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Stiftung Warentest: Im Schnitt 33 Tage auf einen DSL-Anschluss warten

Eigentlich wollte die Stiftung Warentest Internetanschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s testen, doch die Schaltung der Testanschlüsse dauerte so lange, dass im Heft 11/2014 nur ein Artikel über das Warten auf die Freischaltung erschienen ist.

23.10.2014, 13:01 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Eigentlich wollte die Stiftung Warentest Internetanschlüsse mit mehr als 16 Mbit/s testen, doch die Schaltung der Testanschlüsse dauerte so lange, dass im Heft 11/2014 nur ein Artikel über das Warten auf die Freischaltung erschienen ist. Ein DSL-Anschluss von Vodafone war bis zum Redaktionsschluss immer noch nicht verfügbar.

"Wut und Hilflosigkeit"

Für den Artikel "Langes Warten auf DSL" haben 30 Testhaushalte bei zehn DSL-, Kabel- und LTE-Anbietern einen Internetanschluss in Auftrag gegeben - drei Bestellungen pro Anschluss und Anbieter. Telekom und Vodafone waren dann mit DSL und LTE jeweils zweimal vertreten.

Die Testkunden berichten von "Wut und Hilflosigkeit". Im Schnitt mussten sie rund fünf Wochen auf einen DSL-Anschluss warten, einige sogar mehr als zehn Wochen. Dieser Schnitt wird sich sogar noch verschlechtern, da ein DSL-Anschluss von Vodafone noch gar nicht geschaltet war.

Alle DSL-Anbieter betroffen

Der Grund für die späten Freischaltungen waren laut Stiftung Warentest die Wartezeiten auf den Techniker. Von 38 angekündigten Terminen endete die Hälfte erfolglos oder fand erst gar nicht statt. Oft wurde ein Kunde drei- bis viermal versetzt. Auch die Kommunikation mit der Hotline gestaltete sich manchmal schwierig.

Dass das Problem bei allen DSL-Anschlüssen, aber nicht bei Internetzugängen über Kabel oder LTE auftrat, hat einen einfachen Grund. Auch die Telekom-Konkurrenz von Vodafone, o2 und Tele2 ist auf den Telekom-Techniker angewiesen, denn das letzte Stück Draht, die sogenannte "letzte Meile", befindet sich in den meisten Fällen in Besitz der Telekom.

Zehn Minuten pro Haushalt

Die Techniker sind aber so überlastet, dass sie ihren Tagesplan in der Regel nicht schaffen können. Dem Autor dieses Artikels wurde beim Schalten seines DSL-Anschlusses in diesem Jahr gesagt, dass pro Haushalt nur zehn Minuten zur Verfügung ständen. In dieser Zeit muss der Techniker unter Umständen in einem Altbau mit zwanzig Parteien im Keller das richtige Aderpaar finden, das in die Wohnung führt.

Aus diesem Grund warten auch Telekom und die Telekom-Tochter congstar mit langen Wartezeiten auf. Vier von sieben anvisierten Techniker-Terminen platzten laut Stiftung Warentest auch bei einem Telekom-Anschluss.

Es geht auch ohne Techniker vor Ort

Erschreckend ist, dass viele Geschichten, die man aus dem Bekanntenkreis kennt und die sich vielleicht als Einzelfälle abtun lassen, sich in den Erfahrungen der 30 Testhaushalte wiederfinden: Pakete gehen zurück, ohne dass der Provider sich rührt; Kunden werden aufgefordert, nicht mehr bei der Hotline anzurufen.

Die Zeit bis zur Freischaltung lässt sich aber massiv zu verkürzen. Wenn in der Wohnung bereits ein Anschluss bestanden hat, kann der neue DSL-Anschluss unter anderem von zentraler Stelle geschaltet werden, ohne dass ein Techniker vor Ort erscheinen muss. Bei Neubezug einer Wohnung sollte man sich also unbedingt nach der Rufnummer des Vormieters erkundigen und diese angeben.

Kabel und LTE als Alternative

Wer nicht lange warten möchte, sollte auch eine andere Technik in Betracht ziehen. Die Anbieter von Kabelfernsehen bieten auch Breitband-Internetzugänge an und sind dabei von der Telekom unabhängig. Entsprechend wurden die Testanschlüsse bei Kabel Deutschland und Unitymedia KabelBW meist in weniger als zwei Wochen bereitgestellt.

Noch schneller ließen sich LTE-Anschlüsse in Betrieb nehmen - oft in wenigen Tagen. Die hohen Download-Geschwindigkeiten sind aber nicht überall verfügbar. Letztlich muss ein Test in der eigenen Wohnung zeigen, ob der Datendurchsatz ausreichend ist. Zudem lassen sich pro Monat nur 10 bzw. 15 GB empfangen oder verschicken.

Schadensersatz vor Gericht einklagen

Wer dennoch in die Wartefalle getappt ist, kann unter Umständen Schadensersatz fordern. Der Bundesgerichtshof hat 2013 einem Kläger 450 Euro zugesprochen, der wochenlang auf seinen Anschluss warten musste. Der Internetanschluss sei ein "Wirtschaftsgut mit zentraler Bedeutung", so das Gericht (Az. III ZR 98/12).

Der komplette Artikel mit konkreten Angaben zu den einzelnen Anbietern findet sich in der November-Ausgabe der Zeitschrift test, die ab 24. Oktober am Kiosk erhältlich ist. Online kann er auch unter www.test.de/internetanschluss für einen Euro bezogen werden.

(Peter Giesecke)

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