CO2-Ausstoß

Streaming: Glasfaser mit deutlich besserer Klimabilanz als 3G

Filme und Serien bei Netflix und Co. zu streamen ist alles andere als klimaneutral. Eine Studie ergab nun, dass der Übertragungsweg des Streams für den CO2-Ausstoß entscheidend ist.

Christoph Liedtke, 10.09.2020, 15:40 Uhr (Quelle: DPA)
VideostreamingBesser fürs Klimagewissen: Streaming per Glasfaser oder 5G.© daviles / Fotolia.com

Beim Video-Streaming ist die Art der Datenübertragung entscheidend für die Klimabilanz. Nimmt man Videostreaming in HD-Qualität als Vergleichsmaßstab, ist der Anteil an den CO2-Emissionen allein durch die Datenverarbeitung im Rechenzentrum mit 1,5 Gramm CO2 pro Stunde relativ gering. Das geht aus deiner Studie des Umweltbundesamtes (UBA) hervor, die den Stromverbrauch des Endgerätes nicht berücksichtigt.

Der Mobilfunk schneidet generell schlechter ab

Nutzerinnen und Nutzer könnten durch die Wahl der Übertragungstechnik helfen, Treibhausgasemissionen in erheblichem Umfang einzusparen. Die geringste CO2-Belastung insgesamt sei festzustellen, wenn das HD-Video bis nach Hause über einen Glasfaser-Anschluss geschickt wird. Dann entstünden lediglich zwei Gramm CO2 je Stunde Videostreaming für Rechenzentrum und Datenübertragung. Läuft das Streaming übers Kupferkabel (VDSL), seien es bereits vier Gramm.

Am schlechtesten schneidet in der Untersuchung der Übertragungsweg Mobilfunk ab. Bei einer Datenübertragung mit UMTS (3G) fielen beispielsweise 90 Gramm CO2 pro Stunde an. Aber auch hier gilt es nach Mobilfunktechnologie zu differenzieren: Denn läuft die Datenübertragung stattdessen über 5G, würden nur etwa 5 Gramm CO2 je Stunde HD-Video-Streaming emittiert.

Aus Klimaschutzsicht sei die neue 5G-Übertragungstechnik also vielversprechend, so das UBA. Grundsätzlich es aber eine gute Idee, mehr öffentliche WLAN-Hotspots einzurichten, über die etwa das Video-Streaming klimafreundlicher sei als in Mobilfunknetzen. Und wer daheim über Glasfaser oder VDSL streame, könne dies ohnehin mit gutem Klimagewissen tun.

Auch die Auflösung beeinflusst den CO2-Ausstoß

Die Studie betrachtet außerdem das Datenvolumen für verschiedene Video-Auflösungen. Eine Übertragung in Ultra-HD-Auflösung auf einem Fernseher benötigt verglichen mit HD-Qualität die zehnfache Datenmenge, nämlich rund 7 Gigabyte statt nur 700 Megabyte pro Stunde.

Der Tipp des UBA hier: Verbraucherinnen und Verbraucher könnten CO2-Emissionen einsparen, wenn sie Film, Serien oder Videos mit einer geringeren Auflösung anschauen. Bei Mobilgeräten mit vergleichsweise kleinem Display sei der Qualitätsunterschied für das menschliche Auge ohnehin nicht wahrnehmbar.

Und Anbieter von Streaming- und Videodiensten sollten ebenso wie Webseitenbetreiber alle Video-Streams auf ihren Seiten so einstellen, dass die Autoplay-Funktion - falls vorhanden - standardmäßig deaktiviert ist, um Daten und damit CO2 zu sparen.

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Cloud-Boom während der Corona-Pandemie

Durch die Corona-Pandemie stieg die Nutzung etwa von Cloud-Diensten in Deutschland deutlich. Von Februar bis März - also innerhalb eines Monats - habe sich die Datenmenge um 30 Prozent erhöht, betonte der Präsident des Bundesamts, Dirk Messner. Im März wurde am Internetknoten Frankfurt/Main ein Wert von 9,16 Terabit gemessen - der höchste dort je ermittelte Datendurchsatz pro Sekunde. Er entspricht der gleichzeitigen Übertragung von mehr als zwei Millionen HD-Videos.

"Beim Breitbandausbau sollte wo immer möglich Vorfahrt für energieeffiziente Glasfasernetze gelten. Die 5G-Infrastruktur muss das sehr ineffiziente 3G möglichst schnell ersetzen", forderte Umweltministerin Svenja Schulze. Außerdem will sie, dass für Rechenzentren ein verbindlicher Energieausweis eingeführt wird, der Auskunft geben soll über Energieverbrauch und Leistungsfähigkeit.

"Beim Energieverbrauch in den einzelnen Rechenzentren gibt es eine extrem große Spannbreite", so Schulze. "Insgesamt schlägt der Energieverbrauch und damit die CO2-Belastung in Rechenzentren im Vergleich zu anderen Faktoren bei der Nutzung von Cloud-Diensten aber deutlich geringer zu Buche als bisher angenommen."

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