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Sat-Internet: "Der Knoten ist geplatzt"

Filiago-Chef Utz Wilke sprach auf einer VATM-Veranstaltung im Rahmen der CeBIT von wachsender Akzeptanz von Internet über Satellit. Funk und Sat-Internet könnten die "weißen Flecken" auf dem Land schließen.

Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Internet bis in den letzten Winkel der Republik soll noch in diesem Jahr zur Realität werden. Die Breitbandstrategie der Bundesregierung sieht für jeden Haushalt bis zum Ende des Jahres eine Internetanbindung von mindestens einem Megabit pro Sekunde (Mbit/s) vor. Zweifel an dem Zeitplan sind angebracht und in der IT-Branche auch nicht selten anzutreffen. Doch Anbieter von Internet über Satellit und Funk sehen jetzt ihre Stunde gekommen und wollen ihren Teil dazu beitragen, um die "weißen Flecken" zu schließen und für eine 100-Prozent-Abdeckung zu sorgen.

Sat-Internet bringt Breitband aufs Land

Sat-Internet hat dabei keinen leichten Stand und muss gegen Kritik an der relativ beschränkten Bandbreite, am Fair-Use-Modell, den recht hohen Ping-Raten oder den vergleichsweise hohen Preisen für die Sat-Hardware ankämpfen. In den letzten Monaten ist zumindest das Problem der teuren Hardware durch zahlreiche Sparaktionen und günstige Finanzierungsangebote für Internet per Satellit abgemildert worden. Auch die Bandbreite ist inzwischen auf bis zu knapp vier Megabit pro Sekunde (Mbit/s) im Downstream angehoben worden. Eine Lösung für Gamer oder Vielnutzer soll das Internet aus dem All selbst gar nicht darstellen. Vielmehr bieten die Sat-Provider Bewohnern ländlicher Gebiete häufig die einzige Zugangsmöglichkeit zu breitbandigem Internet, wenn auch mobiles Internet über UMTS nicht zur Verfügung steht.

Filiago: Akzeptanz von Sat-Internet nimmt zu

Filiago-Geschäftsführer Utz Wilke äußerte sich auf der CeBIT im Rahmen der VATM-Veranstaltung "Treffpunkt Technologiemix – Wir schaffen den Anschluss! Mit Funk und Satellit zur 100-Prozent-Marke beim Breitbandausbau". Wilke sieht eine positive Entwicklung bei der Akzeptanz von Funk- und Satellitenlösungen: "Wir hatten mit Vorurteilen zu kämpfen. Doch der Knoten ist geplatzt. Die Leistungsstärke und Effizienz von Funk- und Satellitenlösungen wird immer mehr gesehen". Dies beweise etwa auch eine gute Testbeurteilung durch Stiftung Warentest. "Unsere Erfahrungen zeigen, dass Geschwindigkeiten von 1 bis 4 Mbit/s heute im Konsumerbereich für alle Anwendungen im Internet völlig ausreichend sind. Für 50 oder mehr Mbit/s gibt es – außer TV und Videoübertragung – derzeit noch gar keine Anwendungen", entkräftet Wilke die Kritik an den derzeit noch einstelligen Megabit-Bandbreiten. Fernsehen in HD gebe es ohnehin schon über Satellit - auch ohne Internetanbindung.

In anderen europäischen Ländern würde Breitband über Satellit eine ganz andere Bedeutung haben. Satellitennetzbetreiber Astra versorgt nach eigenen Angaben europaweit etwa rund 60.000 Nutzer. In Frankreich würde die Breitband-Nutzung per Satellit im Gegensatz zu Deutschland auch direkt staatlich gefördert, wenn kein anderer Internetzugang vorhanden sei, erläuterte der Filiago-Chef. Durch die Verbindung von Funk- und Satellit könnte eine 100-Prozent-Abdeckung in den unversorgten Gebieten erreicht werden. Und auch die Politik sieht dies ähnlich. "Für uns ist klar, dass eine lückenlose Breitbandversorgung nur mit einem Technologiemix zu erreichen ist. Die letzten drei Prozent, die uns noch fehlen, sind die schwierigsten", so Hans-Joachim Otto, Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie.

VATM: Nach Satellit und Funk muss Glasfaser folgen

VATM-Geschäftsführer Jürgen Grützner betonte, dass die Bundesregierung bei Bewilligung von Krediten und bei Bürgschaften noch Verbesserungen erreichen müsse. Die Förderrichtlinien sollten die Verpflichtung enthalten, auch wirklich 100 Prozent auszubauen. Satellit und Funk könnten aber nur ein Übergangsschritt sein, denn am Ende müsse eine flächendeckende Versorgung per Glasfaser stehen. "Innovative, maßgeschneiderte Funk- und Satellitenlösungen führen dabei nicht in eine technologische Sackgasse", so Grützner. Voraussetzung für Glasfaser auf dem Land sei aber, dass die Nutzerzahlen dort deutlich erhöht werden müssten und zudem eine Kostensenkung erreicht werden könne. "Nur wenn die TK-Unternehmen mit Funk- und Satellitenlösungen Kunden gewinnen, können sie weiter investieren", so der VATM-Geschäftsführer weiter.

(Jörg Schamberg)

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