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Spotify umgarnt Künstler mit Charme-Offensive - nennt Zahlen zu Vergütungen

Spotify wehrt sich gegen Angriffe aus der Musikbranche, Künstler mit Mini-Vergütungen auszubeuten. Auf einer neuen Website erklärt der Dienst, wie viel sich im Einzelnen mit dem Streaming-Angebot verdienen lässt.

04.12.2013, 17:01 Uhr
Laptop© Micha Bednarek / Fotolia.com

Musik-Streaming-Dienste sind für die Nutzer in der Regel eine komfortable und günstige Sache. Einmal zahlen und umgehend Zugriff auf tausende Songs erhalten – das Geschäftsmodell hat seinen Reiz. Allerdings gilt dies nur bedingt für die Künstler. Zwar haben gerade unbekanntere Bands bei Spotify und Co. die Möglichkeit, schnell ein riesiges Publikum zu erreichen und ihren Bekanntheitsgrad zu steigern, von den Einnahmen der Anbieter bleibt bei den Interpreten jedoch nur wenig hängen. Diese klagen bereits seit längerem darüber, dass die pro abgespielten Stream gezahlte Vergütung viel zu gering sei.

Vorwurf der Ausbeutung kontern

Erst Anfang November erklärte etwa Ex-Talking-Heads-Frontmann David Byrne, Streaming beute die Künstler förmlich aus. Sollten diese irgendwann zum Großteil auf solche Einnahmen angewiesen sein, könnten sie nach spätestens einem Jahr ihren Job an den Nagel hängen, so Byrne. Die Anbieter selbst hüllten sich derweil gern in Schweigen und verweigerten detaillierte Auskünfte zu ihrem Zahlungsmodell.

Doch offenbar setzt in Teilen der Branche angesichts des härteren Konkurrenzkampfes langsam ein Umdenken ein. Zumindest Spotify, einer der weltweiten Marktführer im Streaming-Business, geht nun in die Offensive und übt sich in Transparenz. Mit der neuen Website spotifyartists.com gibt das Unternehmen einen Einblick in seine Geschäftspolitik, wehrt sich gegen Vorwürfe und gibt Künstlern Tipps, wie sie ihren Verdienst maximieren können.

Künstler erhalten ab 0,6 US-Cent pro Abruf

Dass dies kein leichtes Unterfangen ist, zeigen erste Zahlen zur Höhe der Vergütung, die Spotify für jeden abgerufenen Stream gewährt. So liegt die Summe nach Angaben des Dienstes bei mageren 0,6 bis 0,84 US-Cent. Allerdings ergäben sich unter dem Strich dennoch beachtliche Auszahlungen. Ein typisches "Nischen-Indie-Album" etwa habe im Referenz-Monat Juli rund 3.300 Dollar (2.400 Euro) eingebracht, so Spotify auf der Website, ohne weitere Details zu nennen. Ein bekanntes "Indie-Album" hingegen sei mit 76.000 Dollar rund (56.000 Euro) vergütet worden. Ein Top-10-Album habe 145.000 Dollar (107.000 Euro) abgeworfen und ein Album mit globalem Hit-Status sogar 425.000 Dollar (313.000 Euro).

Laut Spotify ist dies zudem nur eine Momentaufnahme: Basierend auf dem bisherigen Zulauf zahlender Nutzer würden sich die Summen in den nächsten Jahren noch vervielfachen. Aktuell liege die Nutzerbasis bei mehr als 24 Millionen, wobei 6 Millionen Hörer ein kostenpflichtiges Abo abgeschlossen hätten. In Deutschland ist die unbegrenzte und werbefreie Version von Spotify ab 5 Euro monatlich buchbar. Allein in diesem Jahr zahlte das Unternehmen den Angaben zufolge eine halbe Milliarde Dollar Vergütungen an Künstler aus. Generell würden 70 Prozent des Umsatzes dafür aufgewendet. Man biete den Künstler pro eine Million Abrufe zudem wesentlich mehr Geld als andere populäre Streaming-Dienste wie YouTube oder Pandora.

(Christian Wolf)

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