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Speedtests: Wie schnell ist mein Internet?

100 Megabit pro Sekunde verspricht der Internet-Provider dem Kunden, doch nicht immer lässt sich die beworbene Bandbreite erreichen. Die eigene Surfgeschwindigkeit lässt sich per Speedtests im Internet prüfen. Einige Spielregeln sind zu beachten, wir geben einen Überblick.

28.01.2015, 18:17 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Schnelles Internet mit DSL 16.000 oder gar VDSL mit Vectoring oder Kabel-Internet, aber dennoch geht es beim Surfen kaum voran? Viele kennen das: Da sitzt man ungeduldig vor dem Rechner und wartet auf den Download des spannenden Films, das Streaming aus der Mediathek oder einfach auf den Aufbau einer komplexen Webseite - aber die Daten schleppen sich durch die Leitung, gefühlt wie zu Zeiten des World Wide Waitings in den 90er Jahren. Und das, obwohl man vielleicht gerade zum Premiumpaket gewechselt hat, auch wenn es im Budget schmerzt. Hauptsache, surfen macht Spaß. Und trotzdem heißt es warten, warten, warten....Geht das denn mit rechten Dingen zu?

"Bis zu": Provider-Angaben sind oft schwammig

Nicht immer - das haben zwei Studien der Bundesnetzagentur aus dem Jahre 2012 und 2013 ergeben. Ergebnis: 2013 wurden im Vergleich zu den anderen Technologien die besten Datenraten für Kabelanschlüsse gemessen. 86,7 Prozent der Kabelkunden erreichten demnach immerhin die Hälfte der vermarkteten Datenübertragungsrate - aus dem Vollen schöpften 50,7 Prozent.

Die geringsten Verbesserungen wurden bei LTE-Anschlüssen festgestellt: Der Anteil der Nutzer, welche die volle vermarktete Datenübertragungsrate erreichten, sank sogar um mehr als 6 Prozentpunkte von 20,9 Prozent auf 14,5 Prozent zwischen 2012 und 2013. Bei DSL-Anschlüssen verbesserte sich der Anteil der Teilnehmer, die mindestens die Hälfte der versprochenen Leistung erhielten, auf 76,2 Prozent im Vergleich zu 68,2 Prozent im Jahre 2012. Allerdings: die volle Leistung erreichten nur 9,0 Prozent - also weniger als im Vorjahr. Entsprechende Vergleichswerte für 2014 liegen aktuell nicht vor, so die Behörde auf Redaktionsanfrage.

In vielen Telekommunikationsverträgen werden keine festen Datenübertragungsraten garantiert, sondern nur Geschwindigkeiten "bis zu" einer bestimmten Grenze. Dabei bleibt oft unklar, wie stark die tatsächlich erreichbare Datenübertragungsrate von der maximal in Aussicht gestellten abweichen kann.

Bei WLAN Signalstärke beachten

Wer seinem Provider auf den Zahn fühlen möchte, kann dies mit diversen Hilfsmitteln tun - die Ergebnisse können jedoch nur als Richtwerte gelten, da viele Faktoren das Internet-Tempo beeinflussen und das Testergebnis verfälschen können. Unter anderem lassen sich im Netz auf diversen Webseiten Speedtests online durchführen. Damit können sich Nutzer einen Überblick ihre aktuell verfügbare Internetbandbreite verschaffen - egal ob sie LTE, DSL, VDSL oder Kabel als Internetverbindung nutzen.

Gemessen wird in der Regel die Down- und Upload-Geschwindigkeit, oft wird die Angabe des Providers und der gewählten Daten-Option erwartet. Auch der "Ping-Wert" wird häufig ausgegeben. Das ist die Reaktionszeit des Servers: Gemessen wird der Zeitraum zwischen Anfrage und Antwortpaket. Ein niedriger Ping-Wert spielt bei Online-Spielen und Videotelefonie eine wichtige Rolle.

Der Test dauert wenige Minuten und ist mit einigen Klicks erledigt. Anschließend können die Nutzer vergleichen, welche Transferraten möglich wären, um sich ein Bild zu machen, ob der "Ist"-Status dem "Soll" entspricht.

Einige Regeln für korrekte Speedtests beachten

Generell gilt: Viele Speedtest-Seiten erfordern die Installation von Oracles Java in aktueller Version und die Nutzer müssen bereit sein, einige Daten von sich preiszugeben. Ausgelesen werden Informationen wie das verwendete Betriebssystem, die IP-Adresse, der Provider, teilweise auch die Bildschirm-Auflösung des Tablets, Rechners oder Smartphones.

Um ein möglichst objektives Bild zu erhalten, sollten die Speed-Tester einige Spielregeln beachten. Zum einen kann es sinnvoll sein, den Test mehrfach zu wiederholen, auch an unterschiedlichen Tagen und zu verschiedenen Uhrzeiten - denn die Leistung hängt nicht nur vom Provider ab, sondern auch davon wie viele Nutzer gerade in der Leitung unterwegs sind.

Natürlich sollten während des Tests keine weiteren Daten übertragen werden, die für ein langsameres Ergebnis sorgen. So sollten die Nutzer sicherstellen, dass in einem Heimnetzwerk kein anderer Nutzer "on" ist und womöglich gerade große Datenpakete von einem Server herunterlädt, etwa via Filesharing. Aber auch Programme wie Webradios, VoIP-Telefone, E-Mail Programme und Messenger können das Ergebnis verfälschen. Und schließlich kann auch der Proxy-Server die Leitung künstlich ausbremsen.

WLAN-Nutzer sollten auf hervorragende Signalstärke achten oder sich für den Test direkt per Ethernetkabel mit dem Router verbinden. Auch ältere Netzwerkkarten und Modems können das Ergebnis verfälschen sowie die Firewall und der Virus-Scanner. Wer der Testseite vertraut, sollte erwägen, diese für den Test auszuschalten - und hinterher zügig wieder zu aktivieren.

Speedtests auch direkt auf den Seiten der Provider

Auch die Provider selbst bieten Speedtest-Seiten an: So ist die Deutsche Telekom mit dem Speedtest T-Online vertreten, auch Vodafone bietet eine Tempocheck-Seite unter speedcheck.vodafone.de an, desgleichen der Anbieter o2 mit seiner Testseite zur internet-Geschwindigkeit und Kabel Deutschland. Ob diese Seiten objektiv sind, bleibt letztlich wohl Vertrauenssache.

Unsere Redaktion hat mehrere im Web verfügbare Speed-Tests und ein Freeware-Tool einem Schnell-Check unterzogen und die Ergebnisse tabellarisch zusammengefasst. Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Alle Webseiten können kostenlos benutzt werden und sind leicht zu bedienen. Unterschiedlich sind die erforderlichen Angaben - häufig können Nutzer bei (kostenloser) Registrierung weitere Optionen nutzen. 


Beachten Sie auch die weiteren Teile unserer Vectoring-Serie:
Teil 1: Der lange Weg zur Einführung von VDSL 100 in Deutschland
Teil 2: Die Technik hinter den schnellen VDSL2-Anschlüssen
Teil 3: Speedtests: Wie schnell ist mein Internet?
Teil 4: Tarife mit VDSL 100 im Überblick
Teil 5: Nur 93 Mbit/s an allen VDSL100-Anschlüssen - Bug oder Feature?
Teil 6: VDSL100: Telekom wird Fehlerkorrektur G.INP abschalten

(Dorothee Monreal)

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