ANGA COM

Smart Home: Wie lässt sich mit der Vernetzung Geld verdienen?

Smart Home kann Anbietern zusätzliche Erlöse bringen: Per Geräteverkauf, als Abo-Modell für Dienste oder als lukratives Geschäft der Netzbetreiber mit der Wohnungswirtschaft: Auf der Messe ANGA COM zeigten unter anderem AVM, Unitymedia, und die Telekom, wie sich das Smart Home monetarisieren lässt.

ANGA COM 2019 Smart Home Panel© i12 GmbH

Köln - Die Bedeutung von Smart Home nimmt zu: In immer mehr Haushalten finden sich Sensoren und Geräte zur Steuerung der Heizung und Beleuchtung, zur Kontrolle von Rauchmeldern oder zur Sicherheit von Fenstern und Türen. Für Kunden bedeutet dies einen Mehrwert an Komfort, Sicherheit und Service. Auf der Breitbandmesse ANGA COM erläuterten verschiedene Anbieter, welche Geschäftsmodelle sie für Smart Home nutzen.

Plume bietet Abo-Dienst für optimales Smart Home an

Geräte für Smart Home werden einzeln oder im Set oder entsprechende Dienste auch als Abo vermarktet. Die US-FIrma Plume beispielsweise bietet per Abo ein Heimnetz Triple Play an. Geboten werde bestmögliches WLAN, Kinderschutz und Gastzugang sowie Security auf Basis künstlicher Intelligenz. Bei letzterem würden Geräte im Haushalt, die von einem normalem Muster abweichen, isoliert. Der Dienst sei cloud-basiert, auch die Analyse der Daten erfolge in der Cloud. Das Heimnetz werde minütlich optimiert. In Deutschland werden die Produkte noch nicht angeboten. In Großbritannien zahlen Kunden im Direktvertrieb 99 Pfund pro Jahr, ein Starterkit mit WLAN-Pods für die Steckdose koste um die 200 Pfund. Der Vertrieb erfolge jedoch auch über TK-Anbieter. Dort gebe es das Abo für 5 bis 8 Euro pro Monat, für die Hardware falle keine Einmalgebühr an.

AVM setzt auf Kaufgeräte und lange Update-Garantie

Der Berliner Hersteller AVM geht bei Smart Home einen anderen Weg. Schon vor Jahrzehnten habe sich das Unternehmen gegen ein Abo-Modell entschieden. Man wolle sich auf den Verkauf der Geräte konzentrieren,. Diese sind zwar nicht die billigsten auf dem Markt, dafür gebe das Unternehmen eine mehrjährige Update-Garantie und liefere stetig neue Funktionen. Die Optimierung des WLAN-Netzes erfordere immer mehr Aufmerksamkeit. AVM bietet per Fritz!OS eine Heimnetzübersicht, die grafisch die vernetzten Geräte anzeige. Auf der diesjährigen IFA werde man weitere Smart Home Geräte vorstellen, jedoch kein Komplettsystem. Die smarte Steckdose sei weiterhin einer der Verkaufsschlager von AVM. Wichtig sei, dass es eine Standardisierung für Smart Home geben müsse. Diese müsse festlegen, wie Sensoren, Gateways & Co. miteinander reden. Es gebe bislang vielfach Insellösungen.

Start-Up 320EAST: Privatsphäre ist wichtig bei Smart Home

Das Startup 320EAST bietet das System "Home OK" für Endanwender an. Mittels Sensoren werde beispielsweise überprüft, ob Fenster und Türen geschlossen sind. Eine App zeige dann ein grünes oder rotes Haus an. In Japan gebe es ein Angebot, in dem erwachsene Kinder etwa das Wohl ihrer alten Eltern überprüfen könnten. Dabei werde gecheckt, ob sich Personen seit Stunden nicht mehr im Haus bewegen. Der Schutz der Privatsphäre sei wichtig: Die Daten würden lokal analysiert und verlassen das Haus nicht. Die Cloud lasse sich zudem abschalten.

Netzbetreiber setzen bei Smart Home auf die Wohnungswirtschaft

Für Netzbetreiber wie die Deutsche Telekom, Unitymedia und Tele Columbus sei die Vermarktung von Smart Home an die Wohnungswirtschaft ein wichtiges Zukunftsgeschäft. In Deutschland gebe es rund 10 Millionen Wohnungseinheiten. Unitymedia will bis Ende des Jahres Verträge mit der Wohnungswirtschaft für 100.000 bis 200.000 Wohnungen abgeschlossen haben. Seit einem Jahr bietet der Kabelnetzbetreiber eine Plattform an, die beim Digitalisieren von Prozessen helfe. Unitymedia wolle die Infrastruktur liefern, andere könnten Sensoren und Datenbanken entwickeln. In das Smart Home einbinden ließen sich etwa Rauchmelder, Heizungsableser, Fahrstuhlsteuerung, Schimmelsensoren und mehr.

Laut der Telekom sei etwa die Installation von Telemetrie-Einheiten im Keller denkbar. Auch die Steuerung intelligenter Klingelschilder sei möglich. Der Bonner Konzern wolle der Wohnungswirtschaft bei der Digitalisierung helfen. In jedem Raum könne etwa ein QR-Code für Reinigungskräfte platziert werden, über den sich Details abrufen ließen, was an dem Tag zu reinigen ist. Auch die Gewährung von Zugang zu einem Haus werde über Smart Home ermöglicht. Anzeigen lasse sich auch die Zahl der noch freien Plätze in der Tiefgarage. Es gebe etliche fertige Lösungen, die die Telekom weiter verbessern und für die Wohnungswirtschaft anpassen könne. So seien etwa auch digitale Haustafeln verfügbar, die in einem nächsten Schritt um eine App oder Internet-Oberfläche ergänzt werden könnten.

Auch Tele Columbus nannte auf der ANGA COM konkrete Anwendungsfälle für Smart Home. So gebe es für die Wohnungswirtschaft selbst entwickelte Smart Info Screens, digitale Infotafeln am Hauseingang zur Information der Mieter. 2.000 solcher Bildschirme seien bereits aufgehängt worden. Vom Büro aus lasse sich steuern, was auf den Infotafeln angezeigt werde. Der Bildschirm sei zudem interaktiv. Laut Tele Columbus soll man in Zukunft darüber auch Services wie einen Hausmeisterdienst buchen können.

Jörg Schamberg

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