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Routerzwang vor dem Aus: Das sagen DSL-Provider und Kabelnetzbetreiber

Der vom Bundeskabinett in der vergangenen Woche verabschiedete Gesetzentwurf sieht künftig eine freie Routerwahl für Internetkunden vor. Doch wie reagieren die DSL-Provider und Kabelnetzbetreiber? Die Antworten überraschen - offenbar gibt es überhaupt keinen Routerzwang.

18.08.2015, 16:32 Uhr
WLAN Router© Tom / Fotolia.com

In der vergangenen Woche hatte das Bundeskabinett einen Gesetzentwurf beschlossen, der Internetnutzern künftig eine freie Routerwahl ermöglichen soll. Die Praxis einiger Provider, die eigenen Kunden verpflichtend zur Nutzung von bestimmten Routermodellen zu zwingen, stünde damit vor dem Aus. Zunächst muss der Gesetzentwurf (PDF) aber noch Bundestag und Bundesrat passieren, zudem ist eine sechsmonatige Übergangsfrist vorgesehen. Die neuen Regelungen können damit erst 2016 in Kraft treten. Doch wie reagieren DSL-Provider und Kabelnetzbetreiber auf das angekündigte Aus des 'Routerzwangs'? Auf Anfrage unserer Redaktion haben wir Stellungnahmen einiger Anbieter erhalten, nicht alle angeschriebenen Internetanbieter haben aber Position bezogen.

Kein Routerzwang für Telekom-Kunden

Telekom

Kurz und knapp antwortete die Deutsche Telekom (www.telekom.de) Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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: "Für Anschlüsse der Deutschen Telekom gibt es keinen Routerzwang und natürlich werden wir unseren Kunden weiterhin Router anbieten", so eine Unternehmenssprecherin gegenüber onlinekosten.de.

o2-Kunden haben Wahl zwischen verschiedenen DSL-Routern

o2

Die Stellungnahme von Telefónica Deutschland, Anbieter von DSL- und VDSL-Internetzugängen über die Marke o2 (www.o2.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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), fiel zum aktuellen Zeitpunkt zurückhaltend aus. "Das neue Gesetz wurde gerade als Kabinettsentwurf in den Bundestag eingebracht und wir werden den Gesetzgebungsprozess weiter beobachten", so ein Unternehmenssprecher. "Unsere Kunden haben bereits heute die Wahl zwischen verschiedenen hochwertigen DSL-Routern, mit denen wir die Sicherheit und Qualität des DSL-Angebotes garantieren können. Sollten sich durch die Gesetzgebung Änderungen ergeben, werden wir wie üblich rechtzeitig informieren", so die Position von Telefónica Deutschland.

1&1-Kunden können auch andere als den mitgelieferten Router verwenden

1und1

Provider 1&1 (www.1und1.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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), der seit Anfang August seine DSL- und VDSL-Tarife nur noch mit kostenpflichtiger WLAN-Hardware anbietet, sieht sich von den neuen gesetzlichen Regelungen nicht betroffen. "Grundsätzlich steht es 1&1 Kunden bereits jetzt frei, einen anderen als den mitgelieferten Router zu verwenden", so ein 1&1-Sprecher. "Die für Einrichtung und Betrieb notwendigen Zugangsdaten lassen sich zum Beispiel bequem online im geschützten Kundenbereich, dem 1&1 Control-Center, abrufen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass 1&1 den Kunden nicht mit Firmware-Updates oder individuellem Support zu seinem Router-Modell unterstützen kann", so 1&1 weiter.

Unitymedia: Beliebige Router an Kabelmodems nutzbar

Unitymedia

Die Aufregung um den angeblichen Routerzwang versteht auch der Kabelnetzbetreiber Unitymedia (www.unitymedia.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) nicht: "Von unserer Seite gab es nie einen 'Routerzwang'. Unitymedia stellt seinen Kunden Kabelmodems zur Verfügung, hinter denen Kunden beliebige Router betreiben können", betont ein Unitymedia-Sprecher. Der Kölner Kabelnetzbetreiber gibt sich bei dem Thema entspannt: "Daher erwarten wir im Zusammenhang mit dem gerade eingebrachten Gesetzesentwurf keine fundamentalen Veränderungen", so der zweitgrößte deutsche Kabelanbieter. Es sei laut Unitymedia ohnehin noch zu früh, um eventuelle Änderungen für die Kunden vorherzusagen: "Inwiefern sich durch das Gesetz eventuell Gerätezertifizierungen, Schnittstellenbeschreibungen und –spezifizierungen und vielleicht auch Prozesse ändern, lässt sich erst am Ende des Gesetzgebungsverfahrens einschätzen."

Kein Routerzwang bei Kabel Deutschland

Kabel Deutschland

Sehr detailliert nahm Vodafone-Tochter Kabel Deutschland (www.kabeldeutschland.de Bei diesem Link handelt es sich um einen Affiliate-Link (Partnerlink), der Nutzer auf Seiten Dritter führt. Wird dort ein Kauf getätigt, erhalten wir unter Umständen eine Provision. Diese Vergütung trägt dazu bei, dass wir unseren Service für Nutzer kostenlos anbieten können.
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) Stellung auf die Anfrage von onlinekosten.de. Aber auch hier will man nichts von einem sogenannten 'Routerzwang' wissen. "Bei Kabel Deutschland gibt es keinen Zwang bezüglich der eingesetzten Router-Hardware. Der Kunde kann auch heute schon prinzipiell die Hardware seiner Wahl hinter dem Modem einsetzen", so der Sprecher von Kabel Deutschland. Der größte deutsche Kabelnetzbetreiber gibt aber zu bedenken: "Allerdings stellen wir bei den Routern erhebliche Qualitätsunterschiede fest, sodass wir die Modelle, die wir aktiv vermarkten, sehr genau auswählen."

Kabel Deutschland: Hersteller müssen Qualitätskriterien einhalten

Daher plädiert Kabel Deutschland auf Einhaltung bestimmter Qualitätskriterien: "Im Interesse der Verbraucher sollte der Gesetzgeber im Rahmen seiner geplanten Regelung die Hersteller in die Pflicht nehmen, eine exzellente Dienstqualität (Bandbreite, Sprachqualität) zu liefern. Ebenso muss sichergestellt werden, dass die Netzbetreiber auch bei Fremd-Routern komplexe Entstörungen und zuverlässige Sicherheitsupdates bewältigen können. Ebenso muss verhindert werden, dass ein einzelner Kunde mit einem qualitativ minderwertigem Router viele andere Kunden beeinträchtigt. Diese Gefahr besteht vor allem bei der Kabel- und Vectoring-Technologie."

Warnung vor einheitlicher Festlegung der Anschlussdose als Netzabschlusspunkt

Kabel Deutschland sieht die geplante gesetzliche Neuregelung, die die Anschlussdose an der Wand einheitlich über alle Festnetztechnologien hinweg als Netzabschlusspunkt definiert, als problematisch an und warnt "eindringlich" vor solchen Überlegungen. "Dieses widerspräche den technischen Gegebenheiten im Kabel und wäre in Europa ohne Beispiel. Denn anders als in Kupferdoppelader-Netzen (DSL) gibt es in Kabelnetzen ("Shared Medium") keine dedizierte, individuell vom Netzbetreiber adressierbare physische Anschlussleitung zum Kunden", betont der Sprecher von Kabel Deutschland.

"Vielmehr ermöglicht erst das Kabelmodem als Netzabschlussgerät im Zusammenspiel mit der Gegenstelle im Kabelnetz (sog. Cable Modem Termination System, CMTS) die Bereitstellung der individuellen Dienste für den Endkunden. Ein Kabelmodem erfordert deshalb zwingend eine gerätespezifische, kabelnetzbetreiberindividuelle Konfigurationsfirmware, um die Dienste gegenüber dem Endkunden erbringen zu können", erklärt Kabel Deutschland. "Diese muss grundsätzlich über die Netzbetreiber gesteuert und an netzseitige Veränderungen angepasst werden können. Das Kabelmodem bildet daher den Netzabschlusspunkt und lässt sich folglich auch nicht als "Endgerät" umdefinieren", bringt es der Unternehmenssprecher auf den Punkt.

Das kommende Jahr dürfte spannend werden: Nach Inkraftreten der neuen gesetzlichen Regelungen wird sich zeigen, wie die Provider den Gesetzestext auslegen. Die Zugangsdaten für den Internetanschluss müssen Internetanbieter ihren Kunden künftig immer mitteilen, wenn es bei dem entsprechenden Passus im aktuellen Gesetzentwurf bleibt.

(Jörg Schamberg)

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