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Steht kino.to kurz vor der Rückkehr?

Ein anonymes, vermeintliches Mitglied der kino.to-Betreiber hat sich im Internet zu Wort gemeldet und kündigt eine baldige Rückkehr das Portals an. Möglicherweise unter neuer Leitung.

14.06.2011, 15:06 Uhr
Datenübertragung© envfx / Fotolia.com

Kaum ein Thema hat die Internet-Szene in Deutschland während der vergangenen Tage mehr beschäftigt als die Abschaltung des Streaming-Portals kino.to. Über die Internetseite war es möglich, aktuelle Hollywood-Blockbuster oder TV-Serien auf den heimischen Rechner zu holen - kostenlos. Während weiterhin unklar ist, ob Konsumenten des Portals für die Nutzung zur Rechenschaft gezogen werden können, wird hinter den Kulissen offenbar an einem Comeback von kino.to gebastelt.

Anonymes Mitglied kündigt Comeback an

Unter der Adresse kino.to-alternative.de.vu hat sich ein vermeintliches Szene-Mitglied zu Wort gemeldet, das in den vergangenen Tagen nach eigenen Angaben ebenfalls Besuch von den ermittelnden Behörden bekam und im Rahmen einer Hausdurchsuchung Festplatten und Computer abgeben musste. Viel interessanter ist aber die Tatsache, dass das anonym verfasste Posting eine baldige Rückkehr von kino.to ankündigt. "Kino.to wird bald wieder für euch da sein" heißt es dort. Und weiter: "Gelder sind vorhanden, Kino.to kommt bald wieder aber wahrscheinlich unter neuer Leitung."

Außerdem weist das anonyme Mitglied darauf hin, dass Nutzer von kino.to keine weiteren Folgen zu befürchten hätten. Die IP-Adressen seien nicht gespeichert worden, weil die beschlagnahmten Server mit Truecrypt verschlüsselt worden seien. Die ermittelnde Staatsanwaltschaft Dresden hat eine etwaige Verfolgung von Privatnutzer aber ohnehin zurückgestellt, um sich zunächst den verhafteten Hauptbeschuldigten widmen zu können, denen die Verbreitung von urheberrechtlich geschütztem Material zur Last gelegt wird.

GVU meint: Filmstreams müssen verfolgt werden

Bei der Gesellschaft zur Verfolgung von Urheberrechtsverletzungen (GVU) sieht man die Nutzer von kino.to unterdessen durchaus als verfolgungswürdig an. Auch, wenn noch darüber gestritten werde, ob beim Ansehen eines Streams auf einem Rechner eine Vervielfältigung im gesetzlichen Sinne angefertigt wird, oder nicht. In einem Blog-Post der GVU verweisen Geschäftsführer Matthias Leonardy und Vereinssprecherin Christine Ehlers darauf, dass bei einem Streaming über das Internet auf dem Endgerät des Nutzers stets eine vorübergehende Speicherung erfolge. Das sei nur unter bestimmten Voraussetzungen erlaubt, die bei der Nutzung von kino.to aber nicht greifen würden. Wörtlich heißt es: "Eine Kopie von einer illegalen Vorlage - worum es sich bei den Filmen über kino.to regelmäßig gehandelt hat – ist selbst auch immer illegal. Die Nutzung von illegalen Streams über illegale Portale wie kino.to ist somit selbst illegal."

Experte stimmt der GVU teilweise zu

Auch Markus Gronau, Rechtsanwalt, Referat für Urheber- und Medienrecht bei der Kanzlei Praetoria Rechtsanwälte in Hamburg, hält die Nutzung von urheberrechtlich geschützten Werken aus dem Internet für nicht ungefährlich. Bei einer Nutzung von kino.to würde zwar keine dauerhafte Kopie eines Werks auf dem eigenen Rechner abgelegt, technisch bedingt aber zumindest vorübergehend Doppel erzeugt und in den Arbeitsspeicher geladen, sagte der Anwalt schon im vergangenen Jahr gegenüber onlinekosten.de. "Diese Kopien werden zwar beim Neustart des Rechners gelöscht, urheberrechtlich handelt es sich aber streng genommen um Vervielfältigungen", argumentiert Gronau. Der Rechtsexperte gibt aber wie die GVU auch zu bedenken, dass es derzeit noch an unmittelbar einschlägigen Gerichtsentscheidungen fehle.

(Hayo Lücke)

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