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Schneller Surfen auf dem Dorf - Es kann losgehen

Am Montag startet die große Frequenzauktion der Bundesnetzagentur. Mit Hilfe der zu erstehenden Frequenzen soll es möglich werden, schnelles Internet auch in entlegendste Regionen Deutschlands zu bringen.

09.04.2010, 13:25 Uhr (Quelle: DPA)
Smartphone© goodluz / Fotolia.com

Mit dem Handy kann man heute fast überall telefonieren - meist auch dort, wo sich Fuchs und Hase sprichwörtlich gute Nacht sagen. Das Netz für die mobile Telefonie deckt mittlerweile auch die entlegensten Gebiete ab. Anders ist es mit dem schnellen Internet per DSL. Das gibt es noch immer vor allem in Ballungsgebieten und großen Städten, auf dem Dorf ist das digitale Zeitalter noch nicht überall angebrochen. Der Aufbau von festen Datenleitungen ist hier viel zu teuer. Jetzt könnte es aber auch auf dem Land vorwärtsgehen: Von diesem Montag an werden wertvolle Frequenzen versteigert. Mit ihnen wollen die Mobilfunkanbieter das lukrative Geschäft mit dem mobilen Internet ausbauen.

800-Megahertz-Frequenzen sind begehrt

Bei der Auktion der Bundesnetzagentur sind vor allem die Frequenzen aus dem Bereich 800 Megahertz heiß begehrt. Früher waren sie für das Fernsehen reserviert. Als das terrestrische, also das Antennen-Fernsehen, von analog auf digital umgestellt wurde, wurden diese Frequenzen frei. Daher werden sie auch als digitale Dividende bezeichnet. "Sie eignen sich aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften besonders gut, um große Flächen zu versorgen", erklärt der Mobilfunkexperte Manfred Breul vom Branchenverband Bitkom. So ist kein engmaschiges Netz von Funkmasten nötig - damit rechnet sich Aufbau einer Infrastruktur auch in ländlichen Gebieten, in denen pro Quadratmeter nur wenige Nutzer leben.

Die sogenannten weißen Flecken auf dem Land, die heute weder mobile noch stationäre Breitbandanschlüsse haben, sollen endlich auch damit versorgt werden. Diese Anschlüsse sind rund 100-mal schneller als die alten ISDN- oder Modem-Anschlüsse. Ein großes Datenpaket wie etwa ein Video herunterzuladen macht mit den alten Leitungen keinen Spaß.

Mehr Geschwindigkeit für die Masse

Mit sogenannten Surfsticks kann man sich zwar schon heute mobil ins Netz einwählen - die Sticks nutzen dafür die vorhandenen UMTS-Netze. Doch auch diese Leitungen sind relativ langsam und nicht überall verfügbar. Breul verspricht, dass die neuen Datendienste sehr schnell sein werden: "Wenn viele Nutzer gleichzeitig aktiv sind und sich die Bandbreiten teilen müssen, werden es Datenraten von mehreren Megabit sein. Es sind aber auch Spitzenwerte von bis zu 100 Megabit erreichbar." Auch in den Städten soll das Surfen schneller werden.

Für den einzelnen Verbraucher werde es nicht teurer, sagt Breul: "Telekommunikation wird kontinuierlich günstiger. Die Kosten für die Frequenzen müssen zwar wieder rein geholt werden, aber gleichzeitig steigen die Nutzerzahlen bei der mobilen Internetnutzung." Und damit werde es für den Einzelnen wieder günstiger. Ein Netz ist umso rentabler, je mehr Menschen es nutzen.

Start in kleinen Dörfern

Mit dem Kauf der Frequenzen sind Auflagen verknüpft. "Die Unternehmen müssen etwa beim Ausbau ihrer Netze mit den schwach besiedelten und bisher unversorgten Gebieten anfangen", erklärt Rudolf Boll von der Bundesnetzagentur. Bis zum Jahr bis 2016 müssen die Käufer mindestens 90 Prozent der ländlichen Bevölkerung mit einem schnellen Internetanschluss versorgen. Darunter sind Gemeinden von Altdorf in Baden-Württemberg bis Dingelstädt in Thüringen.

T-Mobile, Vodafone, E-Plus und o2 Telefónica stehen schon in den Startlöchern. Sie dürfen bei der Auktion mitbieten. "Wenn nach der Versteigerung mit der Vergabe der Lizenzen alles gut läuft, werden die Netzbetreiber sicher zügig mit dem Aufbau der Infrastruktur beginnen. Denn es macht ja keinen Sinn, die Frequenzen zu ersteigern und sie dann nicht zu nutzen", sagt Breul.

Umrüstung ist nicht teuer

Einen Vorteil haben die Unternehmen dabei: Viele ihrer Funkmasten müssen nur für den neuen Standard umgerüstet werden. "Mobiles Telefonieren ist heute in den ländlichen Regionen über den GSM- Standard praktisch überall möglich. Viele dieser Standorte können auch für die neue LTE-Technologie und damit für Datendienste genutzt werden", sagt Breul.

Mit dem neuen Mobilfunkstandard LTE (Long Term Evolution) sind Übertragungsraten von bis zu einem Gigabit pro Sekunde möglich. Es ist der Nachfolger der UMTS-Technologie, die heute noch oft für das mobile Surfen genutzt wird. Online einkaufen, E-Mails oder Zeitung lesen könnte also bald auch auf weiter Flur möglich sein. Genau wie man dort schon heute mit seinen Freunden telefonieren kann.

(Hayo Lücke)

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