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Silicon Valley Deutschlands wächst dank AMD

Update: Im Rahmen einer feierlichen Eröffnung hat Chip-Riese AMD sein neues Werk in Dresden in Betrieb genommen.

15.10.2005, 12:05 Uhr
Internet© rajareddy / Fotolia.com

Nicht weniger als 18 Kräne stehen auf der Baustelle im Norden von Dresden. Sie errichten, was die Gegend endgültig zum größten Mikroelektronik-Standort in Europa machen dürfte. Der US-Chiphersteller AMD - Nummer zwei hinter dem Marktführer Intel - baut sein weltweit modernstes Werk.
Richtfest am Montag
Gut 1.000 Menschen sollen dort ab 2006 arbeiten, weitere 1.300 Arbeitsplätze bei Zulieferern entstehen. Das sächsische Silicon Valley mit seinen heute schon rund 20.000 Beschäftigten ist eine der größten ostdeutschen Erfolgsgeschichten. Auch Bundeskanzler Gerhard Schröder wird sich das Richtfest des AMD-Werks am kommenden Montag deshalb nicht entgehen lassen.
Am Nachmittag will der Kanzler seine Rede halten vor der neuen "Fab", wie die Branche ihre Werke nennt. Rund 2,4 Milliarden Euro steckt AMD in die Fabrik, das ist eine der größten Einzelinvestitionen in den neuen Bundesländern überhaupt. Mithalten können hier nur noch die Chemie- und Erdölgiganten Dow Chemical und Total mit ihren Standorten in Sachsen-Anhalt.
Silicon Saxony
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) warb persönlich um das AMD-Werk. Schließlich ist "Silicon Saxony", wie sich der Standort in Anspielung auf das kalifornische Silicon Valley nennt, eines der Lieblingskinder der sächsischen Politik.
Infineon als Vorreiter
Schon seit Mitte der 90er Jahre betreibt der deutsche Chiphersteller Infineon dort sein weltweit größtes Werk mit rund 5.000 Mitarbeitern. Ende der 90er baute dann AMD eine erste Fabrik und beschäftigt darin heute rund 2.000 Menschen. Der Bau kam dem Unternehmen damals noch ein paar hundert Millionen Euro billiger.
Entwicklung schreitet voran
Teurer sind inzwischen vor allem die Maschinen geworden. Hunderte High-Tech-Geräte werden in den klinisch reinen Räumen der neuen Gebäude installiert. Das Ziel ist, darin Chips mit der modernen 300-Millimeter-Wafer-Technik produzieren. Die Chips werden dann auf einer Silizium-Scheibe mit 30 Zentimetern Durchmesser hergestellt. Bisher waren die Platten nur 20 Zentimeter breit. Statt 100 können künftig 225 Chips auf einer Scheibe Platz finden, die Produktionskosten sinken dadurch stark.
Auf der Suche nach jungen Talenten
Schon in diesem Jahr sollen bei AMD die ersten 250 Mitarbeiter eingestellt werden. Wenn die Produktion spätestens 2006 voll läuft, sollen es rund 750 mehr sein - vor allem Hochqualifizierte wie Elektroingenieure, Physiker oder Chemiker. "Wir haben mit dem ersten Werk sehr gute Erfahrungen gemacht", sagt Firmensprecher Jens Drews. "Und in der Region gibt es immer noch genug gute Ingenieure und junge Talente."
Aufschwung Ost
Rund 75 Prozent der Mitarbeiter im ersten Werk kommen nach Angaben des Unternehmens aus dem Raum Dresden, 92 Prozent aus den neuen Bundesländern. Auf solche Zahlen verweist die Firma gern. Leiser sagt sie, dass sie zudem vom Aufbau Ost kräftig profitiert. Rund 500 Millionen Euro, also mehr als 20 Prozent der Kosten, fließen an Fördermitteln in die neue Fabrik.
Vom Standort Ostdeutschland profitiert der Konzern noch aus einem weiteren Grund: Die Mikroelektronik in Dresden baut auf den Strukturen der ehemaligen DDR-Chipindustrie auf. Die entdeckte die kleinen Halbleiter in den 80er Jahren als Propaganda-Objekte. Erich Honecker kam immer wieder in die Kombinate "Nachrichtenelektronik" und "Robotron", um neue Errungenschaften zu begutachten. Auch diese Tradition scheint sich zu halten. Schröders Besuch am Montag ist schon der dritte Kanzler-Auftritt am Dresdner Standort seit der Wende. Update 15. Oktober 2005: Feierliche Eröffnung
Der US-Chiphersteller AMD hat seine für knapp 2,1 Milliarden Euro gebaute neue Fabrik in Dresden eröffnet. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sagte bei seiner Rede während der Einweihungsfeier, die Investition zeige, dass Deutschland "ein attraktiver Standort für Spitzeninvestitionen aus aller Welt" sei. Außerdem beweise der Neubau die Leistungsfähigkeit der Wirtschaft in Ostdeutschland gerade im Bereich der modernen Technologien.
Schröder hob hervor, dass die Bundesregierung und das Land Sachsen mit einer Bürgschaft in Höhe von über einer halbe Milliarde Euro die AMD-Investition mit ermöglicht hätten.
Der Neubau ist eine der größten Einzelinvestitionen in den neuen Bundesländern überhaupt. Durch die neue Fabrik sollen tausend zusätzliche Arbeitsplätze bei AMD in Dresden entstehen sowie weitere knapp 1500 neue Arbeitsplätze bei Zulieferbetrieben. AMD will mit modernster Technik in dem neuen Werk seine Chips herstellen und so auch seine Produktionskosten senken.

(Hayo Lücke)

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