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Saturn startet eigenen Online-Shop

Der Elektronikhändler Saturn ist unter www.saturn.de ab sofort auch im Internet mit einem eigenen Online-Shop präsent. Konzernschwester Media Markt wird im Januar kommenden Jahres mit rund 2.500 Artikeln ins Webgeschäft folgen. Derweil kündigte Konzernchef Eckhard Cordes seinen Rückzug an.

10.10.2011, 13:01 Uhr
Arbeitsplatz© Brad / Fotolia.com

Der Elektronikhändler Saturn ist unter www.saturn.de ab sofort auch im Internet mit einem eigenen Online-Shop präsent. Konzernschwester Media Markt wird im Januar kommenden Jahres mit rund 2.500 Artikeln ins Webgeschäft folgen. Nachdem die zur Metro-Gruppe gehörende Saturn-Dachgesellschaft Media-Saturn-Holding das Internet als Vertriebsweg jahrelang nahezu ignorierte, soll die durch Metro-Chef Eckhard Cordes forcierte Strategiewende nun verlorenen Boden gegenüber erfolgreichen Wettbewerbern wie Amazon gutmachen.

Enge Verzahnung von Filialen und Online-Shop

Gegenüber rein internetbasierten Konkurrenzanbietern will Saturn dabei vor allem mit seinem bestehenden Standortnetz punkten und beide Vertriebskanäle eng miteinander verzahnen. Diese als "Multichannel" bezeichnete Vertriebsform soll beide Zweige intelligent bündeln und den Kunden durch eine Kombination daraus resultierender Vorteile überzeugen. Die Verknüpfung des Webangebotes mit den 144 lokalen Märkten in Deutschland ermöglicht es etwa, Produkte zu identischen Preisen online zu erwerben und entweder für 1,99 bis 6,99 Euro nach Hause liefern zu lassen oder – soweit vorhanden - direkt ohne Mehrkosten in der nächsten Filiale abzuholen. Der Versand von Großgeräten wie Kühlschränken oder Waschmaschinen wird mit 39,90 Euro berechnet.

Bei Fragen, Reklamationen, Umtausch, Inanspruchnahme zusätzlicher Service- und Garantieleistungen sowie allen anderen Problemen sollen Käufer direkt vor Ort einen Ansprechpartner in den am Online-Geschäft beteiligten Märkten finden. Mit der Preisgestaltung will Saturn sich an den für eine Produktgruppe "relevanten Mitbewerbern im Onlinegeschäft" orientieren und verspricht "wettbewerbsfähige Angebote". Das komplette Sortiment ist derzeit allerdings noch nicht virtuell verfügbar. Lediglich die "Topseller" der Bereiche Fernseher, Computer, Handy, Navigation, MP3-Player, Digitalfotografie, Tonträger, Film, Spiele, Haushaltswaren sowie Elektrogroß- und Kleingeräte sind aktuell erhältlich. Alle Produktgruppen sollen dabei sukzessive um weitere Artikel erweitert werden. "Mittel- und langfristig gesehen haben wir die Möglichkeit, dem Kunden ein erheblich breiteres Sortiment anzubieten", so Carsten Strese, Geschäftsführer der Saturn Management GmbH.

Unruhe hinter den Kulissen auf dem Weg zur anvisierten Online-Marktführerschaft

Hinter den Kulissen des Mutterkonzerns grummelt es derweil offenbar gewaltig. So gab Metro-Chef Eckhard Cordes fast zeitgleich zum Startschuss des Saturn-Onlineshops überraschend seinen Rückzug vom Posten des Vorstandsvorsitzenden nach Ablauf seines aktuellen Vertrages zum 31. Oktober kommenden Jahres bekannt. Als Begründung nannte er Indiskretionen innerhalb des Unternehmens bezüglich laufender Vertragsverhandlungen. Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sei auf dieser Basis nicht mehr möglich. "So sind - durch welche Seite auch immer getrieben - immer wieder Spekulationen zu meiner Vertragsverlängerung in die Öffentlichkeit gelangt, die sowohl dem Unternehmen als auch den Mehrheitsgesellschaftern und meiner Person zu schaden drohten. Ein Unternehmen braucht aber ein vertrauensvolles Zusammenwirken und ein Höchstmaß an Geschlossenheit zwischen Vorstand und Aufsichtsrat", erklärte Cordes in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme. Der Spitzenmanager mahnte zudem einen Generationswechsel in der Unternehmensführung an. Zwar sei der Konzern derzeit auf dem richtigen Weg, neue und jüngere Kräfte müssten diesen jedoch unumkehrbar machen.

Grund ist die Entwicklung der jüngsten Zeit. Nach Jahren des Erfolgs war Media-Saturn durch den Druck der Internet-Konkurrenz immer mehr in die Defensive geraten. Nach schwachen Umsatzzahlen im vergangenen Jahr zog Cordes daher im März die Notbremse und boxte mit Unterstützung der Eigentümer die Neuausrichtung hin zu mehr Internetangeboten gegen verschiedene interne Widerstände durch. Bereits zur Jahresmitte wurde in der Folge ein umfassendes Maßnahmenpaket präsentiert, welches die Grundzüge der künftigen Unternehmensstrategie skizzierte. Bis 2015 will Media-Saturn demnach zum Online-Marktführer in Europa aufsteigen; geplanter Jahresumsatz: 5 Milliarden Euro. Um dieses Ziel zu erreichen, ist nach dem Vorbild der Redcoon-Übernahme auch der Kauf weiterer externer Anbieter vorgesehen. Ob das ehrgeizige Vorhaben gelingt, bleibt abzuwarten. Sicher ist nur eines: Markige Werbesprüche allein werden dafür nicht ausreichen.

(Christian Wolf)

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