Gewinneinbruch 2020

RTL: Boom bei Streaming-Plattformen TVnow & Co.

Die RTL Group verzeichnete 2020 wegen Corona einen Gewinneinbruch, vor allem wegen weniger Werbebuchungen. In diesem Jahr soll es wieder bergauf gehen. Starkes Wachstum zeigen die Streaming-Plattformen wie TVnow.

Jörg Schamberg, 12.03.2021, 12:07 Uhr (Quelle: DPA)
RTL TV NOW© obs/Mediengruppe RTL Deutschland

Die RTL Group rechnet nach einem Gewinneinbruch im Corona-Jahr 2020 für das laufende Jahr mit einer Erholung. Medienhäuser litten unter Werbeeinbrüchen - das ging auch RTL so. Unterm Strich musste der Konzern auch deshalb einen Gewinneinbruch von rund einem Drittel hinnehmen. Der auf die Anteilseigner entfallene Gewinn ging von 754 Millionen auf 492 Millionen Euro zurück, wie die TV-Gruppe am Freitag in Luxemburg mitteilte. Ab April erhofft sie sich einen Aufschwung beim wichtigen Standbein Werbung.

TVnow & Co: Streaming-Plattformen von RTL mit starkem Abonnentenwachstum

Während der Umsatz um knapp ein Zehntel auf etwa 6,02 Milliarden Euro zurückging, brachte das Corona-Jahr beim Streaming - also dem Abrufen von Videoinhalten abseits des laufenden TV-Programms - positive Effekte: Die Zahl der zahlenden Abonnenten für die Plattform TVnow der Mediengruppe RTL Deutschland stieg um 64 Prozent auf rund 1,29 Millionen, 2019 waren es noch 783.000. Die niederländische RTL-Streamingplattform Videoland kam auf ein Plus von 38 Prozent und rund 900.000 zahlende Abonnenten (2019: rund 650.000). Der Streaming-Umsatz, der sich aus Abos, Werbung und Einzelverkäufen zusammensetzt, lag bei 170 Millionen Euro (plus 20 Prozent).

Die mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern gehörende RTL Group bleibt bei ihrem Ziel: Bis 2025 sollen es bei TVnow und Videoland 5 bis 7 Millionen zahlende Abonnenten sein. Der Streaming-Umsatz soll 2025 bei mindestens 500 Millionen Euro liegen und dann soll auch die Gewinnzone erreicht sein. Die Gruppe will dafür die Programminvestitionen auf bis zu jährlich 350 Millionen Euro steigern.

RTL Group rechnet für 2021 wieder mit besseren Zahlen

Die RTL Group, zu der mehr als 60 TV-Sender, mehrere Streaming-Plattformen und Dutzende Radiosender in mehreren Ländern gehören, geht für das laufende Jahr von wieder besseren Zahlen aus: Der Umsatz soll aus eigener Kraft um rund 8 Prozent auf 6,2 Milliarden Euro steigen. Das bereinigte operative Ergebnis (Ebita) soll um rund 14 Prozent auf rund 975 Millionen Euro zulegen. Damit würde die Gruppe aber immer noch unter den Werten des Vor-Corona-Jahres liegen (Umsatz 2019: 6,65 Milliarden Euro, Ebita: rund 1,16 Milliarden Euro).

RTL rechnet mit diesem Trend unter der Voraussetzung, dass sich die Wirtschaft vor allem im zweiten Quartal mit einer möglichen schrittweisen Lockerung von aktuellen Lockdown-Maßnahmen weiter erholt und dass das Impfen vorangeht. Für den Werbemarkt geht RTL nach einem verhaltenen Jahresstart von einem deutlichen Anstieg im zweiten Quartal aus - ähnlich äußerte sich bereits jüngst der Medienkonzern ProSiebenSat.1. Neben Streaming sieht RTL Wachstumschancen in individualisierbarer Werbung und ging vor Monaten mit der Telekom eine Kooperation ein.

In einer ersten Reaktion sagte ein Händler, der Ausblick für das laufende Jahr sei etwas konservativer als gedacht, dürfte aber von Vorsicht geprägt ein. Für Analystin Lisa Yang von der US-Investmentbank Goldman Sachs entsprechen die Ziele des Konzerns den durchschnittlichen Erwartungen. An der Börse gab es nur wenig Bewegung am Freitagvormittag. So gab die Aktie um 0,8 Prozent nach und damit in etwa so viel wie der Gesamtmarkt.

RTL und ProSiebenSat.1 buhlen um die Position als "nationaler Champion"

RTL-Gruppen-Chef Thomas Rabe, der auch Bertelsmann-Konzernchef ist, erwähnte am Freitag erneut das Ziel, dass RTL "nationaler Champion" sein will. ProSiebenSat.1 verfolgt mit der Streaming-Plattform Joyn in Deutschland eine ähnliche Strategie. Inmitten des weltweiten Streaming-Booms konkurrieren Riesen wie Netflix, Apple, Disney und Amazon, die sich auch in Deutschland Anteile gesichert haben. Die Strategie von RTL ist es, auf den lokalen nationalen Markt fokussiert die große Stimme zu sein.

RTL will eigenen Markennamen stärken: TVnow wird demnächst zu RTL+

Dazu passt, dass RTL den eigenen Markennamen stärken will - die Logos in Ländern wie zum Beispiel Deutschland, Niederlanden, Belgien oder Kroatien sollen vereinheitlicht werden. TVnow soll zudem RTL+ heißen.

RTL spricht schon länger von einer Konsolidierung des europäischen TV-Geschäfts. In Deutschland will die Gruppe Alleineigentümer des Kinderprogramms Super RTL werden und den Disney-Anteil von 50 Prozent kaufen. Auch ein weiteres Zusammenrücken von RTL in Deutschland und dem Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr ("Stern", "Geo") wird geprüft. Der Verlag gehört auch zu Bertelsmann, der Konzern setzt schon länger auf Synergien seiner Sparten.

Im Raum steht für die RTL-Gruppe zugleich eine mögliche Veränderung im zweitwichtigsten Markt Frankreich - RTL hält an der börsennotierten TV-Gruppe M6 48,5 Prozent. Medien spekulierten über einen möglichen Verkauf. Rabe betonte dazu lediglich erneut, man prüfe Optionen für den Kontrollanteil - "mit dem Ziel, Werte für unsere Aktionäre zu schaffen. Derzeit kann es keine Gewissheit geben, dass dies zu einer Vereinbarung oder Transaktion führen wird." Einen Zeitpunkt für eine Entscheidung ließ er offen.

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