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Routerhersteller: Telekom-Begründung für DSL-Drosselung ist "hanebüchen"

"Wir wollen nicht zurück in die Bundespost-Steinzeit", kritisiert Router-Hersteller Viprinet die Telekom. Datenverkehr lasse sich über die reichlich vorhandenen Backbone-Kapazitäten zu Spottpreisen realisieren, bei DSL-Zugängen mache das nur Centbeträge aus.

26.04.2013, 19:35 Uhr
Telekom Zentrale© Deutsche Telekom AG

Von allen Seiten hagelt es derzeit Kritik: Die Pläne der Telekom, Bandbreiten-Drosselungen für DSL-Anschlüsse einzuführen, stoßen auf breiten Widerstand. Nicht nur Kunden äußern ihr Unverständnis. Auch die Bundesregierung warnt vor Einschränkungen bei Flatrates. Heftige Vorwürfe erhebt auch Viprinet, ein deutscher Hersteller von Business-Internetroutern. Das Unternehmen zeigt sich "schockiert" über das Vorgehen des Bonner Konzerns und sieht den Breitbandausbau "massiv gefährdet". Die Telekom schaffe zudem die Netzneutralität durch eine "völlig unzulässige Wettbewerbsbehinderung" ab.

Datenverkehr lässt sich zu Spottpreisen realisieren

"Weitestgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit versucht die Deutsche Telekom unter massivem Lobbyeinsatz seit einigen Monaten, im deutschen Breitbandmarkt die Uhr zurückzudrehen, um eine Monopolposition wie zu Zeiten der Bundespost wiederzuerlangen", erklärt Viprinet-Geschäftsführer Simon Kissel. Es sei ein "Unding, dass Deutschland als einziges westliches Industrieland im Jahre 2013 zu volumenbasierten Internetzugängen zurückkehren will", heißt es in der Pressemitteilung des Router-Herstellers.

Insbesondere die Begründung der Telekom für die Einführung einer Drosselung sei "hanebüchen": Der ehemalige Monopolist wolle die Backbones nicht überlasten. Es gebe hierzulande aber im Gegenteil "gigantische" Backbone-Überkapazitäten, der Datenverkehr lasse sich darüber zu "Spottpreisen" realisieren. "Bei einem DSL-Zugang macht das in der Gesamtkalkulation des Providers nur Centbeträge aus. Die wahren Kosten liegen bei den Zugangsmedien – die DSL-Wettbewerber der Telekom zahlen kräftig an diese, um die vom Steuerzahler bezahlten und längst abgeschriebenen Kupferleitungen mit nutzen zu dürfen", erläutert Kissel.

Kritik an Vectoring-Plänen und Routerzwang

Doch auch die von der Telekom geplante Einführung der Vectoring-Technologie sieht Kissel äußerst kritisch, da sie den flächendeckenden Breitbandausbau hemme. "Die, die heute immer noch mit ISDN-Geschwindigkeit surfen, bekommen auch mit Vectoring weiterhin keinen Breitband-Internetzugang. Profitieren werden nur die, die ohnehin bereits VDSL mit 50 MBit/s haben", betont der Viprinet-Geschäftsführer.

Eine Entscheidung der Bundesnetzagentur vom Januar dieses Jahres stuft Kissel schließlich als "Horrorszenario" für die Verbraucher sowie für Modem- und Routerhersteller ein. Die Regulierungsbehörde hatte entschieden, dass der Netzanschluss eines Providers nicht mehr die Telefondose, sondern das vom Netzbetreiber gelieferte Modem ist.

Provider wie die Telekom könnten ihren Kunden damit bestimmte Modems für die Nutzung an ihrem Anschluss vorschreiben. Europäische Router-Hersteller würden benachteiligt, chinesischen Herstellern immer häufiger der Vorzug gegeben. "Ein chinesisches Modem in jedem deutschen Haushalt, und ein Verbot, dieses wegzuschmeißen und durch ein deutsches Markenprodukt zu ersetzen? Wahnsinn!", bringt es Kissel überspitzt auf den Punkt. An Politik und Regulierungsgsbehörden appelliert er: "Verhindern Sie, dass die Deutsche Telekom das von unseren Steuergeldern bezahlte Kupfernetz dazu missbraucht, den ohnehin schwachen Wettbewerb zu vernichten und ein Monopol bei Internetzugängen und Routern zu errichten. Wir wollen nicht zurück in die Bundespost-Steinzeit!".

(Jörg Schamberg)

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