Security

Sicherheitsreport 2014: Deutschland leidet unter digitaler Schizophrenie

Jeder Dritte beim "Sicherheitsreport 2014" Befragte schätzt Datenbetrug für sich als großes persönliches Risiko ein. In der Praxis siegt dann laut dem im Auftrag der Telekom erstellen Report aber meist die Bequemlichkeit.

15.08.2014, 17:46 Uhr
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Der jährliche Sicherheitsreport 2014 (PDF) kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Deutschland leidet unter einer digitalen Schizophrenie. Viele Bürger sind zwar besorgt um den Schutz ihrer Daten, der Großteil verzichtet allerdings auf das Studieren der Datenschutzbestimmungen in Online-Shops. Der Report wurde von der Deutschen Telekom in Auftrag gegeben.

Datenschutz verträgt sich nicht mit Bequemlichkeit

Laut dem Sicherheitsreport schätzen 31 Prozent der Befragten Datenbetrug für sich als großes persönliches Risiko ein. Fast jeder glaubt (knapp 90 Prozent), dass die meisten Firmen persönliche Daten weitergeben. Jeder Dritte sieht dieses Vorgehen kritisch.

In der Praxis siegt dann doch meist die Bequemlichkeit: So gab jeder Zweite an, die Datenschutzbestimmungen von Internet-Shops nur "ab und zu" oder "in der Regel" zu lesen. Die Mehrheit sagte, selten oder gar keinen Blick auf die Bestimmungen zu werfen. Der Grund dafür: Die Datenschutzbestimmungen seien zu lang und somit schwer zu lesen. Zudem vertraut mehr als ein Drittel der Befragten den gesetzlichen Regelungen im Bereich Datenschutz.

Besonders "fahrlässig" verhalten sich laut der Umfrage die Gruppe der über 60-Jährigen – rund jeder Dritte verzichtet auf weitergehenden Schutz, wie ihn zum Beispiel ein Antiviren-Programm bietet.

Gehirnforscher: Gefahren aus dem Netz zu vielseitig

Den Zwiespalt zwischen dem Sicherheitsempfinden und dem tatsächlichen Verhalten, erklärt Hirnforscher Prof. Dr. Christian Elger in einem Interview mit der Telekom mit der technischen Komplexität des Internets:

"Niemand weiß doch genau, wie man sich vor Gefahren im Netz schützt – oder wo sie überall lauern. Werde ich zum Beispiel vor Taschendieben gewarnt, passe ich einfach besser auf meine Tasche auf. Aber das Internet ist ja viel zu komplex, als dass man sich hier an einfache Regeln halten kann. Ich muss mich sehr konkret damit beschäftigen, um herauszufinden, wie ich mich schützen kann. Und wenn jeden Tag neue Hacker mit neuen Methoden auf der Matte stehen, geht das kaum. Und schon sind wir bei der Verdrängung. Es gibt außerdem eine Vielzahl an Gefahrenquellen im Netz."

Thomas Kremer, Telekom-Vorstand für Datenschutz, Recht und Compliance fordert deswegen mehr Transparenz sowie länderübergreifende Richtlinien für den Datenschutz: "Unternehmen müssen ihre Kunden in Sachen Datenschutz mehr unterstützen. Wir brauchen mehr Transparenz, und Datenschutzregelungen müssen für jedermann verständlich formuliert sein. Deshalb brauchen wir eine europäische Datenschutzgrundverordnung, die den Bürgern in Europa einen einheitlichen und verlässlichen Schutz im digitalen Umfeld bietet".

(Marcel Petritz)

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