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Schweizer Fernsehen: Warnung vor den "Simpsons"

Das Schweizer Fernsehen strahlt ab sofort vor jeder Simpsons-Folge eine Warnung aus. Eine Zuschauerin hatte sich zuvor über "exzessive" Gewaltdarstellungen beschwert.

25.11.2009, 15:31 Uhr
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Die US-Trickfilmserie "Die Simpsons" wird im Schweizer Fernsehen künftig mit einer Kinderwarnung ausgestrahlt. Das Programm sei für Kinder unter zwölf Jahren nicht geeignet, heißt es darin nach Angaben des Fernseh-Ombudsmannes, Achille Casanova. Die Serie läuft beim öffentlich-rechtlichen Programm SF zwei nachmittags um 17:50 Uhr.
"Exzessive Gewaltdarstellung"
Die Warnung geht auf eine besorgte Mutter zurück, die sich über exzessive Gewaltdarstellungen in einer Simpsons-Folge ("Am Anfang war die Schreiraupe") beschwert hatte. Künftig werde daher vor jeder Sendung der Kultserie ein entsprechender Hinweis in Schrift und Ton ausgestrahlt, heißt es auf der Internetseite des Ombudsmannes. Nach Auffassung der Frau ist die Serie generell nicht für Kinder geeignet. Häufige Inhalte seien Stresssituationen, Gewaltanwendungen und sexuelle Themen, die meist in sexistischer Art einen Mann oder eine Frau bloßstellten. Konkreter Anlass der Beschwerde waren jedoch Szenen, in denen ein Einbruch und ein Mord dargestellt wird sowie Homer Simpson als Familienvater sein Todesurteil erfährt. Er wird anschließend auf dem elektrischen Stuhl scheinbar auf seine Hinrichtung vorbereitet. "Die Montage der Elektroden am Kopf wird minutiös gezeigt. Seine Kinder sind bei dieser Szene im Zuschauerraum. Auch dass die Exekution plötzlich nicht vollzogen wird, macht die Sache nicht besser", schrieb die Mutter an den Ombudsmann. Sie habe deswegen sofort beim Sender angerufen, um ihr Entsetzen mitzuteilen, doch dieser habe schlicht argumentiert, die Simpsons seien "sehr beliebt und auch von kleineren Kindern geschätzt, deshalb in Ordnung".
Die Simpsons gelten als Satire
Der zuständige Redaktionsleiter im Schweizer Fernsehen, Michel Bodmer, bezeichnete diese Antwort in seiner Stellungnahme zwar als "völlig unprofessionell" und entschuldigte sich öffentlich. Zugleich wies er allerdings darauf hin, dass auch die Eltern eine Verantwortung für das Fernsehverhalten ihrer Kinder hätten. "Auch wenn die Programmschaffenden von SF grundsätzlich darauf achten, dass tagsüber nichts zu sehen ist, was Kinder gefährden, schädigen oder nachhaltig verängstigen könnte, erwarten wir ein Mindestmaß an elterlicher Aufsichtspflicht", schrieb Bodmer. Von Talk- und Gerichtsshows über Dokumentationen bis hin zu Krimiserien und Telenovelas um Liebe, Eifersucht und Hass seien im Tagesprogramm vieler Sender regelmäßig Sendungen zu sehen, die nicht für Kinder bestimmt seien und die in aller Regel mit deren Wirklichkeit und Erlebniswelt mehr zu tun hätten als eine Animationsserie wie "Die Simpsons", so der TV-Mann weiter. Der Satireeffekt der Reihe sei klar erkennbar - sie sei bewusst völlig übertrieben dargestellt, satirisch verpackt und ins Clowneske verzerrt.
Eindeutige Trennung zum Kinderprogramm
Bodmer verwies ebenfalls auf eine bereits bestehende und eindeutige Trennung zum Kinderprogramm, das um 16:50 Uhr ende. Schon im vergangenen Jahr sei in Absprache mit dem Ombudsmann eine entsprechende Maßnahme im Sinne des Jugendmedienschutzes getroffen worden. "Wir haben das Vorabendprogramm so umgestellt, dass 'Die Simpsons' und ähnliche Animationsserien nicht nahtlos ans Kinderprogramm anschließen, sondern dazwischen eine Sitcom für ein eher erwachsenes Publikum läuft, was signalisiert, dass nun andere, ältere ZuschauerInnen angesprochen werden", gab er zu Bedenken. Dennoch werde jetzt zusätzlich ein Warnhinweis den Sendungen vorangestellt.
Casanova begrüßte diese Entscheidung und nannte die Kritik der Frau berechtigt. Er empfehle den Programmverantwortlichen vom Schweizer Fernsehen, besser und umfassender zu kommunizieren, ob eine Trickfilmserie auch von Kindern geschaut werden soll oder nicht.

(Christian Wolf)

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