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Sony BMG will im Online-Musikgeschäft mitmischen

Das zweitgrößte Musiklabel der Welt, Sony BMG, hat ambitionierte Zukunftspläne in der Schublade. Das Musikverlagsgeschäft soll neu belebt und eine Musik-Plattform im Internet zum Aufbau eines neuen Vertriebssystems genutzt werden.

14.05.2007, 16:57 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Die Steigerung der Umsatzzahlen ist für nahezu jedes Unternehmen der zentrale Punkt. Das Plattenlabel Sony BMG hat dafür gleich mehrere Pläne in der Schublade. So soll das vor drei Jahren aufgegebene Musikverlagsgeschäft wiederbelebt werden. Der zweitgrößte Medienkonzern in der Welt bereitet auch den Start einer neuen Download-Plattform für Musik vor und will sich damit ein neues Standbein aufbauen. Das meldet die "Financial Times Deutschland" in ihrer heutigen Ausgabe.
Rückkehr zum Verlagsgeschäft
Bereits bis zur Fusion mit BMG vor drei Jahren war Sony im Musikverlagsgeschäft mit einem eigenen Verlag aktiv, hatte sich aber wegen drohender Auflagen des Bundeskartellamtes von dem lukrativen Geschäftsfeld getrennt. Sony BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz gibt sich kämpferisch: "Wir werden alles tun, um in das Verlagsgeschäft zurückzukommen." Ein Neustart dürfte mit Blick auf den zu erwartenden geringen Marktanteil kaum kartellrechtliche Bedenken mit sich bringen. Der Verlag BMG Music Publishing war vor wenigen Monaten von der Muttergesellschaft Bertelsmann an Universal Music verkauft worden. Hauptaufgabe von Musikverlagen ist die Vermittlung und Lizenzierung von Musik, beispielsweise für Filme und TV-Werbespots. Die Wahrung der Urheberrechte von Komponisten gehört ebenfalls zum Aufgabenspektrum der Musikverklage.
Für klingelnde Kassen kann sich Schmidt-Holtz aber auch Zukäufe und Investionen in neue Projekte vorstellen. So soll der Musikmarkt bei rückläufigen Verkaufszahlen von CDs und MCs durch eine neue Internetplattform angekurbelt und damit den stark gewandelten Geschäftsmodellen in der Musikindustrie Rechnung getragen werden. Diese soll auch für Mitbewerber offen stehen. Die fehlende Interoperabilität von Geräten und Web-Musikdiensten soll mit der neuen Plattform aus der Welt geschafft werden. Derzeit kann man beispielsweise Lieder aus dem iTunes-Musikshop nur mit Tricks auf MP3-Playern von Sony oder Samsung anhören. Grund ist der Einsatz des digitalen Rechtesystems Digital Rights Management (DRM). Der Musikkonzern EMI hat sich daher von DRM getrennt, für Sony BMG kommt dieser Schritt nach Worten von Schmidt-Holtz aber derzeit nicht in Frage.
Digitaler Vertrieb macht Gewinn
Völlig offen ist jedoch, ob die Verluste komplett mit legalen Download-Plattformen ausgeglichen werden können. Immerhin erwirtschaftete Sony BMG nach eigenen Angaben im ersten Quartal des Jahres 30,7 Prozent des Umsatzes über die neuen digitalen Vertriebskanäle. Der zunehmende Verkauf von Musik über das Internet und Handys sowie illegale Downloads machen der arg gebeutelten Musikindustrie seit einigen Jahren schwer zu schaffen.
Neue CD-Formate für neue Künstler
Den CD-Absatz von Nachwuchskünstlern will Sony BMG durch neue CD-Formate beleben. Schmidt-Holtz schlägt vor, ein Album mit etwa sechs Titel für fünf bis sechs US-Dollar auf den Markt zu bringen. Im Gegenzug zur Beteiligung an Werbe- und Konzerteinnahmen des Künstlers will sich Sony BMG auf die Suche nach neuen Werbepartnern machen. In Lateinamerika ist dieses Konzept erfolgreich eingeführt worden. Der Umsatz in diesem Bereich liegt bei rund 20 Prozent, eine Ausweitung auf andere Kontinente ist nach Worten von Schmidt-Holtz eine Erfolg versprechende Option.

(Stefan Hagedorn)

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