuletzt mit 134,10 Punkten so niedrig wie seit März 2005 nicht mehr.

Für Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihre künftige Koalition besteht hier massiver Reformdruck. Energieexperte Holger Krawinkel von der Verbraucherzentrale Bundesverband warnt aber vor falschen Hoffnungen. "Das ganze Getöse um eine grundlegende Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes verdeckt, dass der Strompreis im Moment gar nicht sinken kann." Schließlich müssen die schon gesetzlich zugesagten und auf 20 Jahre garantierten Vergütungen für alle schon laufenden Anlagen noch jahrelang weiterbezahlt werden. Um ein Atomkraftwerk zu ersetzen, braucht es immerhin rund 2000 Windräder.

Strompreis-Niveau noch lange auf hohem Niveau

Die Ökoenergie-Branche klagt derweil über eine kurzsichtige, einseitige Betrachtung nur der Ökostrom-Umlage. Hat nicht gerade der fünfte Weltklimabericht gezeigt, dass die Erderwärmung von 1880 bis 2012 bereits um 0,85 Grad Celsius zugelegt hat? Meeresspiegel steigen schneller als erwartet, es drohen mehr Extremwetterereignisse.

Deutschland will seine Emissionen bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 1990 senken. Doch dafür müssen in den nächsten Jahren wohl Strompreise auf hohem Niveau in Kauf genommen werden, bevor nach und nach die Vergütungen nach der 20-Jahres-Förderfrist entfallen und die Umlage sinkt. Die Alternative wäre: Auf mehr Kohlestrom und mehr CO2-Emissionen zu setzen, um den Atomausstieg bis 2022 abzufedern. Doch wäre diese Rechnung für künftige Generationen günstiger?

(Hayo Lücke)

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