News

SAP: Milliardenstrafe wegen Datenklau

Der deutsche Softwarehersteller SAP muss dem US-Rivalen Oracle wegen Urheberrechtsverletzung 1,3 Milliarden Dollar (knapp 1 Milliarde Euro) zahlen. SAP prüft nun, in Berufung zu gehen.

24.11.2010, 07:45 Uhr (Quelle: DPA)
Internetnutzung© adam36 / Fotolia.com

Entscheidung im Datenklau-Prozess: Der deutsche Softwarehersteller SAP muss dem US-Rivalen Oracle wegen Urheberrechtsverletzung 1,3 Milliarden Dollar (knapp 1 Milliarde Euro) zahlen. Das entschied am Dienstag eine Jury im kalifornischen Oakland, wie die Fachagentur Bloomberg berichtete. Mitarbeiter der Software-Wartungsfirma TomorrowNow, einer SAP-Tochter, hatten über das Internet unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen.

Böse Überraschung für SAP

Oracle hatte dies zunächst als Industriespionage gewertet, später aber dann nur noch von Datenklau gesprochen. SAP war bereit, 40 Millionen Dollar als Wiedergutmachung zu zahlen, Oracle verlangte nach einigem Hin und Her aber 1,7 Milliarden Dollar. Bloomberg zufolge handelt es sich bei der von der Jury festgelegten Summe um die höchste in einem Fall um Urheberrechtsverletzung.

SAP war zuletzt auf Oracle zugegangen. "Es tut mir leid", sagte Co-Konzernchef Bill McDermott vergangene Woche als Zeuge vor Gericht Er räumte Fehler ein. Die Walldorfer Firma habe die Zügel bei der kleinen US-Tochterfirma TomorrowNow schleifen lassen. Oracle-Anwalt David Boise hatte vor den Geschworenen mehrmals betont, Millionen Dokumente seien so aggressiv abgegriffen worden, dass die Oracle-Server in die Knie gegangen seien.

TomorrowNow schießt über das Ziel hinaus

Das Geschäftsmodell von TomorrowNow war, günstige Wartung für Unternehmenssoftware anzubieten. Oracle hatte die Software- Hersteller, deren Produkte TomorrowNow betreute, nacheinander aufgekauft. SAP wollte die Wartungsfirma danach als Türöffner nutzen, um Oracle-Kunden abzuwerben. Nach Darstellung der Deutschen war dieser Plan jedoch nur von mäßigem Erfolg gekrönt: Nur 86 von 358 TomorrowNow-Kunden hätten SAP-Software erworben.

SAP hatte bereits das Fehlverhalten der TomorrowNow-Mitarbeiter zugegeben und in dem Prozess geht es jetzt nur noch um die Schadenssumme. Der deutsche Weltmarktführer bei Unternehmenssoftware argumentiert, der tatsächliche Schaden für Oracle sei deutlich niedriger gewesen als der von dem US-Konkurrenten genannte Wert der Service-Produkte. So kommt SAP auf die Spanne zwischen 28 und 41 Millionen Dollar und Oracle auf 1,7 bis 3 Milliarden Dollar. Im Prozess wurde zum Teil auch ein Betrag über vier Milliarden Dollar genannt. SAP hatte TomorrowNow 2008 dichtgemacht.

SAP denkt darüber nach, in Berufung zu gehen

SAP prüft nun, Berufung gegen das US-Urteil einzulegen. "Wir sind natürlich enttäuscht über dieses Urteil und werden alle möglichen Optionen verfolgen", teilte SAP am Mittwoch mit. Dazu zähle falls notwendig auch eine Berufung. Man hoffe jedoch, den Fall auch ohne jahrelanges juristisches Tauziehen lösen zu können.

(Hayo Lücke)

Kommentieren Forum

Dieser Artikel wurde noch nicht kommentiert. Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

Zum Seitenanfang