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sipgate erntet Kritik der e164.org-Betreiber

Die ITUA zeigt sich besorgt wegen der Sperrung kostenloser Anrufe aus fremden VoIP-Netzen durch sipgate. Sie sehen darin eine Gefährdung der neuen Technik.

11.08.2006, 16:16 Uhr
Paar mit Laptop© Syda Productions / Fotolia.com

Der größte Vorteil von VoIP sind die Einsparungen durch kostenlose Telefonate. Genau hier schränkt jedoch sipgate jetzt seinen Service ein, wie onlinekosten.de berichtete. Die Düsseldorfer sperren ab sofort anonyme Anrufe auf der so genannten SIP-URI (Uniform Resource Identifier), der Benutzerkennung eines VoIP-Teilnehmers. So können Nutzer der Internet-Telefonie, die nicht bei sipgate oder einem der Partnernetze Kunden sind, die VoIP-Gemeinde der Düsseldorfer nur noch über die Festnetznummer (Orts- oder 01801-nummer) erreichen und die ist selbstverständlich kostenpflichtig. Die Internet Telephony User's Association (ITUA), ihres Zeichens Betreiber des e164.org ENUM-Registers, kritisiert diesen Schritt des VoIP-Providers massiv.
Zersplitterung des Netzes
"Wir sind generell besorgt über die Bemühungen der Unternehmen, externe Zugriffe zu unterbinden und den Zugang der Kunden zu den Vorteilen einer neuen Technik einzuschränken, von kosteneffektiven Lösungen für die Kommunikation zu profitieren", sagt Duane Groth von der ITUA. Man fürchte, dass solche Maßnahmen die Internet-Telefonie um zehn Jahre zurückwerfen und für zersplitterte Netze sorgen könnten. Schließlich ist sipgate keine Ausnahme, beispielsweise sind auch Skype-Nutzer nicht für andere VoIP-Kunden kostenlos erreichbar. Netze, die nicht miteinander kommunizieren können, findet man auch bei den Instant Messengern: Benutzer von MSN, AOL, Yahoo! oder ICQ sind oft dazu gezwungen, mehrere Accounts zu unterhalten, um mit allen gewünschten Kontakten in Verbindung treten zu können.
SPIT-Gefahr kein Argument
Was eine solche Netzzersplitterung bedeutet, verdeutlicht die ITUA am Beispiel der E-Mail Anwendung. Die Nutzer wären dann wie auf kleinen Inseln eingesperrt und könnten nicht länger mit Kunden in anderen Netzwerken kommunizieren, mit denen sie nicht direkt verbunden sind. "Stattdessen müssten wir Porto dafür zahlen, dass wir unsere Nachrichten ausdrucken und per Post oder Fax versenden", erklärt die ITUA. Die Organisation setze sich dafür ein, die Kommunikation im Internet über Standards zu vereinfachen. Schließlich ermögliche die Verwendung von Internet-Standards den Providern, in einer gesunden Wettbewerbssituation ihre Services anzubieten, ohne die monopolistischen Praktiken, wie sie aus dem Telefonnetz bekannt seien.
Das Argument der Sicherheit vor SPIT-Angriffen weist die ITUA zurück. Man sei gerade dabei, eine task force gegen den VoIP-SPAM zu gründen, um dem wachsenden Problem an mehreren Fronten zu begegnen, eingeschlossen Diskussionen mit Unternehmen für eine Selbstregulierung. Außerdem gäbe es bereits jetzt Sicherheitsmaßnahmen, die sofort ergriffen werden könnten, wie das Verschlüsselungsprotokoll SIP-TLS (Transport Layer Security) oder die Integrierung von zertifizierten Identitäten, die von Zertifizierungsstellen wie CAcer.org vergeben werden.

(Aleksandra Leon)

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