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Streaming-Streit: Plattenbosse prügeln auf GEMA ein

Nach der Eskalation zwischen YouTube und dem deutsche Rechteverwerter GEMA im Streit um die Vergütung von Musikvideos schalten sich auch große Plattenlabels in die Diskussion ein und kritisieren die GEMA scharf. Lachender Dritter ist derweil der deutsche Streaming-Dienst Simfy.

17.06.2011, 19:08 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

"Leider ist dieses Video in Deutschland nicht verfügbar, da es Musik enthalten könnte, für die die GEMA die erforderlichen Musikrechte nicht eingeräumt hat." So oder so ähnlich titelt YouTube seit einigen Tagen bei Aufruf gesperrter Musikvideos. Die unmissverständliche Botschaft der Google-Tochter: "Wir würden ja gern - aber die GEMA lässt uns nicht." In dieses Klagelied stimmen nun ebenfalls die Chefs verschiedener großer Plattenlabels ein. Sowohl Edgar Berger, Deutschland-Chef von Sony Music, als auch der deutsche Universal-Chef Frank Briegmann machen nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" ("FTD") allein den deutschen Rechteverwerter für die jüngste Eskalation im Streit mit YouTube und das Scheitern bisheriger Verhandlungen um eine adäquate Lizenzvergütung verantwortlich.

"Schlecht für Künstler, Fans und Labels"

Obwohl der größte Musikmarkt in Europa, sei Deutschland bei Streaming-Angeboten immer noch ein Entwicklungsland, monierten die Manager. "Wir haben als Label lang genug gewartet. Das kann so nicht weitergehen", sagte Sony-CEO Berger der "FTD". Universal-Vertreter Briegmann pflichtete ihm bei und bezeichnete die Situation in Deutschland als "schlecht - für Künstler, Fans und Labels". Schuld daran seien überzogene Forderungen der GEMA. Diese vertritt hierzulande die Urheberrechte von 64.000 Mitgliedern sowie mehr als einer Million ausländischer Künstler. "Ich verstehe nicht, warum eine Einigung in so vielen Ländern möglich ist, hier aber nicht", so Berger. Es seien offenbar Teile des GEMA-Aufsichtsrates, die die digitale Entwicklung blockierten. Briegmann forderte die Einführung von Preismodellen, die von Anbietern und Kunden akzeptiert würden. Refinanziert werden sollen die Lizenzkosten vor allem über Werbeeinnahmen. Als Vorbilder gelten dabei kostenlose Dienste wie Spotify, Pandora oder Vevo, die in vielen Ländern bereits aktiv sind. Mit der gegenwärtigen GEMA-Vorstellung von 12 Cent pro abgespieltem Lied sei dies allerdings keinesfalls umzusetzen, so Briegmann.

Die GEMA schiebt den schwarzen Peter unterdessen wieder zurück. Auf dem hauseigenen Blog werfen die Urheberrechtsvertreter YouTube vor, die Lage falsch darzustellen. Der Text, der seit kurzem beim Aufruf von einigen gesperrten Musikvideos erscheint, sei irreführend und suggeriere, dass die GEMA die Rechte nicht eingeräumt hätte. Fakt sei jedoch, dass YouTube diese Rechte bislang einfach nicht erworben habe. Auch habe die GEMA bereits Ende 2010 Klage gegen YouTube eingereicht, weshalb von einer plötzlichen Eskalation keine Rede sein könne. Darüber hinaus gebe es keine festgelegten Preise für das Streaming von Inhalten. Man habe in den Verhandlungen zu keinem Zeitpunkt einen Betrag von 12 Cent oder mehr gefordert. Vielmehr sei ein "marktüblicher einstelliger Betrag" in die Verhandlungen eingebracht worden, so der Rechteverwerter.

Eine Einigung wäre möglich - Simfy macht es vor

Unterdessen ist eine Einigung offenbar nicht unmöglich - der erst im Mai 2010 gestartete deutsche Streaming-Dienst Simfy macht es vor. Nach eigenen Angaben ist das Kölner Unternehmen mittlerweile Marktführer in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Als bislang einziger Anbieter kann Simfy dabei auf ein GEMA-Abkommen verweisen. Zu Details mochte sich Unternehmens-Chef Gerrit Schumann auf Nachfrage unserer Redaktion zwar nicht äußern, jedoch sei die Übereinkunft finanziell akzeptabel. Anders als etwa YouTube setze Simfy aber weniger auf Werbeeinkünfte, sondern sehe die Basis des eigenen Geschäftsmodells in der Vermarktung gebührenpflichtiger Premium-Accounts. Je nach Zahlungsweise kostet eine Musik-Flatrate mit Zugriff auf über acht Millionen Titel dabei zwischen 8,33 und 9,99 Euro monatlich. In Kooperation mit Telefónica Germany bieten die Rheinländer zudem seit Februar ein Exklusiv-Abo für o2-Kunden zum Monatspreis von 8,99 Euro.

Die überwiegende Mehrheit der über eine Million registrierten Nutzer gebe sich bisher allerdings mit dem kostenfreien Basiszugang zufrieden, so Schumann. Simfy sei daher noch nicht in der Gewinnzone angekommen und befinde sich weiterhin in der Investitionsphase. Dafür seien aber nicht die GEMA-Zahlungen verantwortlich. Dennoch räumte der Simfy-Chef ein, dass der deutsche Rechteverwerter im Vergleich zu seinen ausländischen Pendants in Sachen Digitalinhalte noch erheblichen Nachholbedarf habe. Die derzeitigen Rahmenbedingungen seien ungünstig. Vor allem Startup-Unternehmen hätten durch die von der GEMA favorisierte Per-Play-Lösung, bei der pro Abruf gezahlt werde, kaum eine Chance, am Markt Fuß zu fassen. "Ein Pauschaltarif, mit dem - wie in anderen Ländern üblich - die Vergütung über eine prozentuale Umsatzbeteiligung erfolgt, ist wesentlich fairer", betonte Schumann.

(Christian Wolf)

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