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Schachmatt durch Weihnachtskaufrausch?

Der letzte Klick war einer zuviel: Der weihnachtliche Kauf-Ansturm hat kürzlich in den USA die Einkaufsseiten des Internetportals Yahoo lahmgelegt. Kann deutschen Online-Käufern so etwas auch passieren?

13.12.2007, 11:16 Uhr
Internet© Anterovium / Fotolia.com

"System nicht verfügbar" war die einzige Nachricht, die Websites von Yahoo Merchant Solutions noch von sich geben konnten. Hunderte Kunden saßen ratlos vor dem PC und sahen schon dem weihnachtlichen Alptraum einer mageren Bescherung entgegen. Anbieter beklagten finanzielle Verluste: Etwa 40.000 Websites waren betroffen. Betreiber sind meist kleinere Handelsfirmen, die ihre Geschäfte über die Yahoo-Konzerntochter abwickeln. Sie waren nach einem Bericht der Financial Times Deutschland von der Panne am Montag nach Thanksgiving betroffen: Das System ging angesichts des massiven Onlineshopping-Ansturms in die Knie.
Vom Segen zum Fluch?
Kann der vorweihnachtliche Kundensegen auch zum Fluch werden? In Deutschland blicken die einschlägigen Portale auf Anfrage von Onlinekosten.de gelassen auf die hektische Adventszeit. Auch hierzulande wird verstärkt online nach Geschenken gesucht – und auch gekauft: 2006 gaben Onlinekunden nach einer Yahoo-Studie in der Vorweihnachtszeit 19 Milliarden Euro online aus und waren damit EU-weit Spitzenreiter.
Ein Super-Rush, der die System-Kapazitäten an ihre Grenzen bringt, ist hierzulande jedoch offenbar nicht zu befürchten. Während sich in den USA der betroffene "Cyber-Monday" als einer der wichtigsten Weihnachts-Shoppingtage etabliert hat, wird in Deutschland eher ein Early-Bird-Trend verzeichnet. Nach einer Studie von Advertising.com gab die Hälfte aller Befragten an, bereits im Oktober mit der Geschenksuche zu starten. "Wir sind bestens auf das Weihnachtsgeschäft vorbereitet", so eine Yahoo-Sprecherin, "und es läuft bereits seit einigen Wochen erfolgreich". Das amerikanische Modell "Merchant Solutions" betreibt Yahoo in Europa nicht. Kommerzielle Anbieter können jedoch über andere Tools ihre Produkte bewerben.
Sieben pro Sekunde
Gelassenheit auch bei Amazon.de: "Bei uns kann so etwas nicht passieren", verspricht die Pressestelle und pocht auf die Erfahrungen im Vorjahr. Großkampftag war der 18. Dezember: "Da verzeichneten wir 600.000 Bestellungen", heißt es beim Marktführer im Online-Einzelhandel. Mehr als sieben Artikel seien pro Sekunde ohne nennenswerte Serverprobleme bestellt worden. "Und 2007 hat bereits sehr vielversprechend angefangen".
Ebenfalls sorgenfrei dank "ausgereifter IT-Lösungen" gibt man sich bei Otto.de. Man beobachte schließlich seit Jahren einen Boom des Online-Geschäfts im Advent. "Wir halten ein zweistelliges Wachstum im Weihnachtsgeschäft gegenüber dem Vorjahr für durchaus möglich", freut sich Neue-Medien-Direktor Dr. Thomas Schnieders und verweist auf die aktuelle Studie Europe's 2007 Christmas: An Online Retail Wonderland von Forrester Research, wonach in diesem Jahr 70 Prozent aller Internet-Nutzer im Internet auf Geschenke-Safari gehen.
Fakt ist: Der deutsche Online-Handel boomt nach anfänglicher Zurückhaltung. Der Bundesverband des Deutschen Versandhandels (BVH) rechnet fürs laufende Jahr mit Gesamterlösen in Höhe von knapp elf Milliarden Euro im Vergleich zu einer Milliarde noch vor sieben Jahren. Angesichts steigender Benzinpreise und drohenden Verkehrskollapses in den Städten wird es wohl auch so bleiben – "System nicht verfügbar" und "File not found" zum Trotz.

(Dorothee Monreal)

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