News

Spielehersteller EA sucht Rettung als Online-Dienst

Ein mieses Geschäftsjahr mit einem Milliardenverlust liegt hinter Electronic Arts. Künftig will EA vor allem durch Online-Dienste mit Zusatzfeatures für Spiele wie "Sims3" Geld verdienen.

05.06.2009, 16:23 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Die Spielemesse E3 in Los Angeles ist gerade zu Ende gegangen, die großen dort vertretenen Hersteller haben ihre Neuheiten angekündigt. Spielehersteller Electronic Arts (EA) befindet sich allerdings seit Monaten in eher unruhigem Fahrwasser. Das letzte Geschäftsjahr hatte Electronic Arts mit einem Milliardenverlust beendet. Der US-Konzern ist daher zum Wandel gezwungen.
Wandel zum Online-Dienst
Sparmaßnahmen und eine geringere Zahl an neuen Titeln haben zwar bereits erste Erfolge gezeigt, doch EA hat noch einen weiten Weg vor sich, um wieder den alten Glanz vergangener Zeiten zu erhalten. Das Geschäft soll nun vor allem durch eine Schwerpunktverlagerung auf das Internet umgekrempelt werden. Bei der Vorstellung der neuen Spieletitel in Los Angeles machte EA-Chef John Riccitiello laut einem Bericht der "Financial Times Deutschland" (FTD) deutlich, dass sein Konzern immer mehr zu einem Serviceanbieter wird. "Sims3 ist ein Dienst und kein Produkt", so Riccitiello in Hinsicht auf die Fortsetzung der erfolgreichen Spielereihe. Sims3, das am 4. Juni veröffentlicht wurde, muss zwar weiterhin auf CD gekauft werden. Doch das wahre Geschäft ergibt sich für EA dann durch die Online-Bereitstellung weiterer - kostenpflichtiger - Funktionen.
Internetplattform Nucleus soll Kunden an EA binden
Diese Strategie soll auch bei weiteren, neuen Titeln wie" The Beatles: Rock Band" oder dem Onlinerollenspiel "Star Wars: The Old Republic" angewandt werden. Per Internet sollen Spieler etwa neue Lieder kaufen können oder "Star Wars"-Abos. Onlinedienste hätten zahlreiche Vorteile im Vergleich zu verpackten Gütern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr machte EA bereits rund zehn Prozent seines Umsatzes mit Online-Spielen. Die neue Internetplattform Nucleus, die EA derzeit mit Hochdruck ausbaut, soll Kunden stärker an den Konzern binden. Spieler können dort Profile anlegen und ihre Spielerfolge speichern. Über Nucleus sollen auch virtuelle Güter gehandelt werden können. Laut EA hat Nucleus derzeit bereits 30 Millionen registrierte Nutzer.
EA tritt in Konkurrenz zu Microsoft und Sony
Electronic Arts tritt mit seiner Online-Strategie in direkte Konkurrenz zu Microsoft mit seiner Xbox Live und Sony mit seinem Playstation Network. "Wir werden künftig Lizenzen für Spiele verkaufen, wo immer die Kunden die Titel dann auch nutzen möchten", so Riccitiello. Es solle möglich werden, ein Spiel auf der Xbox zu beginnen, den Spielstand zu speichern und das Spiel dann auf einer Playstation 3 weiterzuspielen. Das der Wandel zum Internet-Dienst nicht von jetzt auf gleich erfolgen kann, ist dem EA-Chef klar: "Ein großes Unternehmen formt man nicht in drei oder vier Monaten."

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang