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Skype lehrt Komiker

Mit dem Internet-Telefonsystem Skype bringt Lily Huang einem Londoner Berufskomiker die komplizierten Silbenbetonungen des Mandarin bei - und das zu einem günstigen Preis.

08.04.2007, 11:12 Uhr
Sky © Sky Deutschland

Tommy Campbell und Lily Huang sehen sich jede Woche für drei Stunden Chinesisch-Unterricht - dabei wohnt der eine in London und die andere im äußersten Süden Chinas. Mit dem Internet-Telefonsystem Skype, das kostenlose Kommunikation per Webcam ermöglicht, bringt Lily Huang dem Londoner Berufskomiker die komplizierten Silbenbetonungen des Mandarin bei - und das zu einem günstigen Preis. Skype wurde 2003 von zwei skandinavischen Unternehmen entwickelt, zwei Jahre später für 4,1 Milliarde Dollar an eBay verkauft und hat heute 171 Millionen Abonnenten - ein Drittel davon in Asien.
Zuhause lernen
Lily Huang ist Englischlehrerin in Haikou, der Hauptstadt der südlichen Insel Hainan. Vor einem Jahr wurde die 34-Jährige von ihrem Mann auf die Idee gebracht, ihre Fertigkeiten über Skype global zu Markte zu tragen. Heute hat sie Schüler in den USA, Neuseeland und Malaysia. "Meine Schüler sind vielbeschäftigte Leute, sie haben keine Zeit, einen Kurs zu besuchen. Sie wollen lieber zu Hause in entspannter Atmosphäre lernen", sagt Lily, die ihr Auskommen hat und sich dabei um ihren sechsjährigen Sohn kümmern kann.
Bei einer privaten Skype-Stunde kommen die Schüler Huang zufolge nicht nur viel öfter zu Wort als im Gruppenunterricht - sie zahlen auch nur einen Bruchteil dessen, was ein Mandarinlehrer in ihrem Heimatland kosten würde. Tommy Campbell müsste in Großbritannien über 100 Euro pro Stunde bezahlen - bei Lily Huang kommt er mit rund 15 Euro davon. Gezahlt wird per PayPal, der Online-Zahlungsmethode. Gefunden hat Campbell seine Lehrerin über Google.
Der 28-jährige Komiker findet die Mandarin-Stunden nicht nur kostengünstig. Er ist auch überzeugt, dass die Arbeit zu Hause Erfolg versprechender ist. "Zum Lernen braucht man doch viel Selbstvertrauen, und die sichere Atmosphäre zu Hause macht das Ganze viel einfacher", berichtet der Mann, der Auftritte in der ganzen Welt hat. Er wolle Chinesisch lernen, um sich einer neuen Herausforderung zu stellen. Die anderen Schüler Huangs sind Geschäftsleute, die in China arbeiten, oder chinesische Auswanderer der zweiten Generation, die mit ihren daheim gebliebenen Verwandten in Kontakt treten wollen.
Technische Anforderungen
Rund 20 Stunden arbeitet Huang mittlerweile pro Woche, die Vorbereitung des Unterrichts eingerechnet. Am Vortag übermittelt sie ihren Schülern neues Unterrichtsmaterial - inklusive MP3-Dateien für die korrekte Aussprache. Einziger Nachteil des Systems ist die technische Abhängigkeit vom Internet. Ein schweres Erdbeben in Taiwan im Dezember schwächte die Verbindungen nach China vier Wochen lang. Skype braucht aber eine exzellente Verbindung, um saubere Bilder und Töne zu übertragen. Das macht der Chinesin Sorgen: "Wenn das Internet ausfällt, können wir gar nichts machen. Nach dem Taiwan-Erdbeben wäre ich fast verrückt geworden."

(Hayo Lücke)

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