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"Spiegel": Telekom plant Datenklau-Gipfel

Um die Datenskandale in den Griff zu bekommen, plant die Telekom ein Treffen mit führenden Kommunikationsunternehmen. Doch die Probleme sind nach Informationen der "WirtschaftsWoche" zum Teil auch hausgemacht.

17.10.2009, 13:47 Uhr (Quelle: DPA)
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Im hart umkämpften Telefongeschäft hat sich nach Ansicht der Deutschen Telekom ein System mit kriminellem Strukturen etabliert. Das Bonner Unternehmen will die Probleme mit gestohlenen und vagabundierenden Kundendaten deshalb im Schulterschluss mit der gesamten Branche lösen. Das sagte der für Datenschutz zuständige Telekom-Vorstand Manfred Balz dem Hamburger Magazin "Der Spiegel". In Kürze wolle die Telekom die Chefs aller großen Kommunikationsunternehmen zu einem Gipfelgespräch einladen.
Telekom allein ist machtlos
Ein Branchenriese allein könne die "kriminogenen Strukturen" nicht knacken, sagte Balz. Es sei ein "gefährliches Provisionskarussell" entstanden, das zum Betrug geradezu einlade. In Tausenden selbstständigen Callcentern und bei deren Subunternehmern, die für die Branche auf Kundenfang gehen, seien die sensiblen Daten nur schwer zu kontrollieren.
Erst vor wenigen Tagen war bekanntgeworden, dass Hunderttausende Kundendaten der Telekom bei dubiosen Firmen bis in die Türkei in Umlauf waren. Nach ersten Hinweisen auf den Datenklau hatte der Konzern bereits im Januar Anzeige bei der Bonner Staatsanwaltschaft eingereicht. Im Juli hatten die Ermittler dann Wohnungen und Büros einer Bande durchsucht, die im Verdacht steht, einen schwunghaften Handel mit Kundendaten betrieben zu haben. Anschließend verschickte die Telekom Abmahnungen an drei ihrer Vertriebspartner.
WiWo: Telekom gibt Kundendaten für Werbekampagnen weiter
Teilweise sind die Datenpannen bei der Telekom aber auch hausgemacht. Bis heute werten nach Informationen der "WirtschaftsWoche" Vertriebspartner aktiv mit Daten über Kunden versorgt. Sie werden vor allem in Callcentern für Werbekampagnen genutzt um etwa auslaufende Verträge zu verlängern oder neue Angebote verkaufen zu können. Die dafür notwendigen Listen mit Kundendaten generiere der Konern individuell je nach Stoßrichtung der Aktion. Etwa wenn speziell Mobilfunk- oder Internet-Anschlüsse vermarktet werden sollen. Die Listen enthalten in der Regel Kundennamen, Telefonnummern und die Art des gebuchten Produkts. Solche Listen haben angeblich einen Umfang von 10.000 bis 100.000 Datensätzen. Dieses Vorgehen bezeichnen Mitarbeiter innerhalb der Telekom als "Fremdadressgeschäft".
Auf Nachfrage der WirtschaftsWoche gab die Telekom zu, sie lasse sich "bei Produkteinführungen oder -veränderungen von Vertriebspartnern unterstützen. Unsere Partner erhalten dafür teilweise Listen." Die Übergabe erfolge aber gesichert, und Bankverbindungen seien nicht in den Listen enthalten. Eine weitere Stellungnahme verweigerte der Konzern mit Verweis auf das laufende Ermittlungsverfahren.

(Hayo Lücke)

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