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Siemens optimistisch: "Talsohle in Sicht"

Noch stöhnt das Land unter der Wirtschaftskrise. Siemens sieht aber Licht am Horizont - und Bestellungen von rund 15 Milliarden Euro dank staatlicher Konjunkturprogramme.

22.06.2009, 19:16 Uhr (Quelle: DPA)
Internet© Gina Sanders / Fotolia.com

Der Elektrokonzern Siemens will die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise mit Aufträgen aus den milliardenschweren staatlichen Konjunkturprogrammen abmildern. In den kommenden drei Geschäftsjahren erhofft sich das Unternehmen aus den Programmen Bestellungen von rund 15 Milliarden Euro.
Dieses Jahr geht’s noch abwärts
Der Abwärtstrend in diesem Jahr dürfte sich dadurch allerdings kaum abfangen lassen, da die Ausschreibungen jetzt erst anlaufen. "Wir gehen davon aus, dass sich diese Programme frühestens ab kommenden Jahr stabilisierend auf unser Geschäft - und dann zunächst auf den Auftragseingang - auswirken dürften", sagte Konzernchef Peter Löscher am Montag in einer Telefon-Konferenz.
Für das dritte und vierte Quartal 2008/09 (30. September) geht Löscher deshalb weiter von einem Dämpfer für Siemens aus. Als Spätzykler macht der Konzern traditionell wirtschaftliche Auf- und Abschwungphasen mit Verzögerung mit. Für die Weltwirtschaft hofft Löscher auf ein baldiges Ende der Talfahrt. Die Abwärtsentwicklung scheine sich zu verlangsamen.
Ende der Talsohle
"Es besteht also berechtigte Hoffnung, dass wir uns der Talsohle nähern. Aber wie lange sich die Weltwirtschaft auf diesem niedrigen Niveau bewegen wird und wann und in welchem Steigungswinkel es wieder bergauf geht, ist derzeit immer noch schwer zu sagen", so Löscher. Auch ob Siemens durch die erhofften Bestellungen aus den Konjunkturprogrammen etwa die schwache private Nachfrage wettmachen kann, lasse sich derzeit noch nicht sagen. "Bevor die Aufträge nicht an Land sind, lässt es sich schwer über das nicht erlegte Fell diskutieren", sagte Siemens-Finanzvorstand Joe Kaeser.
"Wir gehen davon aus, dass die Aufträge hart umkämpft sind." Auch die konkreten Auswirkungen auf Auftragseingang und Umsatz in den kommenden Jahren ließen sich noch nicht beziffern. Rund sechs Milliarden Euro der erwarteten 15 Milliarden Euro Ordereingang sollen umweltfreundliche Technologien ausmachen. Damit werde der Anteil des Umweltportfolios am Gesamtumsatz deutlich steigen. In diesem Portfolio mit einem Jahresumsatz von zuletzt 19 Milliarden Euro bündelt Siemens das Geschäft mit erneuerbaren Energien wie Windkraft, Anwendungen für die Energieeffizienz und Technologien etwa für die Wasseraufbereitung und Luftreinigung. 19.000 in Kurzarbeit
Die Erlöse aus dem Umweltportfolio sollen bis 2011 auf 25 Milliarden Euro jährlich steigen. Potenziale sieht Siemens beispielsweise auch in dem spektakulären Projekt "Desertec", bei dem über riesige Solar-Anlagen Strom in der Wüste Sahara gewonnen werden soll.
Die besten Aussichten, von den Konjunkturprogrammen zu profitieren, sieht Siemens in den USA, in China und Deutschland. Angst vor staatlichem Protektionismus hat Löscher dabei nicht.
In den USA habe Siemens rund 70.000 Mitarbeiter, in China rund 40.000. "Die aktuelle Debatte um den Schutz der nationalen Industrien sehen wir daher mit einem gehörigen Maß an Gelassenheit." Im vergangenen Geschäftsjahr hatte Siemens Bestellungen von insgesamt 93,5 Milliarden Euro in die Bücher genommen.
Zuletzt hatte der Elektrokonzern den Konjunktureinbruch durch rascher schrumpfende Bestellungen der Kunden im zweiten Quartal zu spüren bekommen und seine Gewinnprognose für dieses Jahr zurückschrauben müssen. Statt der ursprünglich angepeilten 8,0 bis 8,5 Milliarden Euro erwartet der Konzern in seinen drei Sektoren Industrie, Energie und Gesundheit nun nur noch ein Ergebnis über dem Vorjahresniveau von 6,6 Milliarden Euro. Wegen der Flaute sind bei Siemens mittlerweile rund 19.000 der deutschlandweit 130.000 Beschäftigten in Kurzarbeit.

(Dorothee Monreal)

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