News

Siemens gibt Gummi auf der Plastikleitung

In den Laboren der Münchener haben die Forscher einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt: Sie jagten ein Gigabit Daten pro Sekunde über Plastikfasern.

06.06.2007, 10:14 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Beinahe täglich werden mehr Daten über Leitungen gejagt: Internet, Telefonie, Fernsehen – um alle digitalen Angebote transportieren zu können, werden Leitungen mit immer mehr Bandbreite benötigt. Auch für die hausinterne Verkabelung im so genannten Home-Entertainment-Bereich arbeiten Forscher fieberhaft an Möglichkeiten, die Datenautobahnen weiter auszubauen. In den Laboren von Siemens Corporate Technology ist man da jetzt einen gehörigen Schritt weiter: Die Forscher haben einen neuen Geschwindigkeitsrekord aufgestellt. Sie jagten ein Gigabit Daten pro Sekunde (Gbit/s) über Plastikfasern. Damit stehe der Zukunft der kostengünstigen Polymerfaserkabel nun nichts mehr im Wege, heißt es in der Unternehmensmitteilung.
Zehn Mal mehr Daten
Das Besondere an dem Rekord: Bislang waren die Datenübertragungsraten von Polymerfaserkabeln auf 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) beschränkt. Das entspricht heutigem Standard, denn die meisten Netzwerkverkabelungen von Privatkunden werden über LAN-Kabel aus Kupfer realisiert, die ebenfalls bis zu 100 Mbit/s übertragen können.
Der wachsende Bandbreitenbedarf macht aber höhere Datenraten notwendig – und durch einen Trick haben das die Forscher nun auch erreicht: Sie senden die Bits nämlich nicht als gewöhnliche Lichtimpulse über das Kabel, wie bei der Übertragung optischer Signale in der Lichtwellenleitertechnik üblich. Stattdessen haben die Siemens-Forscher anhand eines speziellen Algorithmus' die Lichtsignale so verändert, dass die Bandbreite des Übertragungsmediums besser ausgenutzt wird. Dazu haben sie ein von DSL und WLAN bereits bekanntes Verfahren angepasst, um es auf Lichtsignale anwenden zu können. So konnten genau 1.008 Mbit/s über das Polymerkabel gesandt werden.
Multimedia kann kommen
Die Teststrecke der Siemens-Forscher war dabei 100 Meter lang – eine Distanz, die für Standard-Hausverkabelungen ohne weiteres ausreichen sollte. Die guten Ergebnisse aus dem Labor lassen auf eine baldige weite Verbreitung der Polymerkabel im Privat- und Geschäftskundenmarkt hoffen. Denn diese Form der Kabel ist robust und kann problemlos auch von Laien verlegt werden. Dabei übersetzen kleine Wandlerboxen das elektrische Signal der Kupferleitung in ein optisches Signal. Die schnellen Datenverbindungen sollen nicht nur für Industrie und Medizin interessant sein, sondern künftig beispielsweise auch der Übertragung von Fernsehsignalen innerhalb des eigenen Zuhauses dienen. Zudem sind Polymerkabel sehr dünn und können günstig produziert werden. Wann die neue Technik mit Highspeed-Plastikleitungen auf den Markt kommt, steht bislang jedoch noch nicht fest.

(Aleksandra Leon)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang