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Ruf nach dem Staat beim Glasfaserausbau

Wissenschaftler und Marktstrategen diskutierten auf dem VATM-Glasfasertag in Düsseldorf über die finanziellen Risiken des Breitbandausbaus. Umstritten ist die Rolle des Staates.

11.12.2009, 10:31 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Der Breitbandausbau für ganz Deutschland erfordert große finanzielle Investitionen, nach Schätzungen werden bundesweit rund 50-60 Milliarden Euro benötigt. Wie soll der Ausbau finanziell geschultert werden? Darüber diskutierten Wissenschaftler und Marktstrategen auf dem VATM-Glasfasertag in Düsseldorf.
Aktivere Rolle des Staates
Trotz Wirtschaftskrise gebe es derzeit keine Probleme bei der Vergabe von Milliardenkrediten. Thomas Langer, Leiter Telco bei der WestLB, verwies darauf, dass die großen Provider entsprechend belastbare Bilanzen vorweisen könnten. Probleme sehe Langer aber eindeutig bei Glasfaser-Projektgesellschaften, die neu an den Start gingen. Banker würden schnelle Ergebnisse erwarten: Möglichst rasch müsse ein Kundenanteil von mindestens 40 Prozent erreicht werden, damit sich die Investition lohne. Die Risikoabsicherung sei wichtiger geworden. Zudem seien standardisierte Prozesse wie bei dem Ausbau und der Vermarktung von DSL notwendig. Der Staat müsse eine aktivere Rolle einnehmen. An Open Access-Modellen führe in der Zukunft außerdem kein Weg vorbei.
Keine Verstaatlichung von Glasfasernetzen
Der Staat solle beim Glasfaserausbau nach Ansicht von Jürgen Kühling, Rechtsprofessor an der Universität Regensburg, dagegen weiterhin nur punktuell Lücken schließen und intervenieren. Kühling sieht Forderungen nach einem stärkeren staatlichen Eingreifen als "Rolle rückwärts". Glasfasernetze dürften nicht verstaatlicht werden, da dies Enteignungen von bereits bestehenden Glasfaserinfrastrukturen bedeuten würde. Die derzeitigen Regulierungsbestimmungen sehe er nicht als Investitionshindernisse an. "Wir werden uns weiter durchwursteln müssen", so Kühling.
Deutschland hinkt international noch hinterher
Deutschland liege im internationalen Vergleich beim Breitbandausbau im Mittelfeld, so Dieter Elixmann, Abteilungsleiter bei WIK Consult. In anderen Ländern hätte der Staat sich aber auch als Investor oder sogar Netzbetreiber betätigt. Ein Problem sei der stetig sinkende Preis für die Breitband-Produkte. Während Internetanbieter ihre Kunden auf immer schnellere Internetzugänge upgraden würden, sei der Preis dabei nahezu gleichgeblieben. Als Beispiel, wie die Nachfrage nach höheren Bandbreiten gesteigert werden könne, führte er Südkorea an. Dort werden Häuser nach der jeweils vor Ort verfügbaren Bandbreite klassifiziert. Die Wohnungswirtschaft mache nun entsprechend Druck, damit die Internetanschlüsse ausgebaut würden.

(Jörg Schamberg)

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