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Rote Karte für NetRental

Bundesnetzagentur untersagt Entgeltmodell für den Wiederverkauf von DSL-Anschlüssen. Chancengleicher Wettbewerb auf dem DSL-Markt werde behindert.

22.05.2006, 16:54 Uhr
Notebook© Roman Hense / Fotolia.com

Die Deutsche Telekom darf ab sofort große DSL-Reseller wie AOL oder der United-Internet-Gruppe nicht mehr nach dem umstrittenen NetRental-Modell abrechnen. Das hat heute die Bundesnetzagentur in Bonn entschieden. Sie sieht in der seit Dezember 2005 gültigen Abrechnungspraxis, die Wiederverkaufsrabatte von zum Teil über 50 Prozent ermöglichte, eine Gefährdung der Chancengleichheit auf dem DSL-Markt.
Unzulässige Rabatte
In einem Verfahren der nachträglichen Entgeltkontrolle sei die Bundesnetzagentur zu dem Ergebnis gekommen, dass es sich bei NetRental letztlich um ein Rabatt-Modell handelt, das großen DSL-Anbietern deutlich höhere Margen beim Wiederverkauf von DSL-Anschlüssen der Telekom einräumt als kleineren DSL-Providern. Ein sachlich gerechtfertigter Grund bestehe dafür allerdings nicht, hieß es heute in Bonn.
Chancengleichheit wahren
Der Präsident der Bundesnetzagentur, Matthias Kurth, erklärte, dass das NetRental-Modell "nicht mit dem im Telekommunikationsgesetz vorgegebenen Regulierungsziel der Sicherstellung chancengleicher Wettbewerbsbedingungen" vereinbar sei. Es bewirke "eine deutliche Wettbewerbsverzerrung zu Lasten mittlerer und kleinerer DSL-Anbieter".
Der von der Telekom vorgelegten Erklärung, NetRental-Kunden müssten eine so genannte "virtuelle Netzkapazität" für mindestens zwei Jahre bei ihr anmieten und daher ein Investitions- und Auslastungsrisiko für diese Kapazität tragen, schloss sich die Bundesnetzagentur nicht an. Die genannten Risiken bestünden vor dem Hintergrund des kräftigen Wachstums auf dem DSL-Markt "faktisch kaum", so Kurth.
Der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) zeigte sich in einer ersten Stellungnahme zufrieden. "Das ist die von uns erhoffte Rote Karte des Regulierers an die Telekom. Mit einer derartigen Bevorzugung einer bestimmten Vertriebsform wäre kein Fairplay zwischen BREKO-Firmen und Resellern möglich gewesen", erklärte BREKO-Geschäftsführer Rainer Lüddemann.
Verbände zufrieden
Jürgen Grützner, Geschäftsführere des Branchenverbandes VATM, bläst in ein ähnliches Horn. Er begrüßte die Entscheidung ausdrücklich und fügte hinzu, dass dadurch der Vorstoß der Telekom unterbunden werde, Wettbewerber aus dem Markt zu drängen, indem einige wenige Anbieter bevorzugt würden. "Das NetRental-Verbot ist auch der erste Schritt auf dem Weg zu einer konsistenten Entgeltstaffelung auf dem DSL-Markt, bei der alle Anbieter ihre Geschäftsmodelle realisieren können", so Grützner.
Auch direkt von den Telekom-Wettbewerbern sind positive Stimmen auf die gefällte Entscheidung zu vernehmen. "Hätte die Bundesnetzagentur nicht eingegriffen, wäre es im DSL-Bereich zukünftig so gewesen, als wenn Bayern in der nächsten Saison gegen Cottbus spielt, aber die Bayern das Spiel mit vier Toren Vorsprung beginnen würden", urteilte Eckhard Spoerr von freenet.de. Ähnliche Worte wählt auch Peer Knauer, Chef der Versatel Holding GmbH: "Dies ist die richtige Entscheidung, um einen nachhaltigen infrastrukturbasierten Wettbewerb im DSL-Festnetzmarkt zu fördern – insbesondere auch für das Unternehmen Versatel, das erheblich in den Ausbau der eigenen Infrastruktur investiert hat."
Die T-Com hat die Entscheidung dagegen heftig kritisiert. Der Regulierer greife mit "drastischen Maßnahmen" in ein "funktionierendes Segment des Internetmarktes" ein. Die Entscheidung gefährde die langfristige Entwicklung dieses zukunftsträchtigen Marktes und richte sich auch gegen die Verbraucher, hieß es dazu aus der Bonner Konzernzentrale. "Die Bundesnetzagentur untersagt T-Com, angemessen auf Anforderungen im Wholesalemarkt zu reagieren", klagt Achim Berg, Vorstand Marketing und Vertrieb T- Com. Die Telekom-Tochter will jetzt über alternative Angebote nachdenken.
Resale-Verfahren läuft noch
Der VATM spricht sich ferner im Rahmen des bei der Bundesnetzagentur noch laufenden Verfahrens zu DSL-Resale für eine angemessene Erhöhung des Wiederverkaufs-Abschlags aus. Aktuell liege der Rabatt bei 11,5 Prozent, müsse sich aber an den Kosten orientieren, die die Reseller bei effizienter Leistungserbringen haben. "Diese Kosten werden von den aktuellen Abschlägen nicht gedeckt", urteilt VATM-Geschäftsführer Grützner. Bei der Entgeltbestimmung müssten insbesondere auch die von den Anbietern nachgewiesenen Vertriebs- und Marketingskosten berücksichtigt werden. Beim BREKO hält man einen Rabatt in der Größenordnung zwischen 15 und 18 Prozent für realistisch. Eine Entscheidung wird am 6. Juni erwartet.

(Hayo Lücke)

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