News

Schnelles Internet in Deutschland: Internetwüsten gibt es selbst in Berlin

Nicht nur in Alpenhütten und abgelegenen Siedlungen sondern auch in manchen Teilen der Hauptstadt geht es auch 2014 nur gemächlich ins Internet. Ein Querschnitt durch acht Bundesländer.

20.08.2014, 15:01 Uhr (Quelle: DPA)
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Ob auf dem Berg oder an der Küste, schnelles Internet ist in allen Bundesländern ein Thema - selbst an ungewöhnlichen Orten der Republik. Mancherorts geht es auf der Datenautobahn noch gemächlich zu.

Alpenhütten und abgelegene Siedlungen ohne Netz

BAYERN: Hüttenwirte sind auf das Internet angewiesen und wählen sich - wenn möglich - über Mobilfunk oder Satellit ein. "Mindestens zwei Drittel aller Hüttenreservierungen laufen über das Internet. Wer am Berg nicht die Möglichkeit dazu hat, muss alles über Dritte im Tal organisieren", sagt Andrea Bichler vom Deutschen Alpenverein in München. Auch die Gäste können das Internet auf dem Berg gut gebrauchen, etwa um sich über die aktuelle Wetter- und Lawinenlage zu informieren, Tourendaten abzurufen oder Grüße vom Berg zu schicken.

NIEDERSACHSEN: In manchen Gegenden geht es auf der Datenautobahn noch gemütlich zu. Aber anders als man vielleicht vermutet, liegen die größten Probleme in der niedersächsischen Küstenregion nicht auf den Ostfriesischen Inseln. "Die haben eine relativ kompakte Siedlungsstruktur", sagte Ingo DeVries von der Kreisverwaltung Aurich. Probleme machen eher abgelegene Siedlungen und Einzelgebäude.

Breitbandlücken selbst in der Hauptstadt Berlin

BERLIN: Selbst in der Bundeshauptstadt kann es Glückssache sein, ob man als Privathaushalt oder Unternehmen einen schnellen Internetanschluss bekommt oder nicht. Einige Berliner Viertel gehören noch zur Internetwüste, vor allem im Osten der Metropole, wie der Breitbandatlas vom TÜV Rheinland zeigt. Sogar im zentralen Bezirk Mitte in Sichtweite zum Fernsehturm am Alex gibt es noch Straßen, in denen weder per Telefonleitung noch Fernsehkabel ein flotter Breitbandanschluss zu haben ist: Je nach Ortsteil liegt die Verfügbarkeit zwischen 88 und 96 Prozent.

HESSEN: Viele Bürger müssen noch ohne schnelles Internet auskommen: Rund 37 Prozent aller Haushalte in Hessen verfügten nach Angaben des Wirtschaftsministeriums Ende 2013 nicht über Hochgeschwindigkeits-Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde. In vier Jahren will die schwarz-grüne Koalition die flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet im Land erreicht haben. Das Land stockte sein Darlehens- und Bürgschaftsprogramm für Breitbandprojekte von 200 auf 350 Millionen Euro auf.

SACHSEN-ANHALT: Auch Sachsen-Anhalt will beim Ausbau des schnellen Internets auf die Tube drücken: Von 2015 bis 2020 sollen rund 150 Millionen Euro vom Land und den Kommunen in den Ausbau von Breitbandnetzen investiert werden, sagt Theo Struhkamp von der Staatskanzlei. In den Jahren 2009 bis 2014 hatte die öffentliche Hand rund 38 Millionen Euro ausgegeben. Mit dem Geld entstehen auch dort Netze, wo es sich für die Telekommunikationskonzerne wirtschaftlich sonst nicht lohnen würde.

Komplett neue Glasfasernetze im hohen Norden

BADEN-WÜRTTEMBERG: Im Südwesten können mehr als 76 Prozent der Haushalte Hochgeschwindigkeits-Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde nutzen. Das heißt aber auch, dass fast ein Viertel der Menschen im Ländle davon nicht erreicht wird. "Unser Ziel ist ein schnelles Internet für alle - egal ob in Stuttgart-Mitte oder im Schwarzwald", sagt der Minister für ländlichen Raum, Alexander Bonde. Das Ministerium will deshalb seine Breitbandinitiative ausdehnen. "Wir wollen im nächsten Doppelhaushalt deutlich zulegen", sagt Bonde.

SCHLESWIG-HOLSTEIN: Das nördlichste Bundesland geht andere Wege als andere Regionen: Schleswig-Holstein will nicht nur schnelles Internet mit mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s), sondern eine komplett neue Glasfaser-Infrastruktur aufbauen. "Wir versuchen nicht, die uralten Telefonkabelnetze aufzumotzen und die irgendwie noch 50-Megabit-fähig zu machen mit teurem Geld", sagt der Leiter des Breitband-Kompetenzzentrums SH, Richard Krause. Rund 24 Prozent der Gemeinden seien schon angeschlossen.

NIEDERSACHSEN: Der Landkreis Wolfenbüttel nahm den Ausbau des Netzes selbst in die Hand. Zusammen mit einem Internetprovider wurden 30.000 bis 40.000 Haushalte in knapp hundert Orten mit 50 Mbit/s angeschlossen. Der Landkreis kam dabei für die Verlegung der Leerrohre und Glasfaserkabel auf. Die Technik für Anschlüsse und Betrieb des Netzes übernimmt der Provider. Für das Modell ist eine Sondergenehmigung nötig gewesen.

(Jörg Schamberg)

Kommentieren Forum
Zum Seitenanfang