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Schweizer Gemeinde macht mobil gegen Wimax

Eine kleines Dorf kämpft verbissen gegen den Schweizer Telekom-Riesen Swisscom. Die Gemeinde Boltige im Simmental fürchtet Elektrosmog und wehrt sich gegen einen Wimax-Test. Das Projekt musste vorerst auf Eis gelegt werden

09.08.2007, 15:16 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Eine kleines Dorf kämpft verbissen gegen den Schweizer Telekom-Riesen Swisscom. Die Gemeinde Boltige im Simmental wehrt sich derzeit erfolgreich gegen einen Wimax-Test. Das Projekt der Swisscom musste vorerst auf Eis gelegt werden, da die Gemeinde zusammen mit der "Schweizerischen Interessensgemeinschaft Elektrosmog-Betroffener" Gigaherz.ch beim Verwaltungsgericht des Kantons Bern eine Verfügung gegen den Feldversuch mit dem mobilen Internet erwirken konnte, berichtet die Nachrichtenagentur pte.
Verein fürchtet Elektrosmog
Der Verein kritisiert, dass die Sendeleistung zu tief angegeben worden sei, um ein öffentliches Baubewilligungsverfahren zu umgehen. "Ein generelles Wimax-Verbot ist natürlich das höchste, wenn vermutlich auch zu hoch gegriffene Ziel", sagte Gigaherz.ch-Präsident Hans Jakob der Nachrichtenagentur. Es sei nicht einzusehen, warum auch der letzte Winkel der Schweizer Alpen verstrahlt werden solle.
Der Verein tritt nun dafür ein, dass die neuen Wimax-Sendeanlagen gekennzeichnet werden müssen und beruft sich auf Erfahrungswerte aus der zunehmenden Verbreitung von WLAN und der davon ausgehenden Strahlenbelastung. Swisscom prüft nun die juristischen Möglichkeiten, um gegen den Bescheid Einspruch zu erheben. "Die Entscheidung hat uns schon erstaunt", meint Swisscom-Sprecher Carsten Roetz gegenüber pte. Die Anlage besitze eine Sendeleistung von weniger als sechs Watt und sei somit deutlich geringer als vergleichbare Handymasten.
Gesundheitliche Auswirkungen umstritten
Unter Wissenschaftlern sind die Folgen von Elektrosmog für den Menschen weiter umstritten. "Bei derartigen Diskussionen spielt oft eine psychologische und politische Komponente mit hinein", sagte Gunde Ziegelberger vom Bundesamt für Strahlungsschutz der Nachrichtenagentur. Die Ängste der Bevölkerung seien angesichts der wachsenden Komplexität der verwendeten Funktechniken und Geräte verständlich. Gleichzeitig müsse aber auch berücksichtigt werden, dass die Sendeleistung einzelner Geräte zum Teil verringert werden konnte. Die Immissionen rund um UMTS-Basisstationen seien beispielsweise um mehr als die Hälfte geringer als bei GSM-Basisstationen. Und auch bei WLAN würden in erster Linie geringe Sendeleistungen genutzt, so Ziegelberger.
Dennoch hatte die Bundesregierung kürzlich vor der Strahlenbelastung von drahtlosen WLAN-Verbindungen im privaten Umfeld gewarnt und dazu geraten, besser auf Kabel-Verbindungen zurückzugreifen.

(Denise Bergfeld)

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