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Streit um "unislamisches" Highspeed-Internet im Iran

Die iranische Regierung plant ein Hochgeschwindigkeitsinternet und erhält nun Unterstützung des Präsidenten Hassan Ruhani. Der einflussreiche Großajatollah Makarem Schirasi will das Highspeed-Internet dagegen verbieten, da es unislamisch sei. Es ermögliche Jugendlichen einen einfacheren Zugang zu "verseuchten Webseiten".

31.08.2014, 13:01 Uhr (Quelle: DPA)
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat sich im Streit um das von der Regierung gewünschte Hochgeschwindigkeitsinternet gegen einen einflussreichen Großajatollah gestellt. "Wissenschaftlicher Fortschritt hat für die Regierung höchste Priorität, dazu gehört auch Zugang ins Hochgeschwindigkeitsinternet", sagte Ruhani am Samstag. Er widersprach damit Großajatollah Makarem Schirasi, der ein Hochgeschwindigkeitsinternet in der vergangenen Woche als unislamisch bezeichnet hatte und es verbieten will.

Surftempo im Iran liegt meist bei maximal 1 Mbit/s

Dem Großajatollah zufolge könnte das von der Ruhani-Regierung geplante Projekt Jugendlichen einfacheren Zugang zu "verseuchten Webseiten" ermöglichen. Dies sei gegen die islamischen Vorschriften des Landes und sollte daher verboten werden. Kommunikationsminister Mahmud Waesi, der Initiator des Projekts, soll ins Parlament einbestellt werden, wo einige Abgeordnete für seine Entlassung sorgen wollen.

Ruhani hat zwar Verständnis für kulturelle Bedenken signalisiert, will aber an dem Projekt festhalten. Die Internetgeschwindigkeit im Land - durchschnittlich zwischen 128 Kbit/s bis höchstens 1 Mbit/s - ist ein Riesenproblem für alle Nutzer im Iran, angeblich auch für Ruhani selbst. "Manchmal schläft man ja ein, bis eine Datei heruntergeladen ist", sagte Ruhani. Schon im Mai hatte Präsident Ruhani erklärt, dass das Internet im Iran nicht als Gefahr gesehen werden solle. 

(Jörg Schamberg)

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