Security

Spam-Bedrohung entwickelt sich lawinenartig

Auch ein Gates ist nicht unfehlbar – das stellten Experten auf dem 5. Antispam-Kongress bei einem Blick auf die aktuelle Entwicklung der international rollenden Spam-Lawine fest.

06.09.2007, 16:02 Uhr
Internet© Daniel Fleck / Fotolia.com

Im Jahr 2004 ließ sich Bill Gates zu der Aussage hinreißen, dass "Spam innerhalb der nächsten zwei Jahre kein Problem mehr darstellt." Die Branchenakteure, die jetzt zum 5. Antispam-Kongress in Köln zusammenkamen, hatten jedoch Zahlen vorzulegen, die ihn dabei rückblickend wohl eines Besseren belehren würden. Experten zufolge wuchs die Spam-Lawine von 2005 bis heute durchschnittlich um insgesamt rund 300 bis 350 Prozent. Börsennotierte Unternehmen in Deutschland berichten sogar von einer Verfünffachung der unerwünschten E-Mails seit Ende 2004. "Wir sprechen hier von rund 2,2 Millionen Spam-Mails an einem einzigen Tag", so Robert Rothe, Gründer und Geschäftsführer der eleven GmbH auf der Veranstaltung des eco Verbands am Mittwoch.
Immer subtilere Methoden
Das Problem: Durch immer subtilere Methoden wird die Nachverfolgung der lästigen Mail-Quälgeister erschwert. Ein großes Problem sehen die Branchenexperten vor allem in den so genannten Bot-Netzen. Diese Netzwerke bestehen aus Computern, die mit Würmern oder Trojanischen Pferden infiziert sind und so fremd gesteuert werden können, ohne dass der Nutzer etwas davon merkt. Bot-Netze erreichen mittlerweile Größen von mehreren tausend Rechnern und sind damit hervorragend für den Spam-Versand geeignet. Durch ständig wechselnde IP-Adressen lässt sich kaum nachvollziehen, wer der Urheber einer Spamwelle ist. Bei einer Untersuchung durch die internationale Non-Profit-Organisation Spamhaus Project sind allein am 24. Juni 882.565 neue infizierte Rechner – so genannte Zombies – entdeckt worden.
Auch die Geschwindigkeit der Verbreitung macht Sorgen: "Zwischen der Infektion eines PCs und dem Versand der ersten Spam-Mail liegen gerade einmal 36 Sekunden", sagt Richard Cox, CIO bei Spamhaus. Darüber hinaus werden derzeit PDF- und ZIP-Dateien als "Container" für Bild-, Text- oder Excel-Dokumente verwendet, in denen sich Spam-Nachrichten verbergen. Auch werden kleinere Nachrichten von rund zehn Kilobyte versandt, dafür aber in größeren Mengen als früher.
Aufruf zur Selbsthilfe
Beim Kampf gegen die exorbitant wachsende Spamflut zählen Unternehmen heute auf Selbsthilfe, auf Schützenhilfe durch Politik und Gesetzgebung zählt die Wirtschaft nicht mehr, so das Ergebnis des diesjährigen Antispam-Kongresses. Ein Beispiel für diese Selbstregulierungs-Maßnahmen ist die Initiative Spotspam, die in Köln mit einem finalen Prototyp vorgestellt wurde. Dabei handelt es sich um eine Anti-Spam-Datenbank, die noch in diesem Herbst online gehen soll und dann Beschwerden von Verbrauchern und Providern aus ganz Europa über so genannte "Nationale Spamboxes" sammelt. Die Informationen werden zentral unter spotspam.net hinterlegt. Auf Antrag können Internet-Serviceprovider, Unternehmen und Strafverfolgungsbehörden auf die Daten zugreifen.
Darüber hinaus hat sich das Spamhaus Project zum Ziel gemacht, infizierte Rechner im Netz aufzuspüren und Listen zur Blockade dieser Zombies zu erstellen.

(Aleksandra Leon)

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