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"Spiegel": Deutsche Bahn will Kundendaten weitergeben - Bahn weist Bericht zurück

Nach Informationen des "Spiegel" hat die Deutsche Bahn vor, Fahrtdaten ihrer BahnCard-Kunden, die auch am bahn.bonus-Programm teilnehmen, für Werbezwecke zu nutzen. Die Deutsche Bahn weist den Bericht entschieden zurück.

17.03.2013, 14:31 Uhr
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Es gibt eine Vielzahl von Bonuspunkteprogrammen auf dem deutschen Markt, über die Kunden Punkte sammeln und gegen Prämien eintauschen können. Auch Fluggesellschaften und die Deutsche Bahn sind mit eigenen Angeboten für Vielnutzer vertreten. Zum Gutschreiben der Punkte werden Daten über die jeweilige Reise erhoben. Diese Informationen will die Bahn nach Angaben des "Spiegel" künftig für Werbezwecke nutzen. Die Deutsche Bahn weist den Bericht entschieden zurück.

Neue Vertragsbedingungen

Wie das Magazin berichtet, versendet die Bahn dazu derzeit neue Vertragsbedingungen an BahnCard-Kunden, die auch am bahn.bonus-Programm teilnehmen, um ihnen künftig Werbeangebote unterbreiten zu können. Sie sollen auf ihre "individuellen Bedürfnisse" zugeschnitten sein und von Partnerunternehmen wie Versicherungen, Fast-Food-Restaurants oder Banken stammen.

Blick auf die aktuellen AGB

Wer sich die zurzeit gültigen Bedingungen für Teilnehmer am bahn.bonus-Programm, gültig ab 9. Dezember 2012, durchliest, findet dort die Angabe, dass beim Sammeln von Punkten die folgenden personenbezogenen Reisedaten erhoben und genutzt werden: Preis und Verkaufsstelle der Fahrkarte, Kaufdatum, Gültigkeitsdatum, Abfahrs- und Zielbahnhof sowie die Wagenklasse. Zur Themaktik der Weitergabe solcher Daten heißt es in den Bedingungen lediglich: "Es werden keine Daten an unberechtigte Dritte übermittelt." Daran schließt sich im Dokument eine Anlage über "mögliche Kooperationspartner" an, deren Kunden für einen bestimmten Zeitraum mit am bahn.bonus-Programm teilnehmen könnten. Dort werden neben den zuvor erwähnten Branchen beispielsweise auch Hotelketten und Einzelhändler oder Autovermietungen genannt. Davon, dass Bahn-Kunden Werbung erhalten sollen, ist in den aktuellen Bedingungen nicht die Rede.

Bahn weist Berichterstattung zurück

Dass künftig Kundendaten an Dritte weitergegeben werden sollen, wies die Deutsche Bahn am Sonntag per Pressemitteilung zurück. "Die Behauptung entbehrt jeglicher Grundlage. Die DB gibt bislang keinerlei Kundendaten zu Marketingzwecken an Dritte weiter und plant dies auch künftig nicht. Das Kundenbindungsprogramm bahn.bonus entspricht in jeglicher Hinsicht dem Bundesdatenschutzgesetz und bietet sogar mehr Transparenz für den Kunden", kommentiert die Bahn den "Spiegel"-Artikel. Die Programme zur BahnCard und zu bahn.bonus würden getrennt, so dass nun zwei Verträge abgeschlossen werden müssten. Kundendaten werden laut Bahn für Marketingzwecke genutzt, aber weder an Kooperationspartner noch an Dritte weitergegeben. Die Bahn wolle ihren Kunden künftig bessere und auf sie zugeschnittene "bahnspezifische Angebote" unterbreiten, sie könnten aber weiterhin der Zusendung von Werbung widersprechen und trotzdem weiter am Bonusprogramm teilnehmen.

Laut "Spiegel" wird der Vorgang zurzeit durch den Berliner Datenschutzbeauftragten Alexander Dix untersucht. "Hier scheint die Bahn ihre Interessen über die schutzwürdigen Interessen ihrer Kunden zu stellen", sagte Dix dem Magazin.

(Saskia Brintrup)

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