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Stiftung Warentest zu Datenschutz bei Messengern: Threema top, WhatsApp flop

Jüngsten Umfragen zufolge denkt allein in Deutschland ein Drittel aller WhatsApp-Nutzer darüber nach, zu einem anderen Messenger zu wechseln. Die Stiftung Warentest hat dies zum Anlass genommen, WhatsApp und vier populäre Konkurrenten mit Blick auf ihr Datenschutzverhalten unter die Lupe zu nehmen.

27.02.2014, 14:13 Uhr
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Die Übernahme durch Facebook könnte sich für WhatsApp rückblickend noch als Debakel erweisen. Obwohl Datenschützer schon länger auf die zahlreichen Schwachstellen des Messenger-Dienstes hinweisen, gewinnt das Thema Sicherheit im Schatten des als Datenkrake verschrienen Sozialen Netzwerkes plötzlich massiv an Bedeutung. Jüngsten Umfragen zufolge denkt allein in Deutschland ein Drittel aller WhatsApp-Nutzer darüber nach, zu einem anderen Messenger zu wechseln. Die Stiftung Warentest hat dies zum Anlass genommen, WhatsApp und vier populäre Konkurrenten mit Blick auf ihr Datenschutzverhalten unter die Lupe zu nehmen. Ergebnis: Nur der Schweizer Dienst "Threema" konnte die Prüfer überzeugen und erhielt die Datenschutz-Bewertung "unkritisch".

Einzig "Threema" kann überzeugen

Threema arbeite mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und sei selbst nicht in der Lage, Unterhaltungen zu verfolgen, so die Tester. Zwar sende die iOS-Variante die Nutzer-ID an Threema, dies sei aber unkritisch, da die Informationen verschlüsselt würden. Die Android-Version übermittle keinerlei Daten an Anbieter oder Dritte. Adressbucheinträge würden darüber hinaus nur in pseudonymisierter Form und mit Zustimmung des Nutzers auf den Servern von Threema gespeichert. Wer ablehne, könne die App dennoch verwenden. Also alles eitel Sonnenschein? Nicht ganz: Getrübt wird der positive Gesamteindruck aus Sicht der Tester dadurch, dass der Messenger nicht quelloffen ist. Es sei daher nicht bis ins Details nachvollziehbar, ob tatsächlich nicht doch bestimmte Daten verschlüsselt kommuniziert würden.

Einen gemischten Eindruck hinterlässt die Gratis-App "Telegram". Zwar sei hier ebenfalls eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung vorhanden, diese müsse aber manuell aktiviert werden. Zudem speichere die App automatisch Adressbucheinträge, wobei Daten aber nicht an den Anbieter übertragen würden. Die Prüfer monieren allerdings, dass Telegram weder über ein Impressum noch eine Kontaktadresse für Datenschutzfragen verfügt. Positiv wiederum sei, dass die App als einzige im Test zumindest teilweise quelloffen sei und Daten generell verschlüsselt versende. Insgesamt erhielt Telegram die Datenschutz-Bewertung "kritisch".

Datenschleuder WhatsApp

Der Rest des Feldes, bestehend aus WhatsApp, Line und dem BlackBerry Messenger (BBM), wurde einheitlich als "sehr kritisch" beurteilt. Während WhatsApp und Line keine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung böten, sei im Fall des BBM zwar keine eindeutige Aussage möglich, jedoch würden auch hier zumindest in der iOS-Version zahlreiche Daten unverschlüsselt übermittelt.

Eine echte Datenschleuder ist laut Stiftung Warentest aber - wenig überraschend - vor allem der Platzhirsch WhatsApp. So übertrage die App Adressbucheinträge generell ohne Zustimmung an Dritte und teile diesen die Telefonnummer mit. Die Android-Variante sende zudem selbst Daten unverschlüsselt, die der Nutzer eingebe, darunter Gesprächsinhalte. Und auch die AGB seien wenig verbraucherfreundlich. Hier räume sich WhatsApp etwa das Recht ein, Bedingungen jederzeit zu ändern oder Nutzerdaten an Strafverfolgungsbehörden weiterzureichen. Darüber hinaus sei unklar, wie Neueigentümer Facebook mit dem neuen Datenschatz umgehe.

(Christian Wolf)

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