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Sipgate one: Gratisrufnummer für Handy und Festnetz wird Ende Juli eingestellt

Der Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate hat seine Kunden über das anstehende Aus seines Produktes "sipgate one" informiert. Sipgate macht einen Boykott durch Wettbewerber und mangelnde Unterstützung seitens der Bundesnetzagentur für das Scheitern verantwortlich.

14.05.2013, 08:01 Uhr
SMS© TristanBM / Fotolia.com

Vor zwei Jahren startete der Düsseldorfer VoIP-Anbieter sipgate ein neues Produkt: Sipgate one bietet eine einheitliche Gratis-Rufnummer für Handy und Festnetz. Eine SIM-Karte ist dazu nicht erforderlich. Doch der Durchbruch für das neue Angebot sollte ausbleiben, "sipgate one" konnte nie richtig Fahrt aufnehmen. Das Unternehmen stellt das Produkt nun zum 31. Juli dieses Jahres ein, die Kunden wurden bereits per E-Mail über das Aus informiert.

Wettbewerb boykottierte "sipgate one"

Die Begründung für die Einstellung von "sipgate one" hat es allerdings in sich. Sipgate macht "externe Einflüsse" dafür verantwortlich. Konkret hätte der Wettbewerb das Produkt "schlicht boykottiert". Sipgate verwendete 01570-Rufnummern von der mittlerweile insolventen Telogic. Mobilfunkanbieter hätten Anrufe und SMS an diese Nummern nur unzuverlässig weitergeleitet.

Beim Aufbau eines virtuellen Mobilfunknetzes für Produkte wie "simquadrat" und "sipgate team" sahen sich die Düsseldorfer zudem nach eigenen Angaben von Marktteilnehmern "massiv behindert". Erst nach 27 Monaten seien beispielsweise die Mobilfunknummern des virtuellen Mobilfunknetzes von sipgate aus dem Telekom-Mobilfunknetz erreichbar gewesen.

sipgate: Bundesnetzagentur wollte "sipgate one" verhindern

Mangelnde Unterstützung beklagt sipgate auch mit Blick auf die Bundesnetzagentur, die sich "große Mühe" gegeben habe, "ein solches Produkt zu verhindern". Über Jahre sei mit der Regulierungsbehörde über eine direkte Zuteilung von Mobilfunkrufnummern diskutiert worden, sipgate legte sogar eine Klage gegen die Bonner Behörde ein. Ein solcher "jahrelanger Eiertanz" würde nun nach Einschätzung des Unternehmens wahrscheinlich auch Google von der Einführung von "Google Voice" in Deutschland abhalten.

Schwerwiegender wiegt jedoch laut sipgate die Position der Netzagentur, dass Anbieter von Produkten wie "sipgate one" keinen Anspruch auf die Zahlung von Mobilfunkentgelten erhalten sollten. Solche Entgelte zahlen die Telefonabieter einem Wettbewerber für die Weiterleitung von Gesprächen zu bestimmten Rufnummern. Sipgate hätte also bei "sipgate one" keine Mobilfunkentgelte für eingehende Gespräche erhalten, aber für die Weiterleitung zu einem anderen Anbieter zahlen müssen. "Da das Entgeltniveau in Deutschland auch noch erheblich über dem in anderen westeuropäischen Ländern liegt, ist es faktisch leider nicht möglich, ein Produkt wie "sipgate one" kostenfrei anzubieten", so die Erläuterung von sipgate.

Wer "sipgate one" bereits nutzt, sollte alle noch benötigten Daten wie Rufnummern aus dem Telefonbuch bis zum 31. Juli 2013 sichern. Ist kein "sipgate one"-Guthaben vorhanden, wird der Account Ende Juli automatisch und vollständig gelöscht. Für die Rückerstattung von noch vorhandenem Guthaben sollen sich Kunden unter one@support.sipgate.de an die Kundenbetreuung wenden.

(Jörg Schamberg)

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  • ?! Zuletzt kommentiert von Mr. Nice am 14.05.2013 um 15:29 Uhr
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